Corina Wagner

Sopranistin und Autorin


Das Heute, das jetzt Machbare zählt ...

 Sammelsurium

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© Corina Wagner



Messa per Rossini

Wagners Randnotiz Frenetischer Applaus für Erstaufführung der Messa per Rossini in Ulm
 

Frenetischer Beifall für Erstaufführung der Messa per Rossini in Ulm

Beeindruckend - ein Wort für ein großartiges Konzert.

Mit der Ulmer Erstaufführung der Messa per Rossini ist Thomas Kammel, Leiter des Oratorienchors Ulm, ein bemerkenswertes Konzert am 25. November 2018 in der Pauluskirche gelungen. Opernfans aus der Region konnten sich freuen. Konzertbesucher zollten mit frenetischem Beifall die Leistung des Oratorienchors, der Solisten: Selene Zanetti (Sopran), Cornelia Lanz (Mezzo-Sopran), Dean Power (Tenor), Andrejs Krutojs (Bariton), Ardalan Jabbari (Bass-Bariton) und des Orchesters, die Kammerphilharmonie Bodensee-Oberschwaben. In der vollbesetzen Pauluskirche erlebten die Veranstaltungsbesucher ein monumentales Requiem, eine Totenmesse zu Ehren von Cioacchino Rossini.

Diese einzigartige Totenmesse beinhaltet nicht nur jeweils eine Komposition von dreizehn Musikern, sondern bietet heutzutage Klassikfans eine interessante Geschichte aus der italienischen Musikszene von anno dazumal. Rossini starb am 13. November 1868. Kein geringerer, als der bedeutendste Opernkomponist Giuseppe Verdi initiierte einst die Messa per Rossini. Zwölf der angesehensten italienischen Komponisten, die zu jener Zeit geistliche Werke oder Opern komponierten, gewann Verdi für sein geistliches Projekt: Antonio Buzzolla (Kapellmeister an San Marco in Venedig), Antonio Bazzini (Professor am Konservatorium in Mailand, Violinvirtuose), Carlo Pedrotti (Orchesterleiter, Konzertmeister, Theaterdirektor und Gründer der „Conzerti Popolari“), Antonio Cagnoni (Opernkomponist, Kapellmeister), Federico Ricci (Opernkomponist), Alessandro Nini (Kapellmeister, Komponist), Raimondo Boucheron (Domkapellmeister in Mailand, Buchautor), Carlo Coccia (Komponist von Opern und geistlicher Musik), Pietro Platania (Opernkomponist, Direktor des Konservatoriums in Palermo), Lauro Rossi (Opernkomponist, Leiter des Mailänder Konservatoriums) und Teodulo Mabellini (Komponist von Opern und geistlicher Musik, Dirigent).

Verdi gab den zwölf Teilnehmern Kompositionsbedingungen wie z.B. Form, Tempo und Tonart vor. Jede einzelne Komposition für die Totenmesse musste in der Tonart enden, in der sie zuvor begann. Es wurde ein römisch-katholischer Requiem-Text verwendet. Verdi stellte auch Bedingungen für die Aufführung. Sie sollte in Rossinis Heimatstadt Bologna zum ersten Jahrestag seines Todes am 13. November 1869 in der Kirche S. Petronio uraufgeführt werden. Diese Gemeinschaftskomposition wurde bereits im Vorfeld von der italienischen Presse belächelt, so hatten Kritiker die Befürchtung, dass „zu viele Köche den Brei verderben“. Die Messa per Rossini wurde dank aller beteiligten Komponisten einen Monat vor dem Jahrestag fertig. Allerdings kam es wegen „widriger Umstände“ nie zu der Uraufführung am 13. November 1869. Die Verwirklichung des Projekts scheiterte letztendlich an Fakten wie Organisation und Finanzierung. So verschwand das Gemeinschaftswerk der dreizehn besten italienischen Komponisten aus dem Fokus der Presse und aller Beteiligten.

Fünf Jahre später nutzte dann Verdi seinen eigenen Beitrag der Gemeinschaftskomposition in überarbeiteter Form für seine Messe da Requiem. Komponisten wie Buzzolla, Cagnoni, Platania und Mabellini überarbeiteten wie Verdi ihre Kompostionen und ließen diese dann aufführen. Die Messa per Rossini war quasi jahrzehntelang verschollen und wurde erst im Jahr 1970 von David Rosen in Bologna entdeckt. Doch kam es nach dem Fund der außergewöhnlichen Totenmesse keineswegs zu einer Aufführung. Erst beim Europäischen Musikfest Stuttgart wurde die Messa per Rossini am 11. September 1988 unter der Leitung von Helmuth Rilling von der Gächinger Kantorei uraufgeführt.

Die Aufführung des Requiems dauert ohne Pausen ca. 1 Stunde 50 Minuten.

Mein besonderer Dank gilt Herrn Thomas Kammel, der den Mut hatte und die Messa per Rossini in Ulm aufführte!

27. November 2018

Corina Wagner

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Quellen:

Programmheft Messa per Rossini, Oratorienchor Ulm e.V.

http://www.internationale-giuseppe-verdi-stiftung.org/oeuvre/de/view/das-projekt-messa-per-rossini

Weitere Infos:

https://www.staatsoper.de/biographien/detail-seite/zanetti-selene.html

https://cornelia-lanz.com/

http://www.deanpowertenor.com/

https://krutojs.com/

https://www.operamusica.com/artist/ardalan-jabbari/

http://www.kammerphilharmoniebo.de/

https://www.oratorienchor-ulm.com/

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Klangbeispiel Messa per Rossini/Leitung Helmuth Rilling

https://www.youtube.com/watch?v=jhBuGjZPbvc

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https://www.freitag.de/autoren/corina-wagner/messa-per-rossini-in-ulm

 


 

„Es lebe die Freiheit" zum 100. Geburtstag von Hans Scholl

In Ulm fand am 22. September 2018 mit „Es lebe die Freiheit“ eine ausverkaufte Weltpremiere statt, die mit frenetischem Beifall vom Publikum belohnt wurde. Bravo! Die Theaterwerkstatt Ulm e.V. ermöglichte einen brillanten Theaterabend anlässlich des 100. Geburtstags von Hans Scholl. Er und seine Schwester Sophie sind für ihr mutiges Engagement während des Dritten Reichs über die Grenzen Deutschlands bekannt geworden. Sie sind Gründer und Mitglieder der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ an der Münchener Universität. Ihre Namen stehen für mehr Menschlichkeit und Widerstand gegen Hitler-Deutschland. Deshalb gibt es auch ca. 200 deutsche Schulen, die ihren Namen tragen. Das Zitat aus dem letzten Flugblatt der „Weißen Rose“ verliert als Zeitzeuge auch heute noch nicht an Bedeutung und steht als Mahnmal für weitere Generationen:"Im Namen der ganzen deutschen Jugend fordern wir von dem Staat Adolf Hitlers die persönliche Freiheit, das kostbarste Gut der Deutschen zurück, um das er uns in der erbärmlichsten Weise betrogen hat."

Jeder Mensch, der zurzeit in Deutschland lebt, bemerkt eine negative, manipulierende Beeinflussung innerhalb der Bevölkerung. Immer mehr wird öffentlich zelebrierter Fremdenhass sichtbar. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass Künstler und Theaterleiter darauf mit Veranstaltungen reagieren. Zitat Theaterwerkstatt Ulm: „Es ist uns ein Anliegen, in einer Zeit des aufkeimenden Fremdenhasses und zunehmender Intoleranz mutigen jungen Menschen, die sich gegen den herrschenden Mainstream aufgelehnt haben, auf unserer Bühne Platz zu geben. Es ist das erste Theaterstück über Hans Scholl und damit eine Weltpremiere.“

Die Theaterwerkstat Ulm ist ein Amateurtheater vom Feinsten. Die Akteure, Darsteller überzeugen mit Professionalität.

Die Autoren Elvira Lauscher, Jörg Neugebauer und Thomas Laengerer verfassten neun Spielszenen, die Stationen aus dem Leben von Hans Scholl zeigen. Zu dem auch seine Weggefährten und Mitstreiter Alexander Schmorell und seine Geschwister Inge und Sophie Scholl gehörten. Alle drei Autoren spielen auch während der Inszenierung mit. Die Verknüpfung mit Sequenzen aus Bertold Brechts „Furcht und Elend des Dritten Reiches“, die das gesellschaftliche Umfeld beleuchten, ist hervorragend gelungen. Das Publikum ist bereits zu Beginn mittendrin im Dritten Reich, als die Angst vor Bespitzelung, Verrat, Verfolgung von Juden und Andersdenkender zum Alltag gehörten. Die gelungene Inszenierung bei der Thomas Laengerer Regie führt, wird auch durch Gesangseinlagen und Geigenspiel von Uli Hahnel untermalt. Das Bühnenbild überzeugt durch seine Schlichtheit, da die Worte der Darsteller und die Ausdruckskraft beim Spielen stark genug sind, um das Publikum in eine Zeit zurückzuholen, die von Verleumdung, Krieg und Massenmord geprägt war. Fazit: Eine emotionsgeladene Inszenierung, welche dank aller Mitwirkenden unter die Haut geht. Gratulation!

Mitwirkende, Quelle Theaterwerkstatt Ulm e.V.:

​Über das Autoren-Trio

Elvira Lauscher ist Journalistin und Schriftstellerin und hat neben fünf Sachbüchern und Lyrikveröffentlichungen in renommierten Publikationen ein Kindertheaterstück „Der Vanille-Drache“ geschrieben, das an mehreren Schulen aufgeführt wurde.

Jörg Neugebauer ist Romanautor, Radiomoderator einer Literatursendung und hat mehrere Lyrikbände veröffentlicht. Sein Einakter „Irgendwann wird es von selber hell“ wurde am 10.02.2017 unter der Regie von Thomas Laengerer uraufgeführt. Zuletzt erschien ein Buch über Freud.

Thomas Laengerer ist Regisseur und Dramaturg. Neben Sachtexten zum Thema „Erziehung nach Auschwitz“ (Centaurus Verlagsgesellschaft) verfasste er Theaterstücke und Musicals: „Lawinengefahr“ (2008), „Petticoat“ (2014), „BerlinBerlin“ (2017)

Personen und Darsteller in „Es lebe die Freiheit“

Hans Scholl: Julian Schmid

Sophie Scholl: Julia Knaut

Inge Scholl: Karin Kerschbaum

Mutter Scholl: Ursula Straschewski

Lisa Remppis: Mareike Bladt

Rose Nägele: Joanna Park

Alexander Schmorell: Nicholas Spindler

Personen und Darsteller in „Furcht und Elend“

  1. Volksgenosse in „Volksgemeinschaft“: Mathias Quickmann
  2. Volksgenosse in „Volksgemeinschaft“: Victor Pill

Mann in „Der Spitzel“: Jörg Neugebauer

Frau in „Der Spitzel“: Elvira Lauscher

Knabe in „Der Spitzel“: Elke Brandenburger

Dienstmädchen in „Der Spitzel“: Andrea Johnson

Die Frau in „Der Verrat“: Andrea Johnson

Der Mann in „Der Verrat“: Günter Winterfeldt

Die Nachbarin in „Arbeitsbeschaffung“: Elke Brandenburger

Der Mann in „Arbeitsbeschaffung“: Günter Winterfeldt

Die Frau in „Arbeitsbeschaffung“: Andrea Johnson

Die Frau in „Die jüdische Frau“: Bettina Maigler

Der Mann in „Die jüdische Frau“: Thomas Laengerer

Regie: Thomas Laengerer

Regieassistenz: Bettina Maigler

Maske: Diet Sehl, Silvia Huber, Elke Brandenburger

Kostüme: Elke Brandenburger und Bettina Maigler

Technik: Robert Keller, Rolf Schairer,

Patrick Steiner, Alexandra Gerke

Musik (Geige): Uli Hahnel

Gesang und Percussion: Thomas Laengerer

https://www.tw-ulm.com/kopie-von-tw-produktionen

© Corina Wagner

https://www.freitag.de/autoren/corina-wagner/es-lebe-die-freiheit-weltpremiere



Ausländerfeindliche Sprüche

CoLyrik-Gefährliches
Negatives Erlebnis beim Discounter in Ulm

Ausländerfeindlichkeit finde ich geradezu widerlich! Wenn ich jünger wäre, würde ich mich politisch einmischen. Zitat Astrid Lindgren

Ausländerfeindlichkeit finde ich extrem widerlich und ich mische mich ein, wenn ich ihr in der Öffentlichkeit begegne. Zitat Corina Wagner

Ausländerfeindliche Sprüche in Ulm

Montag war Fremdschämen im Kassenbereich beim Discounter Lidl in Ulm angesagt. Zwei Kassen waren besetzt, zwei Schlangen. Eigentlich Normalität beim Einkaufen am Vormittag. Die linke Schlange war ein bisschen kürzer an der ich anstand. Ich beobachtete einen Mann, der an der anderen Kasse seine Waren zunächst vom Band nahm, kurz stutzte, dann etwas sagte und die Ware wieder auflag. Große Beachtung schenkte ich dem Ganzen zunächst nicht und achtete deshalb auch nicht auf die Wortwahl. Er wollte vermutlich zunächst die Kasse wechseln, weil es ihm zu lange dauerte. Ganz vorne fand ein Bezahlvorgang statt, der anscheinend etwas länger dauerte. Eine Familie mit ausländischen Wurzeln stand dort vorne. Anscheinend gab es zuvor bei der Verständigung und Abwicklung Probleme, so dass das ganze Prozedere ein bisschen länger dauerte. Eigentlich nichts zum Aufregen. Plötzlich hörte ich von hinten eine Männerstimme mit schwäbischem Akzent, dass dieser Mann es gut findet, dass „ die in Amerika Knarren dabei haben, dann könnte man jetzt abknallen“. Stille im Laden. In meinen Ohren klang es wie eine Morddrohung, aber hier wurde kein Kinofilm gedreht. Kein Filmteam war vor Ort und drehte. Versteckte Kamera ? Wäre es ein Dreh z.B. zur Fernsehsendung ‚Verstehen Sie Spass?‘ gewesen, dann wäre dieser Dialog für die Betroffenen jener Szenerie keineswegs witzig, so empfand ich es in jener Situation. Ich drehte mich um, um zu sehen, wo diese widerliche Bemerkung herkam. Jener Mann, mittleren Alters mit aggressivem, völlig genervtem Gesichtsausdruck stand an dieser Kasse weit hinten in der Schlange. Der Mann sprach weiter, deutlich hörbar mit Schwäbischen Akzent und starrte währenddessen nach vorne zu dieser Familie. „Krieg! Die hätte man nicht reinlassen sollen, das haben wir jetzt davon“. So die Worte, die ich hörte. Alle Leute, die im Kassenbereich standen, die ich wahrnahm, blickten ernst, verschämt, aber keiner sagte etwas, außer mir. Ich sagte knapp, aber gut hörbar, während ich meine Ware aufs Band legte: “AfD-Sprüche.“

Alle waren still, außer ihm und er sagte wieder mit schwäbischer Aussprache: „Die könne noch nicht einmal gescheit deutsch.“ Jeder hörte dies im Kassenbereich, wenn man nicht taub ist. Ich antwortete ihm als einzige und sagte zu ihm: „Sie können auch kein richtiges Deutsch, sprechen Dialekt.“ Absolute Stille herrschte. Der Mann sagte nichts mehr, aber auch keine andere Person erhob die Stimme.

Beim Bezahlvorgang sagte ich dann zu dem jungen Angestellten an der Kasse: “ Es ist schlimm, dass hier im Laden Ausländer angepöbelt werden.“ Der junge Mann sagte nichts zu mir, nickte nur mit einem ernsten Gesichtsausdruck. Ich ging aus dem Laden und konnte es nicht fassen. Kein Mensch außer mir erhob die Stimme gegen den öffentlich zelebrierten Ausländerhass. Diese Tatsache erinnerte mich spontan an dunkle Zeiten in Deutschland.

Draußen auf dem Parkplatz hielt ich noch Ausschau nach der Familie, aber sie war schon weg. Der Hetzer verschwand mit seinem Einkauf zu Fuß. Hatte noch Bedenken, ob er mich vor der Tür auch anpöbelt. Im Nachhinein ärgere ich mich nun, dass ich nicht nach seinem Namen fragte.

Die Zeiten sind rauer geworden, auch in Ulm in der Stadt von Sophie und Hans Scholl. „Empört Euch!“, wenn ihr solchen Typen beim Einkaufen begegnet. „Wehret den Anfängen!“, fällt mir noch dazu ein.

© Corina Wagner, 14. Dezember 2017

htps://www.freitag.de/autoren/corina-wagner/auslaenderfeindliche-sprueche

 


 


Die Wunderübung - Theater Neu-Ulm

Wagners Randnotiz Fulminante Beziehungskomödie

Die Wunderübung im Theater Neu-Ulm

Bravo! Die Macher (Claudia Riese und Heinz Koch) vom Theater Neu-Ulm haben alles richtig gemacht, um dem hiesigen Publikum einen vergnüglichen, kurzweiligen Theater-Abend zu gewährleisten. Sie haben sich das Aufführungsrecht für das zurzeit meistgespielte Gegenwarts-Stück ‚Die Wunderübung‘ von Bestseller-Autor Daniel Glattauer gesichert. Die Boulevard-Komödie bedient zwar Klischees, aber mit pfiffiger Polemik, viel Situationskomik und überraschenden Wendungen bietet das Kammerspiel für drei Personen beste Unterhaltung.

Claudia Riese ist eine prima Inszenierung gelungen, die das Publikum in den „Beziehungskomödien-Bann“ zieht. Die Auswahl der Schauspieler passt wie die „Faust aufs Auge“. Treffsicher bohren sie in der Wunde einer Ehekrise. Absolut glaubwürdig verkörpert das Trio den Ablauf einer Sitzungsstunde auf der Bühne, die zum Behandlungszimmer eines Paartherapeuten umfunktioniert wurde. So sieht das Publikum auf eine schwarze Bühne, die mit Requisiten wie z.B. einem Standboxsack, zwei orangefarbenen Behandlungsstühlen samt Kissen, einem schwarzen Therapeutenstuhl, zwei kleinen Tischen, einer Pflanze und einer Stehlampe mit „Wohlfühlcharakter“ ausgestattet wurde. Das Ehepaar Joana und Valentin Dorek kommt bereits mit einer gereizten Grundstimmung zu ihrer ersten Sitzung, als sie den verständnisvollen Paartherapeuten Harald konsultieren. Joana: "Normalerweise haben wir getrennte Anfahrtswege. Normalerweise gehen wir überhaupt getrennte Wege. Bei getrennten Wegen tun wir uns leicht, darin sind wir geübter, nicht wahr, Valentin?"

Scheitert die Ehe der Doreks durch die falsche Streitkultur? Im weiteren Verlauf der Therapiestunde muss er sich vor beiden ziemlich kleinlaut eingestehen, dass er selbst im „Beziehungs-Schlamassel“ steckt. Er ist zu verständnisvoll. Harald greift damit ganz tief in die therapeutische Trickkiste, denn er erfindet die Trennungsabsicht seiner Frau im Rahmen einer paradoxen Intervention. Sein Ziel ist es, dass sich das völlig zerstrittene Ehepaar gegen ihn solidarisiert… Heinz Koch alias Paartherapeut Harald passt wie das i-Tüpfelchen prima in diese fulminante Inszenierung.

Fazit des Theaterbesuchs: Streit in einer Partnerschaft ist total normal. Man muss nur die richtige, gesunde Streitkultur anwenden. Eine viel zu harmonische, total reibungslose Partnerschaft kann im Laufe der Zeit auch dazu führen, dass das Feuer ausgeht und die Liebe erlischt. Die streitbare Joana drückt es während der Inszenierung im Theater Neu-Ulm mit folgenden Worten aus: „Lieber dreimal verglühen als einmal erfroren!“.
;-)
Infos:
Kornelia Kirwald: http://neu.kirwaldhamburg.de/
 
https://www.freitag.de/autoren/corina-wagner/die-wunderuebung-theater-neu-ulm

"Islam in Deutschland und die Demokratie“

Wagners Randnotiz Podiumsdiskussion im Haus der Begegnung in Ulm

Eine Podiumsdiskussion mit viel Beifall, großer Zustimmung und lautstarken Zwischenrufen

„Islam in Deutschland und die Demokratie“ – zu diesem heiklen, sensiblen Thema fand gestern Abend im Haus der Begegnung in Ulm eine Podiumsdiskussion statt. Veranstalter waren die Grünen und somit war einer der Redner Cem Özdemir, Spitzenkandidat und Bundesvorsitzender der Partei Bündnis 90/Die Grünen. Es sprach der Islambeauftragte der Evangelischen Landeskirche in Württemberg Pfarrer Heinrich Georg Grothe sowie Islamwissenschaftler und Imam Bilal Hodzic, ein Vertreter des bosnischen islamischen Kultur Center Ulm. Ein großes Raunen ging durchs Publikum, als es erfuhr, dass Imam Israfil Polat, ein Vertreter der DITIB-Moschee Ulm absagte und somit den Eindruck hinterließ, mit seinem Fernbleiben unangenehmen Dialogen, Fragen auszuweichen.

Das Publikum durfte bei dieser brisanten Themenauswahl rundum den Islam in Deutschland auch mitmischen, so dass einige Veranstaltungsbesucher Fragen stellen konnten. Ursprünglich sollte die Veranstaltung im Chorraum stattfinden. Der Saal fasst ca. 120 Menschen, wenn er bestuhlt wird. In den Großen Saal passen bei Bestuhlung ca. 500 Menschen. Die Veranstaltung sollte gegen 20 Uhr im Chorraum stattfinden. Pfarrer Dr. Michael Hauser, Leiter der Bildungs-und Kultureinrichtung der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde Ulm, begrüßte die Veranstaltungsbesucher bereits vor Beginn und teilte mit, dass man aus Sicherheitsgründen spontan beschlossen hätte, den Raum zu wechseln. Es waren viele interessierte Leute gekommen, so dass es nicht genügend Sitzplätze für alle gab. Stehplätze fielen aus Sicherheitsgründen bei dieser Art der Veranstaltung weg. Alle aufgestellten Stühle im Großen Saal waren besetzt. Pfarrer Hauser stellte Özdemir kurz vor und die daraus entstandene Message kam mit einer Prise Humor beim Publikum gut an, da Özdemir eigentlich auch ein bisschen evangelisch sei. Später erfuhr man von Özdemir selbst, warum dies so ist und das Publikum amüsierte sich. Özdemir wurde in Bad Urach geboren, erzählte kurz über sein Heranwachsen im Schwäbischen, seine Schulerlebnisse, denn u.a. nahm er auch am evangelischen Religionsunterricht teil, da es noch kein Ethikunterricht gab und für seine Mutter eine Hohlstunde nicht in Frage kam. Özdemir hat wahrlich keine Berührungsängste mit anderen Religionen, da seine argentinische Ehefrau eine Katholikin ist. Er führte mit Bravour das Publikum in die schwierige Materie ein, gab Hintergrundwissen, setzte Impulse, die ihre Außenwirkung nicht verfehlten. Seine Wortwahl kam im Saal an, aber nicht bei den Menschen, die durch religiöse Ideologien keineswegs weltoffen geprägt sind. In einigen Veranstaltungsbesuchern brodelte es gewaltig, die seine Worte aushalten mussten. Özdemir redete Tacheles, schönte nichts, ganz im Gegenteil. Ca. 4,4 bis 4,7 Millionen Muslime leben in Deutschland. Einer davon ist Imam Hodzic und er bedankte sich gestern, dass er in Deutschland leben kann. Seit 2001 steht Hodzic als Imam im Dialog mit den Christen. Er schrieb gemeinsam mit dem deutschen Katholiken Wilfried Weber ein Buch mit dem Titel “Unser Gott und euer Gott ist Einer". Er ist zumindest überzeugt, dass sein Gott der gleiche Gott ist wie der des Christentums.

Mit dem richtigen Biss zwecks Einhaltung der begrenzten Fragezeit moderierte Holger Greif von den Grünen souverän die Veranstaltung. Der studierte Politikwissenschaftler und Historiker ist Büroleiter der Bundestagsabgeordneten Ekin Deligöz, die Präsenz zeigte und im Publikum saß. Seit sie im Bundestag die Armenien-Resolution mit verabschiedet hat, wird sie wie alle anderen türkischstämmigen Abgeordneten angefeindet. Sie erhält auch Morddrohungen.

Es war eine informative, interessante Veranstaltung, die leider ganz deutlich zeigte, dass im Ulmer Raum kein Interesse von Seiten DITIB mit verlängertem Arm Erdogans besteht, dass der hiesige, für Ulm verantwortliche, Imam der DITIB -Moschee Ulm Israfil Polat in der Öffentlichkeit Rede und Antwort steht, wenn Politiker wie Cem Özdemir oder Veranstaltungsbesucher kritische Äußerungen tätigen, nachhaken und Fragen stellen. Man gewann den Eindruck, dass Polat unter Druck steht, der von der Zentrale DITIB in Köln ausginge, so sah es auch Özdemir. Ein Mitglied von DITIB Ulm war auch unter denjenigen, die Fragen stellten. Allerdings fiel jener Herr unangenehm auf, da es sich lautstark Zwischenrufe erlaubte, als Özdemir die Fragen beantwortete. Wahrheiten hört man nicht gern.

Es gab viel Beifall, akustische Zustimmung, aber auch aggressiv wirkende Zwischenrufe, so mein persönliches Fazit der Veranstaltung. Ich bin vermutlich nicht die einzige Person, die im Ulmer Raum lebt und sich nun fragt, warum DITIB schon wieder „gekniffen“ hat. Angesichts der Spannungen innerhalb der türkischstämmigen Gemeinde hatte der Ulmer OB Gunter Czisch im November 2016 einen Dialog angestoßen. Es folgten Treffen mit verschiedenartig orientierten türkischen Gruppen, die gemeinsam ein Papier erarbeiteten.30 Organisationen unterzeichneten am Ende eine Erklärung, deren Kernbotschaft es ist, dass alle hier in Frieden leben wollen. Diese "Ulmer Erklärung" haben laut Medienberichte nun Vertreter von Kulturvereinen, Frauengruppen, religiösen Gemeinden, politischen Gruppen, Sportvereine, Türken und Kurden von politisch linksstehend bis traditionell-konservativ und Vertreter/innen der Gülen-/Hizmet-Bewegung unterschrieben. Nur die Verantwortlichen der größten Institution, der in Ulm lebenden Türken, die Menschen, die der DITIB angehören, haben die „Ulmer Erklärung“ nicht unterschrieben. Dass der größte islamische Moscheen-Verband in Deutschland gestern Abend bei der Veranstaltung nicht teilnahm und deshalb Imam Israfil Polat sich dadurch nicht an der Podiumsdiskussion beteiligte, stimmt sehr nachdenklich und schürt weiterhin in der Bevölkerung Gerüchte, dass DITIB eindeutig die Politik von Staatspräsident Erdogan hier in Deutschland unterstützt und auch kein Interesse daran hat, sich kritischen Fragen in der Öffentlichkeit zu stellen. Es wäre wahrscheinlich die Publikumsfrage gestellt worden, ob Polat es in Ordnung findet, dass die aus Ulm stammende Mesale Tolu seit Mai in der Türkei inhaftiert ist.

Medienquellen: SWP, Ulm News

https://www.freitag.de/autoren/corina-wagner/islam-in-deutschland-und-die-demokratie


Offener Brief

CoLyrik - Seitenhiebe Ein offener Brief zum Thema Erdogan und seinen Nazi-Vorwürfen gegenüber Deutschland

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Corina Wagner

Guten Tag,

hallo liebe Freunde mit türkischen Wurzeln, jene Zeilen sind nicht nur an euch gerichtet, sondern auch an diejenigen, die ich noch nicht persönlich kenne, aber die seit vielen Jahren bzw. Jahrzehnten hier in Deutschland leben, hier vielleicht sogar geboren sind. Diese Zeilen werden eventuell auch jene lesen, die ihre türkischen „Freunde“, Mitmenschen einschüchtern, bedrohen, nur weil sie anderer Meinung sind. Ich bin weltoffen, habe keine Vorurteile, bilde mir aber eine Meinung und darf diese auch äußern, da in Deutschland die Meinungsfreiheit erlaubt ist.

Ich lebe gerne in Deutschland, einem Land in dem die Demokratie existiert und wahrlich auch praktiziert wird. Es wird debattiert und meistens konstruktiv gestritten, wenn man sich im Beruf oder in der Freizeit begegnet und Veränderungen anstrebt. Wir sind vielleicht sogar Weltmeister, wenn es um Gespräche an sogenannten runden Tischen geht, wenn man in Kommunen und Gemeinden nur das Beste will. Es gibt manchmal weniger kluge, aber auch viele clevere Antworten auf wichtige Fragen und es gibt immer eine gewaltfreie Lösung für ein Problem, da man Kompromisse schließt. Debattieren ist natürlich anstrengender, nerviger, zeitraubender, als einfaches Wegsperren und mundtot machen, wenn man nicht konform ist. Für unsere PolitikerInnen, die die Zivilgesellschaft in Deutschland vertreten, steht es auch nicht auf dem Terminplaner, dass sie im Wahlkampf seriöse Journalisten verhaften lassen, nur weil diese unbequem sind und mit ihren Texten hinterfragen und Menschen sind, die nach soliden Recherchen nicht alles durch die rosarote Brille sehen. Wenn man ein Land regiert, muss man auch politische Gegner, Menschen mit anderer Meinung aushalten können, sofern es keine Terroristen sind, sondern nur Menschen wie z.B. Satiriker und Kabarettisten, aber auch Journalisten.

Liebe Erdogan-Anhänger,

wenn ihr diesen Mann so sehr verehrt und liebt, dann geht bitte wieder zurück in die Türkei und wählt ihn dort vor Ort, stimmt mit einem Ja für das Referendum. Nehmt in Kauf, dass es dort keine Meinungsfreiheit gibt, aber lebt in der Türkei glücklich und zufrieden mit allem, was euch Erdogan verspricht und bietet. Bitte lasst alle jene Menschen, die türkische Wurzeln vorweisen können, in Ruhe, die gerne in Deutschland leben und mit unserer Demokratie zufrieden sind und diese schätzen. Ihr könnt eure Landsleute in der Türkei bedrohen und einschüchtern, die Menschenrechte mit Füßen treten und alternative Fakten schaffen, um Leute wegzusperren, die anderer Meinung sind. Seid unfair, diffamierend und denunzierend dort, wo es euch am besten gefällt, aber bitte nicht in Deutschland, sondern in der Türkei. Ihr solltet dort auf die Straße gehen, um zu jubeln, um für Erdogan die Fahnen zu schwingen, wo es Sinn macht. Hier nicht. Erdogan hat mit seinen Nazi-Vorwürfen gegenüber Deutschland erst kürzlich bewiesen, dass diese Formulierung absurd war. Diese Vorwürfe sind unerträglich und damit legt er ein demokratieverachtendes Verhalten ab, dass man vehement verbal entgegnen muss, wenn man wie ich die Werte, die Errungenschaft der Demokratie in Deutschland als Teil/Person der Zivilgesellschaft mitträgt. Mit dieser Aussage verherrlicht Erdogan das Grauen der Nazizeit. Der Wahlkampftourismus von türkischen Regierungsmitgliedern hat in Deutschland nichts suchen. Diese Meinung vertrete ich nicht alleine. Viele Menschen in Deutschland empfinden genauso, auch deutsche PolitikerInnen.

Wer in Deutschland lebt und in der Türkei wählen darf, sich dazu entschlossen hat für das Referendum im April zu stimmen, sollte auch so konsequent sein und in die Türkei umziehen, vor Ort dann bitte auch leben. Es kann nicht sein, dass man hier Erdogan feiert, aber nicht mit ihm im eigenen Land leben will und weiterhin die Vorzüge einer Demokratie nutzen möchte. Wer a sagt, also ja sagt, muss auch b sagen und beweisen, dass man in der Türkei nach dem Referendum super gut leben kann.

Beste Grüße

Corina Wagner

PS. Gleichgültigkeit ist die schlimmste Einstellung“, so die richtige Meinung, Aussage von Stéphane Hessel (ehemaliger französischer Widerstandskämpfer und UN-Diplomat), der das Pamphlet/Buch "Empört Euch" 2010 veröffentlichte.

https://www.freitag.de/autoren/corina-wagner/offener-brief


EVOL-Love-LIEBE in der Theaterwerkstatt Ulm

Wagners Randnotiz

"EVOL" von Pavel Kohout und "Irgendwann wird es von selber hell" von Jörg Neugebauer/Welturaufführung

Die Theaterwerkstatt Ulm e.V. hat dem Publikum das neue Projekt EVOL – Love - LIEBE vorgestellt. Zwei anspruchsvolle Theaterstücke, die mit einer Menge Emotionen, aber auch mit viel Humor rund ums Thema Liebe die Zuschauer begeistern. Die Premiere war nun am 10.02.2017. Die Werke „EVOL“ von Pavel Kohout und „Irgendwann wird es von selber hell“ von Jörg Neugebauer standen auf dem Programm. Der Einakter von Ensemblemitglied und Autor Jörg Neugebauer war sogar eine Welturraufführung. Chapeau.

Seit mehr als 25 Jahren gibt es nun das kleine Theater in Ulm, das seit 2008 von der Stadt Ulm und dem Landesamateurtheaterverband Baden-Württemberg gefördert wird. Ein Verein, dessen Schauspieler sich nicht verstecken müssen. Ganz im Gegenteil! Von September bis Mai werden jährlich rund 40 Veranstaltungen angeboten. Es werden Produktionen mit dem eigenen Ensemble gezeigt, aber auch Gastspiele von Künstlern aus der Region, jene Kreative nutzen regelmäßig die Spielfläche in dem kleinen Theater. Am Freitagabend war die Premiere ausverkauft. Ensemblemitglieder Elvira Lauscher und Jörg Neugebauer kenne ich seit vielen Jahren. Sie gehören wie ich zu den Gründungsmitgliedern der Ulmer Gestalten, ein Netzwerk von Kreativen in und um Neu-Ulm/ Ulm herum. 2016 absolvierte ich z.B. gemeinsam mit Jörg Neugebauer die Veranstaltung Schienengesänge unter der Ulmer Eisenbahnbrücke.

Elvira Lauscher und Jörg Neugebauer sind seit etlichen Jahren vielen Ulmern durch ihre Veranstaltungsreihe Wortkunstlauf ein Begriff. Ich bin ein großer Fan von beiden. Deshalb war es auch nicht verwunderlich, dass ich zur Premiere des neuen Theaterprojekts der Theaterwerkstatt kam.

„Ein Abend mit zwei Theaterstücken rund um das Thema "Liebe" (und deren Ende) - bewegend, witzig, mitreißend und emotional.“ Diese Zeilen findet man als Hinweis im Internet zur Veranstaltung. Dies kann ich nun nach der Premiere wahrlich bestätigen.

Zunächst wurde das Stück EVOL von Pavel Kohout gezeigt, dessen Übersetzung von Alexandra und Gerhard Baumrucker stammen. http://www.pavel-kohout.com/biografie.html<

Das Bühnenbild ist sehr schlicht gehalten: weiße Wände, Bistrotische und Stühle. Ein Speisesaal eines Ferienhotels wird dargestellt. Nichts lenkt das Publikum durch das Interieur ab. Ein Mediziner, ein älterer Professor (Jörg Neugebauer) sitzt mit seiner zwanzig Jahren jüngeren Frau Tina (Elvira Lauscher) am Tisch und beide genießen ihren Urlaub. Sie führen in der Öffentlichkeit stets sichtbar eine sehr glückliche Beziehung und erregen damit viel Bewunderung, aber auch Neid. Ein junges Paar nervt die beiden zu Beginn des Theaterstücks, als sie sich zu ihnen an den Tisch gesellen. Doch Tina verliert ihr Dauerlächeln nicht und bleibt letztendlich glücklich lächelnd alleine am Tisch zurück, will dann endlich die Ruhe genießen, um zu lesen. Plötzlich erscheint ein junger, attraktiver Mann (Patrick Steiner), der binnen weniger Minuten ihr ganzes Leben auf den Kopf stellt. “Warum haben Sie keinen Hund?“ Diese zunächst lapidar wirkende Frage wird im Laufe der weiterführenden Unterhaltung zur Schieflage ihrer Ehe, denn Evol trifft sie mit seinen vielen Fragen im Innersten, im Zentrum ihrer Sehnsüchte. Gegen ihren Willen verwickelt er sie immer mehr in ein schier endlos wirkendes, geradezu immer ernsteres, für sie unangenehm werdendes Gespräch. Trotz Dauerlächeln bemerkt sie innerlich immer mehr, dass ihre Ehe mit dem viel älteren Professor mit Leere gefüllt ist. Sie nimmt viel zu viel Rücksicht auf ihn. Der junge Mann mit dem ungewöhnlichen Namen Evol zieht sie immer mehr in seinen Bann, der sie nicht wie jeder normale Mensch einfach nur nach ihrem Namen fragt. Er macht ihr ganz deutlich, dass Namen überbewertet werden. „Wozu? Ein Name ist wie ein Buckel – oder die Augenfarbe. Es ist etwas, wofür man nichts kann.“ Evol, der auch verkehrt herum lesen und sprechen kann, erklärt schließlich dem Professor, dass er sie mitnehmen möchte und seine Frau glücklich machen würde. Tina befindet sich inzwischen in einem sehr labilen Zustand und widerspricht dem jungen Mann nicht, hat sie doch zwischenzeitlich erkannt, dass der Name Evol auf seinem Arm rückwärts gelesen das Wort Love bedeutet. Ihr bislang sehr selbstsicherer Gatte wird beim Anblick seiner Frau derart aufgerüttelt, so dass er zum ersten Mal in seinem Leben handgreiflich wird. Er prügelt sich mit dem jungen Rivalen. Völlig überraschend erscheinen im Speisesaal des Ferienhotels zwei Pfleger aus der benachbarten Irrenanstalt. Sie waren auf der Suche nach Evol, dem entsprungenen Geisteskranken aus der Psychiatrie und nehmen ihn sofort mit. An dieser Stelle endet das Stück und man wird nie erfahren, ob Tina und ihre Gatte wieder zur Tagesordnung zurückkehren und weiterhin gemeinsam ihren Urlaub genießen…

„Mir scheint, dass die Zukunft zweier Menschen, die hier scheinbar in Frage gestellt und zerstört ist, in Wirklichkeit gerettet wird“, schreibt Pavel Kohout über sein Stück. „Die Schläge, die hier fallen, und die Tränen, die emporschießen, bedeuten zwar das Ende der Gewissheit, aber gleichzeitig auch den Anfang von etwas, was einen neuen und höheren Wert bedeuten kann.“ Quelle: https://www.theatertexte.de/nav/2/2/3/werk?verlag_id=jussenhoven_und_fischer&wid=o_86851577&ebex3=3

Es spielten: Elvira Lauscher, Patrick Steiner, Jörg Neugebauer, Julia Knaut, Robert Niemetz und Jasmin Trojan. Regie: Jörg Zenker, Regieassistenz: Hanne Thiesen, Maske: Diet Sehl, Silvia Huber, Technik: Rolf Schairer, Robert Keller, Markus Rabe

"Jörg Zenker, Regisseur, über "Evol": Wird nicht jedem von uns mal eine Frage gestellt, die wir uns selbst verboten haben? Manchmal braucht es offenbar jemanden wie Evol, damit eine längst verstummte innerliche Stimme wieder erklingt." (Quelle: Programmheft)

Mein Fazit: Sehr sehenswert. Die gespielten Dialoge zwischen Elvira Lauscher und Patrick Steiner sind eine Wucht. Tinas Dauerlächeln verfolgt mich übrigens bis heute. :-)

Danach folgte eine Pause.

Im zweiten Teil des Theaterabends stand eine Welturaufführung auf dem Programm:

„Irgendwann wird es von selber hell“ von Jörg Neugebauer https://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%B6rg_Neugebauer_(Autor)

Wer nun von den Zuschauern eine platte Boulevard-Komödie erwartet hatte, die Autor Jörg Neugebauer 2014 verfasste, saß nach der Pause im falschen Theater. Die Handlung des Einakters spielt in einem Zug. Auf der Bühne standen zwei Stühle, deren Sitzfläche jeweils mit rotem Stoff bezogen ist. Das war es dann auch schon für das Auge des Betrachters. Auch hier wurde wieder auf „Theater-Schnickschnack“ verzichtet. Nichts lenkt das Publikum ab, bis auf ein bisschen melancholische Musik zu Anfang. Eine Frau (Bettina Maigler) und ein Mann (Jörg Neugebauer) begegnen sich dort das erste Mal in ihrem Leben, in einem Zug. Das Publikum wird auf eine Reise mitgenommen, eine Fahrt durch die Nacht- in die man sehr viel hinein interpretieren kann. Das Stück beginnt sehr heiter. Die Dialoge sind witzig. Der Schlagabtausch zwischen Frau und Mann ist absolut köstlich, stellenweise ironisch. Beide kennen sich nicht, aber sind offen für all‘ das, was noch kommen könnte. Ihre Fantasie lässt es zu, dass sie während der Zugfahrt zu einem Paar werden. Im Zeitraffer erleben beide Höhen und Tiefen einer Partnerschaft. Sie durchleben alles, was die meisten Paare miteinander bewegt. Sie bauen sich im Zugabteil sogar eine Höhle, da sie ein bisschen die Abenteuer von Tom Sawyer nachspielen möchten, um die Langweile im Zug zu überrücken. In der Fantasie ist alles möglich und dazu benötigt man keine Requisiten. Sie trägt ein rotes Kleid, das zum Brautkleid werden soll. Denn er bittet sie, dass sie sich dies einfach vorstellen soll. Doch ohne Kirchenmusik will sie nicht heiraten und so ertönt dann im kleinen Theater Orgelmusik vom Band. Währenddessen führt er sie von der Bühne herunter, sie singt und beide laufen durch den Mittelgang nach draußen. Das Publikum wird dabei miteingebunden und wird dadurch zu Hochzeitgästen in einer Kirche. Ziemlich schräg das Ganze und sehr unterhaltsam. :-) Kurze Zeit später stehen beide wieder gemeinsam auf der Bühne, aber sie trägt einen weißen Schleier. Ein Requisit des Stücks, das später ganz zum Schluss noch einen optischen Höhepunkt erlebt. Denn sie wird mit seinem Ableben am Ende des Spiels konfrontiert und ihre Wege trennen sich danach wieder, da es „irgendwann wieder von selber hell“ wird und der Abschied im Zugabteil bevorsteht…

Mein persönliches Fazit: „Irgendwann wird es von selber hell“ ist ein tiefgründiges Stück in der sich die Tragikomik des Lebens widerspiegelt. Die Dialoge sind stellenweise ironisch, bissig formuliert. Herrlich. Mehrmals habe ich laut gelacht. Später wird das Stück ernster. Das Ende, der Tod überrascht, gehört aber zum Leben dazu. Das Theaterstück bietet schwarzen Humor vom Feinsten mit Kaffee und Sahne und viel Freiraum zum Nachdenken. Jörg Neugebauer spielte sogar in seinem eigenen Stück mit und dies vorzüglich, grandios spielte aber auch Bettina Maigler in der Rolle der Frau!

Es spielten: Bettina Maigler und Jörg Neugebauer, Regie: Thomas Laengerer, Regieassistenz: Elvira Lauscher, Maske: Diet Sehl, Silvia Huber, Technik: Rolf Schairer, Robert Keller, Markus Rabe

"Thomas Laengerer, Regisseur, über "Irgendwann wird es von selber hell": Ein Mann, eine Frau, eine Reise. Was zunächst wie ein missglückter Flirt im Zugabteil anmutet, wird zu einer Reise durch ein ganzes Leben. In sparsamsten Worten entwickelt sich ein Theaterstück welches Geschichten nur andeutet und dabei viel Raum für Assoziatives, Selbsterlebtes, Eigenes lässt. Dieses Stück ist alles andere als geschwätzig. Es ist eine Hommage an die Stille, die Langsamkeit, das nicht Gesagte" (Quelle: Programmheft)

Weitere Termine findet man hier: http://www.theaterwerkstatt-ulm-ev.de/

© Corina Wagner, 13.02. 2017

https://www.freitag.de/autoren/corina-wagner/evol-love-liebe-in-der-theaterwerkstatt-ulm


"Abend der Begegnung" in Obermarchtal

Wagners Randnotiz

Live-Musik von Sisters Wakkas und Film über Einheimische und Schutzsuchende in Obermarchtal von Katarina Schröter und Eva Stotz im Dorfgemeinschaftshaus Obermarchtal...

Ein „Abend der Begegnung“ in Obermarchtal

Der Helferkreis für Flüchtlinge in Obermarchtal lud für Samstag, den 04. Februar 2017 ins Dorfgemeinschaftshaus nach Obermarchtal zu einem Abend der Begegnung ein. Von meinem Wohnort bis Obermarchtal auf der Schwäbischen Alb sind es knapp 50 km. Neulich traf ich mich mit einem Freund, den ich durch meine Vorstandsarbeit in der Arbeitsgemeinschaft freie Medien Ulm/Neu-Ulm – Freunde und Förderer e.V. bei Radio free FM kennen- und schätzen lernte. Friedrich Hog ist hauptberuflich als Jurist tätig und in seiner Freizeit engagiert er sich u.a. als Mitglied bei Radio free FM in Ulm. Seit 1997 moderiert er ehrenamtlich Radiosendungen bei Radio free FM, so z.B. seine Sendungen „Americana“ und „Country Time“. Manchmal moderiert er aber auch „Auftragsendungen“ wie die „Plattform“ oder gibt Workshops „Grundlagen und Recht“ für Mitglieder, die einen Fahrschein zur Sendung machen. Außerdem war er sehr viele Jahre lang als Vorstand im Redaktionsverein von Radio free FM tägig. Inzwischen engagiert er sich aber auch im Helferkreis für Flüchtlinge in seinem Heimatort Obermarchtal.

Bei unserem gemeinsamen Treffen erzählte er mir ausführlich von seiner Arbeit im Helferkreis und machte mich auch auf die anstehende Veranstaltung vom Helferkreis für Flüchtlinge aufmerksam. Er ist nicht nur ein Mann der Worte, sondern auch der guten Taten. Seine unermüdliche Hilfsbereitschaft hat mich schwer beeindruckt und als er mich zu der Veranstaltung „Abend der Begegnung“ einlud, sagte ich sofort zu. Friedrich moderierte die Veranstaltung. Das belgische Fernsehen war u.a. vor Ort, aber auch die Presse aus der Region und Mitglieder von Radio free FM, so z.B. Lotte Stevens (Sendung PolygLotte). Es gab tolle Live-Musik mit den Sisters Wakkas aus dem syrischen Aleppo. Jene vier Schwestern bedankten sich mit ihrem musikalischen Auftritt für die gute Aufnahme in der Gemeinde Obermarchtal. Deshalb war es auch nicht verwunderlich, dass Bürgermeister Anton Buck im Publikum saß.

Ein empfehlenswerter Film von Katarina Schröter und Eva Stotz wurde auch gezeigt, der zuvor bereits im Dezember im Stadthaus in Ulm lief. Der Film zeigt ganz deutlich, ungeschminkt, wie Geflüchtete, jene Schutzsuchenden mit den Einheimischen von Obermarchtal koexistieren. Katarina Schröter führte Interviews mit Dorfbewohnern, aber auch mit den Neuankömmlingen, den Schutzsuchenden. Im Film findet alles auf Augenhöhe statt, beschönigt nichts, zeigt auch Bildmaterial aus Syrien und lässt Freiräume auf beiden Seiten zu. Dieser Film ist der Anfang einer Dokumentation, die 1 ½ Jahre nach der großen Flüchtlingswelle in Deutschland nachfragt, wie Einheimische und Schutzsuchende, neue und alte Bewohner in Obermarchtal nun mit der Situation, dem Alltäglichen im Dorf zurechtkommen. Man erfährt von ihren Ängsten und Träumen. Der Film soll Brücken schlagen und dies gelingt ihm wahrlich. Im Film sieht man z.B. das syrische Mädchen Lana, das nun in Obermarchtal lebt. Lana kommt auch im Film zu Wort. Sie strahlt im Film Zuversicht und Fröhlichkeit aus. Lana war bei der Veranstaltung im Dorfgemeinschaftshaus mit dabei und bedankte sich auch bei den Dorfbewohnern von Obermarchtal, bei den Helfern. Lana wurde durch einen Bombenanschlag in Syrien verletzt und verlor dabei einen Arm. Jenes fröhlich wirkende Mädchen, das inzwischen nach so kurzer Zeit bemerkenswert gut deutsch spricht, habe ich sofort in mein Herz geschlossen. Lana strahlt unglaublich viel positive Energie aus. Ihre ansteckende Fröhlichkeit hat mich tief berührt. Von Friedrich (Hog) habe ich nun erfahren, dass ihr Vater in den vergangenen Wochen operiert wurde. Er wurde damals sehr schwer an den Beinen verletzt. Ich hoffe, dass Lana in Deutschland ohne Fremdenhass aufwachsen kann, da der Ton in manchen Regionen in Deutschland rauer geworden ist. Außerdem wünsche ich mir für Lana, dass sie ihre Fröhlichkeit nicht verliert, sollten ihr irgendwelche Menschen mit Vorurteilen begegnen.

Die Lebensgeschichte der Sisters Wakkas zeigt, dass es immer einen Funken Hoffnung gibt, man Glück haben kann, aber auch, dass Musik verbindet – nicht nur in guten Zeiten, sondern auch in Notsituationen oder auch an Abenden wie nun in Obermarchtal, wenn sich junge, musikalische Schutzsuchende bei den Dorfbewohnern bedanken.

Friedrich Hog schrieb über den Musikstil der Sisters Wakkas folgendes, Zitat:

„Ihre Musik ist geprägt vom kulturellen Background aus Syrien, traditionellen kurdischen Stücken und jeder Menge Liebe zum Detail, World Music vom Feinsten, wie sie in den Appalachen, Irland, Schott-land und anderen musikalisch reichhaltigen Gegenden in durchaus vergleichbarer Weise praktiziert wird. Die jüngste Schwester Seham (9) ist bereits an einigen Stücken mit viel Können und Hingabe am Gesang beteiligt.“

Es war ein Genuss den Schwestern Wakkas im Dorfgemeinschaftshaus zuzuhören. Mit der Auswahl aus ihrem Repertoire glänzten sie. Sie spielten viele Stücke und dies alles ohne Noten, Partituren. Die sechzehnjährige Enji spielt Geige, die fünfzehnjährige Sidra Gitarre und die vierzehnjährige Rama Tambur. Sie beherrschen für ihr Alter vorzüglich ihre Instrumente und werden deshalb hier in Deutschland weiterhin von ihren Eltern gefördert. Rama hat inzwischen auch Querflötenunterricht und die neunjährige Seham übt nun fleißig Keyboard. Ihre ersten Stücke, die sie nun auf dem Keyboard lernte, spielte sie auch als Dankeschön an die Gemeinde ohne jegliche Begleitung ihrer Schwestern vor. Das Publikum zollte ihr dafür viel Applaus.

Vier hübsche Schwestern mit sehr viel Talent, die mit ihrer Mutter Fadila Wakkas „der Hölle von Aleppo“ im Nordwesten von Syrien entkamen, leben nun gemeinsam mit ihrem Vater auf der schwäbischen Alb. Sie hatten großes Glück, dass sie es bisher geschafft haben, dass sie nach Deutschland einreisen konnten. Nun in Freiheit, ohne Angst vor Bomben, Unterdrückung, leben können. Zumal alle vier Töchter in Deutschland nicht wegen der IS voll verschleiert herumlaufen müssen und man jedes Lächeln, die gesamte Gesichtsmimik wahrnehmen kann, wenn sie ihre Instrumente spielen oder wenn die Jüngste Lieder aus ihrer Heimat beeindruckend singt und man dabei sieht, dass es ihr auch Spaß macht mit ihren Schwestern zu musizieren. Man spürt, dass es ihnen nun gut geht.

Vor dem Bürgerkrieg gehörte Aleppo zu den schönsten, aber auch zu den modernsten Städten (2,5 Millionen Einwohner) in Syrien. Seit 2012 tobt dort der Krieg. 2013 wurde das Haus der Familie Wakkas zerstört. Danach zogen die Wakkas zur Miete in die kleine Nachbarstadt Afrin und der Vater arbeitete dort als Leiter in einer Fabrik zur Herstellung von Jeans. Den islamistischen Extremisten war Mohammad Wakkas damit ein Dorn im Auge. Für uns Deutsche, Europäer unbegreiflich, wenn man davon erfährt. Dabei gehörte dem Vater zuvor noch in Aleppo die Boutique „Enji“ mit hochwertiger Damenbekleidung, die er als selbständiger Tuchhändler führte. Sein Geschäft wurde im Mai 2011 total zerstört. Es war eins der ersten Häuser, die im Bürgerkrieg in Syrien zerstört wurden. Die Familie sah keine Perspektive mehr für ihre Zukunft, da der Krieg immer mehr zerstörte und das Grauen ringsherum nicht aufhörte. 2015 gelang Mohammad Wakkas im Sommer dann die Flucht nach Deutschland und seit dieser Zeit lebt er hier als anerkannter Asylberechtigter. Im Januar 2016 verließ seine Frau mit den vier Töchtern ihr Heimatland Syrien. Sie flohen über Istanbul und überlebten die gefährliche Überfahrt mit einem der völlig überfüllten Flüchtlingsbote bis Griechenland. Dort kamen sie ins provisorische Flüchtlingslager Idomeni an der Grenze zu Mazedonien. Zwei Tage vorher fand bereits die Schließung der Grenze durch Mazedonien statt. Überall war Schlamm, Dreck und viele Menschen, die dann mit ihnen gemeinsam in Idomeni im riesigen Zeltlager ausharren mussten. Plötzlich gab es dann ein bisschen Hoffnung für die Mutter und ihre Töchter. Vor Ort waren Journalisten, die über das Lager in den Medien berichteten, so wurden sie zufällig von einem RTL-Team entdeckt. Die Mädchen wurden interviewt und erzählten, dass ihnen ihre geliebten Instrumente fehlen. Das RTL-Team organisierte ihnen daraufhin neue Instrumente und somit erhielten Enji, Sidra und Rama die Instrumente Violine, Gitarre und Tambur. Danach spielten die Schwestern im Flüchtlingslager nicht nur für sich, sondern für die anderen Flüchtlinge in Idomeni. Vier Monate harrten sie im riesigen Lager aus, das ihnen den Aufenthalt durch das Musizieren erleichterte, aber auch anderen, die sich an ihrer Musik erfreuten. Dank dem Sender RTL bekam die Familie relativ schnell einen Termin in der Deutschen Botschaft in Athen, wo am 26. Mai 2016 alle Formalitäten zur Ausreise erfolgten. Frau Wakkas flog mit ihren vier Töchtern am 15. Juni 2016 von Athen nach München. Nach rund einem Jahr sahen sie dort erstmals wieder ihren Vater. Die Familie hatte unglaubliches Glück. Alle leben. Ihr neues Zuhause ist nun auf der schwäbischen Alb. Diese syrische Familie ist nur ein Beispiel von vielen, dass Schutzsuchende auch eine Bereicherung für unser Land sein können! Denke da gerade auch an Grundschülerin Lana und ihre ansteckende Fröhlichkeit!

© Corina Wagner, 6. Februar 2017

 

https://www.freitag.de/autoren/corina-wagner/abend-der-begegnung-in-obermarchtal

 

 


"Das Abschiedsdinner" im Theater Neu-Ulm

Wagners Randnotiz

Es gibt tolle Komödien - man muss nur ins Theater gehen!

„Das Abschiedsdinner“ im Theater Neu-Ulm

Bravo! Die Umsetzung der französischen Komödie „Un dîner d'adieu“ von den Autoren Matthieu Delaporte & Alexandre de la Patellière ist im Theater Neu-Ulm hervorragend gelungen. Die Inszenierung „Das Abschiedsdinner“ trifft mitten in die Lachmuskeln des Publikums, ist aber alles andere als eine oberflächliche Komödie. Herbsüß, zartbitter in feinen Dosen serviert und immer auf den Punkt genau präsentiert, so dass feine Häppchen quasi im Halse stecken bleiben, die aber im Abgang noch munden. Ich habe gestern Abend viel gelacht, andere VeranstaltungsbesucherInnen auch. Das Publikum war gemischt, auch Kinder und Jugendliche waren in der Vorstellung. Die Komödie befasst sich intensiv mit dem Thema Freundschaft und den daraus entstehenden Vor-und Nachteilen. Zu Beginn des Stücks fragt Pierre (Heinz Koch) im Beisammensein seiner Frau Clothilde (Claudia Riese) wie viele „fvA“ sie haben. Seine Frau hakt nach, weil sie im ersten Moment mit der Abkürzung nichts anfangen kann. Wie viele frei verfügbare Abende (fvA) hat das erfolgreiche Paar? Pierre kommt auf 24 Abende im Jahr. Diese sie beide mit alten Freunden teilen müssen. Jene Treffen laufen manchmal eher nach einem Pflichtprogramm ab. Aufrichtige Freude sieht eigentlich anders aus. Deshalb denkt Pierre laut über die geschmacklose Idee seines Freundes Boris nach, der von Beruf Rechtsanwalt ist. Seine Frau Clothilde findet spontan Gefallen daran, denn Boris organisiert neuerdings für Freunde, die er für immer los werden will:„Das Abschiedsdinner“. Immer mit einem Lieblingsessen, Lieblingsmusik, dem passenden Jahrgangswein, aber auch gemeinsame Erinnerungen werden wieder aufgetischt. Man amüsiert sich ein letztes Mal. Balsam für die Seele. Der Abend soll unvergesslich bleiben. Danach gibt es den Cut - ganz nach dem Motto: „Ein Stierkampf ist schöner anzusehen, als ein Kälberrennen.“ Clothilde gefällt Boris Idee, denn „man schneidet am Baum auch tote Äste ab“. Für den ersten Baumschnitt wird Pierres Freund Antoine mit seiner Frau Bea eingeladen. Allerdings kommt die freischaffende, stets „müffelnde“ Bea nicht mit. Trotzdem halten Clothilde und Pierre an ihrem Plan fest, als Antoine ausnahmsweise im stinkenden, „verkotzten“ Trenchcoat eines Obdachlosen erscheint. Der Mantel wird kurzerhand in den Hausflur verbannt und dann soll Antoine mit dem Abschiedsdinner verwöhnt werden. Antoine (Andreas Gräbe) nennt sich selbst Patric, denn er führt Selbstgespräche, ist manisch depressiv, ein echter Lachsack und Egozentriker. Seine Mimik ist schaurisch schön, mal weinerlich und zum Totlachen. Grandios gespielt. Antoine erzählt dem befreundeten Ehepaar von seinem an Krebs verstorbenen Analytiker. Dadurch sind 25 Jahre Therapie zu Ende gegangen. Er erzählt aber auch von dem Plan, gemeinsam mit Bea ein Kind aus Afrika zu adoptieren. Für die Adoption benötigt er ein Empfehlungsschreiben von Pierre, der sich sofort darum kümmert. Er will den Cut. Clothilde und Pierre tun alles für dieses Abschiedsdinner und beide schrecken vor nichts zurück, auch nicht bei der Auswahl ihrer Kleidung. Sogar der teure Jahrgangswein wurde gekauft. Sie wollen den Cut, aber Antoine nicht, denn er durchschaut sie im Laufe des Abends und hat Kenntnis von Boris Idee. Antoine kämpft für seine Freundschaft mit Pierre und so kommt es zum Rollen- und Kleidertausch zwischen den beiden Freunden. Jeder soll in die Haut des anderen schlüpfen, fühlen, denken, handeln wie der andere und nochmals den Abend in der Haut des anderen Revue passieren lassen…

Ich kann die Theaterinszenierung sehr empfehlen, habe mich köstlich amüsiert. :-)

Theater Neu-Ulm (www.theater-neu-ulm.de )

„Das Abschiedsdinner“ von den Autoren Matthieu Delaporte & Alexandre de la Patellière /Deutsch von Georg Holzer

Mitwirkende:

Claudia Riese (Clothilde) http://theater-neu-ulm.de/cmsroot/claudia-riese/

Heinz Koch (Pierre) http://theater-neu-ulm.de/cmsroot/heinz-koch/

Andreas Gräbe (Antoine) http://www.andreasgraebe.com/

© Corina Wagner, Oktober 2016

https://www.freitag.de/autoren/corina-wagner/das-abschiedsdinner-im-theater-neu-ulm


Aber, aber...

CoLyrik-Gefährliches

Darf man sich noch öffentlich Gedanken über die Türkei machen? Oder muss ich nun Angst haben, dass ich gesteinigt werde?

 

Aber, aber - Gedanken

Meine türkischen Freunde werden mich hoffentlich nicht steinigen.

Aber, aber heute muss es aus mir heraus. Ich muss darüber schreiben,

kann es nicht einfach so hinnehmen.

Die Blattpetersilie auf der Lahmacun wird mir vielleicht im Halse stecken bleiben,

aber ich lasse mich nun ohne Angst vor Verfolgung mit meinen Gedanken einfach treiben.

Ein türkisches Sprichwort lautet:„Bir ipte iki cambaz oynayamaz." Dies bedeutet sinngemäß, so habe ich gelesen:"Ein Ehrgeiziger wird auf die Dauer jeden Rivalen verdrängen."

Aber, aber, werden nun vermutlich manche denken und einige sogar brutal angewidert ihr Misstrauen, ihren Hass mir eventuell schenken. Darüber zu erzürnen, bringt nur böses Blut.

Nun gut. Wer nicht unberechenbar aggressiv wird, kann weiterlesen. Ich möchte nur ungern zu einem Opfer von hasserfüllten Menschen werden, die keine Kritik vertragen.

Die Mehrheit der Europäer ist über die Entwicklung in der Türkei entsetzt, so auch ich.

Du, du und du und du vielleicht auch? Keine Ahnung, wer meine Zeilen liest. Böse Menschen lesen alles und nichts.

Ein Militärputsch löst keine Probleme. Im Gegenteil. Volkszorn führt zu Hass, Gewalt und Lynchjustiz. Viele sind nun geblendet, vertrauen blind ihrem Regierungschef.

Der Weg zur Diktatur wird in vielen klugen Augen immer sichtbarer.

Aber, aber, das ist eine Verschwörungstheorie könnten nun manche denken und ihre Hetzer

auf mich lenken.

Zu viele Suspendierungen in der Türkei wirken nach dem Putschversuch beängstigend

auf friedliche Menschen wie mich, vielleicht auch auf dich.

Eine breitgefächerte Kritik ist wichtig, wenn sie angebracht ist.

Kritik muss eine Demokratie immer aushalten können. Die Demokratie existiert durch Kompromisse. Es ist nicht immer alles perfekt, auch wenn man sich dies wünscht.

Ich bin sehr dankbar, dass ich in einer Demokratie lebe, auch wenn das ein oder andere noch verbesserungswürdig ist. Ich habe im Laufe meines Lebens stets Kritik geübt. Ich nehme auch Kritik an, wenn sie berechtigt ist. Aus einer Kritik kann man auch gestärkt hervorgehen. Es ist ein Geben und Nehmen oder auch Nehmen und Geben.

In der Türkei möchte ich im Moment nicht leben, da man nicht sagen darf, was man denkt.

Kritik ist unerwünscht! Ich kann es immer noch nicht fassen. 24 Radio- und Fernsehsendern wurde die Sendelizenz entzogen. Seit dem Putschversuch hat die Regierung ca. 50.000 Soldaten, Polizisten, Richter und Lehrer festgenommen oder suspendiert. Die Säuberungsaktionen erinnern mich an dunkle Zeiten in Deutschland. Oh mein Gott!, was passiert dort in der Türkei? Wissenschaftler sollen bis auf Weiteres nicht ihre Heimat verlassen. Akademiker, die zurzeit im Ausland sind, werden nach dem gescheiterten Putsch in die Türkei zurückgerufen.

Allahu Akbar! Gott ist groß! Gott ist wahrlich groß und er liebt die Menschen, wie Dich und mich. Er vorverurteilt auch nicht. Er ordnet auch keine Todesstrafe an.

Aber, aber werden nun manche denken und mir (k)ein Lächeln schenken.

© CoLyrik, 20. Juli 2016

https://www.freitag.de/autoren/corina-wagner/aber-aber


Transhumanz -Wanderphilosoph Stefan Hämmerle

Wagners Randnotiz

Ausstellung „Wanderweidewirtschaft: Unterwegs mit den Hirten“

„Bin nur ein Hirte,

ich finde nichts neues,

entdecke Dinge

im Graben des Vergessens“

Zitat Wanderphilosoph Stefan Hämmerle

2014 habe ich bereits bei der Freitag in der Community auf den Wanderphilosophen, den „Transhumanz-Menschen“ Stefan Hämmerle aufmerksam gemacht, aber auch 2015.

https://www.freitag.de/autoren/corina-wagner/wanderphilosoph-stefan-haemmerle

https://www.freitag.de/autoren/corina-wagner/transhumanz-in-der-fos-bos-in-neu-ulm

Pastor (Hirte) Hämmerle setzt sich seit 20 Jahren unermüdlich für Transhumanz, der Wanderweidewirtschaft ein. Nun gibt es in München im VHS –Kulturzentrum Hasenbergl seit dem 01.062016 die sehenswerte Ausstellung „Wanderweidewirtschaft: Unterwegs mit den Hirten“, die noch bis zum 07.08.2016 dauert.

Ausstellungsort:

VHS-Galerie 2411, Blodigstr. 4, 2. Stock (U2 Hasenbergl)

Geöffnet: montags bis freitags von 10.00 bis 20.00 Uhr, an den Wochenenden und in den Ferien nur bei Veranstaltungsbetrieb.

Wer keine Zeit findet oder nicht vor Ort wohnt, sich aber für das Thema interessiert, kann auch Eindrücke über die Ausstellung in der Mediathek finden. Christopher Griebel von münchen.tv war in der Ausstellung “Wanderweidewirtschaft“ im Kulturzentrum Hasenbergl und führte ein Gespräch mit Stefan Hämmerle: https://www.muenchen.tv/mediathek/video/vom-jakobspilger-zum-schaefer/

Es gibt sie noch die Hirten, auch Pastoren genannt, die in Spanien, Anatolien, Schweiz, Südtirol, aber auch noch hier in Deutschland mit ihren Schafsherden unterwegs sind. Fragt sich nur noch wie lange? Durch Bebauung von Land, Straßenbau, Bodenspekulation, aber auch industriell betriebene Landwirtschaft gehen immer mehr Jahrtausende alte Wege, Routen der Weidewirtschaft verloren, die von den Wanderschäfern und ihren Schafsherden genutzt werden/wurden. Saisonale, klimabedingte Wechsel mit den Tieren zu unternehmen, um in verschiedene Höhenstufen liegende Weidegebiete zu gelangen, wird immer schwieriger. Deshalb droht der Wanderschäferei das Ende, wenn man nicht zukunftsorientiert denkt und Transhumanz weiterhin ermöglicht. Die Schäferei von heute kämpft ums nackte Überleben. Preise für Schaffleisch und Wolle sind in den letzten Jahren massiv gefallen. Mit dem Verschwinden der Wanderschäferei werden auch wertvolle Lebensräume für bedrohte Tier- und Pflanzenarten wegfallen. Lobenswert, dass es Menschen wie Stefan Hämmerle gibt, die auf Transhumanz durch eine Ausstellung aufmerksam machen. Prima auch, dass Institutionen wie zum Beispiel die Volkshochschule München Raum dafür zu Verfügung stellt.

Ich wünsche Pastor Stefano weiterhin alles Liebe und Gute auf seinem Weg die Wichtigkeit der Transhumanz auch überregional zu vermitteln.

© Corina Wagner, Juli 2016

https://www.freitag.de/autoren/corina-wagner/transhumanz-wanderphilosoph-stefan-haemmerle

 

 


 

"Abschalten vor dem Gau"

Wagners Randnotiz

Neue Panne in Gundremmingen...

 

„Abschalten vor dem GAU!“

WO?

In Gundremmingen!


Wow. „Herzlichen Glückwunsch zu 50 Jahre AKW Gundremmingen!“ Diese Glückwünsche kommen mir im August bestimmt nicht über die Lippen, denn was soll daran herzlich sein? Im August sind es dann 50 Jahre her, dass der Reaktor A ans Netz ging. Genau jener Reaktor verursachte im Januar 1977 beinahe ein Gau und ist seitdem nicht mehr am Netz. Es war damals der schwerste nukleare Störfall in der Geschichte der Bundesrepublik. Das AKW ist Deutschlands ältester Siedewasserreaktor, aber auch der leistungsstärkste Kernkraftwerksstandort in Deutschland, dessen Blöcke B und C seit 1984 am Netz sind. Die vier in Fukushima beschädigten Reaktoren sind von diesem Typ, soweit ich informiert bin. Nicht unbedingt beruhigend, so finde ich.

Kann man für diese Industrieanlage in Geburtstagsstimmung kommen? Ich nicht. Ich gratuliere keiner Atommüll-Hauptstadt. Denn inzwischen lagert auch der meiste Atommüll dort. Darauf kann man nicht stolz sein. Vielleicht nur diejenigen, die dort arbeiten, strahlen und sind deswegen in Feierlaune. 50 Jahre Gefahr für die Bevölkerung, so das bisherige Fazit. Jahre, die auch von meldepflichtigen Pannen geprägt sind. 50 Jahre – in denen Kinder, aber auch Erwachsene Krebs bekamen, starben und noch an den Folgen der Krebserkrankung sterben werden. "Papperlapapp" werden einige Hartgesottene denken, denn alle müssen irgendwann früher oder ein bisschen später sterben...
Erst kürzlich gab es am 8. April 2016 mal wieder eine Panne. Die Niederdruckpumpe eines Stranges des Nachkühlsystems für einen turnusmäßigen Start konnte nicht in Betrieb genommen werden. Laut Medienmitteilung wurden die elektrische Steuerung und ein Schalter ausgetauscht und anschließend die Pumpe erfolgreich in Betrieb genommen. Diese Meldung beeindruckte mich nicht und deshalb war ich am Samstag, dem 23. April 2016 in Gundremmingen und habe mit ca. 750 Menschen, darunter Umweltschützer, Politiker und Menschen wie Du und ich, bei schlechten Wetterverhältnissen ausgeharrt, um für das schnelle Abschalten von Deutschlands ältestem Siedewasserreaktor zu demonstrieren.

Von den Grünen war z.B. Claudia Roth gekommen, aber auch Sylvia Kotting-Uhl, die wie Raimund Kamm vom Forum gemeinsam gegen das Zwischenlager und für eine verantwortbare Energiepolitik e. V. (Vorstand) eine interessante Rede hielt. Eigentlich will man gar nicht daran denken, was passieren könnte, denn beide machten darauf aufmerksam, dass Sicherheitsanforderungen nicht erfüllt werden. Musik gab es auch, so von Tom der Wolf und Christoph Weiherer.

http://www.atommuell-lager.de/fuku2016/Main.php

Kaum war ich wieder zu Hause, dachte ich nur, ob diese Demo etwas in den Köpfen der Verantwortlichen bewegt? Über die Demo wurde in den Medien berichtet. Dann setzte ich mich vor den PC und postete Impressionen, Handy-Fotos der Demo auf meiner Facebook-Seite. Die Demonstration war für mich persönlich beeindruckend. So lernte ich auf dem Weg vom Parkplatz bis zum Veranstaltungsort eine Frau aus der Region kennen, die mir erzählte, dass es in ihrem Ort unglaublich viele Krebskranke gibt. Sie war der festen Meinung, dass dies mit der Windrichtung zu tun hätte. Diese krankheitsbedingte Situation wäre nicht normal und hätte mit der unmittelbaren Nähe des Atommeilers zu tun. Ihr Gespräch berührte mich sehr. Vielleicht bin ich zu sensibel, mag sein. Jetzt gibt es seit gestern (25.04.2016) eine neue Medienerklärung seitens des Betreibers. Detektion von Büro-Schadsoftware an mehreren Rechnern

http://www.kkw-gundremmingen.de/presse.php?id=571

Wird das Ganze von den Verantwortlichen nun mal wieder für die Bevölkerung super schön formuliert? „Im Kernkraftwerk Gundremmingen ist im Rahmen revisionsvorbereitender Prüfarbeiten in Block B so genannte Büro-Schadsoftware gefunden worden. Diese Software ist in der Fachwelt bereits einige Jahre bekannt; sie zielt unter anderem darauf ab, eine ungewollte Verbindung zum Internet herzustellen.“

Mal wieder eine Panne, aber keine Sorge, so die Botschaft - es besteht wie immer keine Gefahr. Solche Aussagen beruhigen mich nicht, wirklich nicht.

IT-Menschen sind auch nur Menschen, stimmt’s?

Die Betreiber könnten mir, uns aber bestimmt verraten, wie lange diese Schadsoftware schon auf den Rechnern war? Waren es Außerirdische? :-) Auf ein Ja, als Antwort, warte ich tatsächlich noch, so als kleine, heitere Aufmunterung fürs Gemüt.

https://www.abschalten-vor-dem-gau.de/

Ich bin für ein sofortiges Abschalten in Gundremmingen!

Corina Wagner

 

Noch ein bisschen Info: Atomkraft endlich Abschalten! Grüner Atomkongress 2016 https://www.youtube.com/watch?v=3a-pVEBq6u0

© Corina Wagner, 26.04.2016 (30 Jahre Tschernobyl)


Gefahrenpotenzial AKW Gundremmingen

Wagners Randnotiz

Von Raimund Kamm (Vorstand) vom FORUM Gemeinsam gegen das Zwischenlager und für eine verantwortbare Energiepolitik e.V. habe ich einen Link vom Mitschnitt der Livesendung des Bayerischen Fernsehens aus Gundremmingen über die Energiewende erhalten. Diese Sendung bietet interessante Denkanstöße, aber auch politische Aussagen, die sehr nachdenklich stimmen, so z.B. die Aussage von CSU-Politiker Erwin Huber. Er behauptet, dass das AKW Gundremmingen vor Terroranschläge sicher sei. Dieser These kann man nur vehement widersprechen.

http://www.br.de/mediathek/video/sendungen/buergerforum-live/buergerforum-live112.html

Regelmäßig erhalte ich von Raimund Kamm Informationen. Diese Livesendung wurde auch durch den aktuellen Terroranschlag in Brüssel geprägt. Schließlich gelten Belgiens Atomkraftwerke, soweit ich informiert bin, bereits länger als Sicherheitsrisiko. Immer wieder aufs Neue sorgten in der Vergangenheit die Standorte Doel und Tihange für negative Schlagzeilen in den Medien. Als unbedeutende Europäerin, wie ich es bin, die keine Entscheidungsträgerin ist, sorgt man sich nicht nur um die Sicherheit der Atomkraftwerke in Deutschland, sondern auch in den Nachbarstaaten. Deshalb schreibe ich, auch wenn ich weiß, dass meine Worte im Internet sang- und klanglos untergehen können, aber der Versuch ist es wert.

Nicht erst seit den nuklearen Katastrophen von Tschernobyl und Fukushima weiß ich, das Kernenergie eine große Gefahr darstellt. Seit am 22. März 2016 nun die beiden Anschläge (am Brüsseler Flughafen Zaventem und in der U-Bahn-Station Maelbeek) in Belgien verübt wurden, wird wieder einmal ganz deutlich, welche potenzielle Gefahr auch Kernkraftwerke darstellen können, sollten Terroristen dort ihr Unwesen treiben. Laut belgischer und französischer Zeitungsmeldungen waren auch die beiden Kernkraftwerke Doel und Tihange im Visier der Terroristen. Über die Gefahr von Atomterror zu schreiben oder zu sprechen, ist keine Spinnerei von ängstlichen Menschen, sondern stellt eine reelle Bedrohung dar, die es auch für Deutschland gibt.

Deshalb möchte ich aus der E-Mail von Raimund Kamm vom 24.03.2016 zitieren:

„Medienmitteilung 24. März 2016

Gefahr des Atomterrors

Atomkraftwerke sind die brisantesten Terrorziele. Anschläge dort können Menschen töten und sogar Länder zusammenbrechen lassen.

Die Bürgerinitiative mit dem langen programmatischen Namen ‚FORUM Gemeinsam gegen das Zwischenlager und für eine verantwortbare Energiepolitik e.V.‘ hat schon im Frühsommer 2001 Terroranschläge als größte Gefahr für die Gundremminger Atomanlagen bezeichnet. Wenige Monate später, als die schrecklichen und so nicht für möglich gehaltenen Anschläge am 11.9.2001 in New York stattgefunden hatten, zeigten die Vertreter von EON und RWE durch eine Erklärung am 9. Oktober 01 im Zwischenlager-Erörterungstermin in Günzburg, wie haftungsrechtlich ernst sie die Terrorgefahr nehmen:

„Der Angriff auf eine kerntechnische Anlage mithilfe eines Flugzeugs kann nur als kriegerische Einwirkung eingeordnet werden, die gegen den jeweiligen Staat gerichtet ist. Das Atomgesetz verpflichtet die Betreiber nicht, Vorsorge gegen derartige kerntechnische Einwirkungen zu treffen. Der Schutz des Staates und seiner Bevölkerung vor kriegerischen Handlungen und vor den Konsequenzen derartiger kriegerischer Handlungen obliegt allein dem Staat selbst. Der Staat kann seinen Bürgern – das sind nicht nur die Kraftwerksbetreiber, sondern alle Bürger - natürlich insoweit bestimmte Vorkehrungen, Verpflichtungen auferlegen. Der Staat hat jedoch bislang weder im Baurecht noch im Industriezulassungsrecht und auch nicht im Atomrecht derartige Verpflichtungen auferlegt. Die Vorsorge vor den Auswirkungen derartiger kriegerischer Einwirkungen auf Industrieanlagen und hier speziell auf kerntechnische Anlagen verbleibt damit allein als Pflicht des Staates.“ (Wortprotokoll des BfS vom EÖT, 2-44f).

Die Bürgerinitiative FORUM hat dann im Jahr 2003 ein ‚Memorandum Atom-Terrorgefahr‘ erstellt und ständig mit offenen Meldungen über die Terrorgefahren aktualisiert. Die neuste Fassung steht hier: http://www.atommuell-lager.de/informationen/AtomTerrorgefahr.pdf.“

Jeder muss letztendlich für sich selbst entscheiden, ob er Menschen, Politikern wie Herrn Huber sein Vertrauen schenkt. Ich bin der festen Überzeugung, dass Deutschlands ältester Siedewasserreaktor in Gundremmingen eine große Gefahr darstellt.

Beste Grüße von der unbedeutenden Europäerin, die keinen Einfluss auf Atomkraftbetreiber und dessen Befürworter hat, ob in Deutschland, Europa oder dem Rest der Welt.

Corina Wagner

www.atommuell-lager.de

www.facebook.com/pages/FORUM-gemeinsam-gegen-das-Zwischenlager-eV/152276034836072

https://www.freitag.de/autoren/corina-wagner/gefahrenpotenzial-akw-gundremmingen#1459001456178563

 


DIE DUCKOMENTA

Wagners Randnotiz

DIE DUCKOMENTA – WELTGESCHICHTE NEU ENTDECKT

 

Staunen, Bewundern, Schmunzeln, Grinsen, Kichern, aber auch lautes Lachen bietet die außergewöhnliche Ausstellung „Die DUCKOMENTA – Weltgeschichte neu ENTdeckt“  noch bis zum 24.04.2016 in den Reiss-Engelhorn-Museen (rem) in Mannheim den AusstellungsbesucherInnen. Sie ist Deutschlands größte DUCKOMENTA-Ausstellung und zeigt beeindruckend mehr als 300 Exponate im Museum Weltkulturen der rem. Was ursprünglich als Seminar in einer Kunsthochschule begann, entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einer humorvollen Umdeutung unserer Weltgeschichte, dank der Berliner Künstlergruppe „interDuck“. Man taucht in die Welt der „bislang vollkommen unbekannten Zivilisation: den Anatiden.“  Wer die Ausstellung besucht, sollte schon ein bisschen Allgemeinbildung vorweisen können, wenn man sich köstlich amüsieren will.  Menschen, die keine musealen Vorkenntnisse haben, werden vermutlich nicht so großen Spaß haben, wie diejenigen die regelmäßig Museen von Innen sehen oder diverse Exponate aus Medien kennen.

„Die ersten Spuren reichen bis ins Erdmittelalter. Die Stammesgeschichte der Enten beginnt vor mehr als 150 Millionen Jahren mit dem Urvogel Duckaeopteryx.“ und deshalb sieht man zu Beginn der Ausstellung z.B. eine Versteinerung, ein Fossil in Solnhofer Plattenkalk.

„ENTEN DAMALS WIE HEUTE“ ENTdecken die AusstellungsbesucherInnen, da man u.a. Exponate sieht, die an uralte archäologische Zeugnisse erinnern, so z.B. die Venus von Villenduck, Stein, H 140 mm.

„Diese Statuette aus der Altsteinzeit ist bisher als Symbol der Fruchtbarkeit gedeutet worden. Heutige Forscher halten sie jedoch für ein frühes Zeichen des bei Enten bis heute geltenden Schönheitsideals der Fettbürzelkeit.“

Jene Statuette ist eine Anspielung auf die Venus von Willendorf aus der jüngeren Altsteinzeit.

Ein vergnüglicher, kurzweiliger Streifzug quer durch Kultur und Geschichte bietet wahrlich die DUCKOMENTA, so mein persönlicher Eindruck.

Man sieht z.B.  hinter Glas Dötzi, einen mumifizierten Leichnam (L 700 mm), der aus der Jungsteinzeit stammt. Die Mumie des Erpels gab das Gletschereis frei und erinnert an? Genau: Ötzi.

Die Trojanische Ente oder die Abbildung von Königin Duckfretete faszinieren genauso wie z.B. die Goldmaske des Agamedux, die Sphinx, aber auch die Mumie eines Anatiden oder Choenkännchen, die aus der Zeit zwischen 430-400 v Chri stammen.

Es locken viele Highlights, die man ENTdecken kann, da es ein augenzwinkerndes, humorvolles Wiedersehen mit bekannten Kunst- und Kulturobjekten von Weltrang zu sehen gibt. Man findet bekannte Bilder von Meistern wie Rembrandt, Leonardo da Vinci, Gustav Courbet, Jan Vermeer van Delft, aber auch z.B. von Claude Monet, Édouard Manet, Vincent von Gogh, Franz Marc oder z.B. Andy Warhol. Die neu interpretierten Exponate sind künstlerisch sehr anspruchsvoll gestaltet.

Das skandalträchtige Gemälde „Der Ursprung der Welt“ von Gustave Courbet aus dem Jahr 1866 wurde urkomisch neu interpretiert.

Sissi Fans kommen sogar in Wallung. Ein entzückendes Großformat ist ihr gewidmet. Die Ausstellung endet u.a. mit einer Abbildung von „Angie Duck“ mit der berühmten Raute der Macht.
:-)

http://www.duckomenta.de/

November 2015, © Corina Wagner

 


#zwcm2015 und "danube streamwave" in Ulm

Wagners Randnotiz

Zurzeit finden zwei Kongresse in der Volkshochschule in Ulm statt. Serbische Kongressteilnehmer hatten dank Polizei keinen herzlichen Empfang...

„Herzlich Willkommen in Ulm“, so begrüßte ich gestern, aber auch heute am Infopoint in der Volkshochschule im Einsteinhaus in Ulm die VeranstaltungsbesucherInnen zweier Kongresse. Im Rahmen von 20 Jahre Radio free FM findet dort zum Abschluss des Jubiläums in Zusammenarbeit des Bundesverbands Freier Radios (BFR) der diesjährige Kongress statt.

Vom 5. bis 8. November 2015 veranstaltet der Bundesverband Freier Radios (BFR) in Ulm die Zukunftswerkstatt Community Media 2015 #zwcm2015. In zahlreichen Diskussionsrunden, Workshops und Panels werden unterschiedliche Themensträngen erörtert. Es geht um einen spannenden, informativen Austausch zu Themen wie Medienpolitik, Programm und Technik in Freien Radios und anderen emanzipatorischen und unabhängigen Medienprojekten. Eingeladen wurden dazu Medienaktive, aber auch Interessierte. http://www.freie-radios.de/mitteilungen/14297-kongress-freier-radios-2015-in-ulm.html

Zur gleichen Zeit findet aber auch bis Sonntag in den Räumen der Volkshochschule der Kongress „danube streamwaves“ statt. Viele Medienaktive aus den Donau-Anreinerländern aus Mittel- und Südosteuropa wurden deshalb von Rado free FM nach Ulm eingeladen. http://www.freefm.de/projekte/danubestreamwaves

Für Interessierte zum Nachlesen ein Bericht mit Bildern über die gestrige Auftaktveranstaltung im Club Orange in der vh: http://community-media.net/20-jahre-freie-radios-in-bawue/

Heute standen u.a. auf dem Programm der #zwcm2015: Medienrecht- und Medienpolitik, Archive Freier Radios (Archive und Software), UVisualize! – Visualisierungs-Tool für offene Archive, Refugee Radio Network (MigrantInnen im Radio), Crowdfunding für’s Freie Radio (Finanzaquise), Internetbasierte Tools für Programm- & Projektarbeit, Mediathek mit Comba realisieren (Software), Eigenbetrieb von Sendern (Technik) Selbstverwaltung & -organisation, DAB – die aktuelle Dynamik im Digitalisierungsprozess und Musikredaktion/ -reflektion im Freien Radio.

Der Kongress „danube streamwaves“ (Donauraumstrategie-Projekt) befasste mit sich den Themen Radio B92 Belgrad – Rise and Fall und Rettet Radio Civil – „Eine Internetkampagne und ihre Folgen“.

Bislang verliefen die beiden Kongresse super gut, wenn es nicht diesen einen Vorfall gestern Nacht geben würde, der ein „Geschmäckle auf der bayerischen Seite“ für weit angereiste Gäste des Kongresses „danube streamwaves“ hinterlassen würde. Ein Neu-Ulmer Andenken steckt nun im Gepäck, das zum Thema „Deutsche Willkommenskultur“ überhaupt nicht passen will und viele KongressteilnehmerInnen heute zum Fremdschämen animierte. Heute Nacht kamen nach ewig langer Fahrt die Kongressteilnehmer aus Serbien in Neu-Ulm an. Sie sollten dort in einem Hotel übernachten. Es war mit dem Hotel vereinbart worden, dass die Gäste erst nach Mitternacht anreisen werden. Bis halb eins wäre dies kein Problem wurde versichert. Die serbischen Kongressteilnehmer kamen kurz vor halb eins vor dem Hotel an. Leider war niemand mehr da, der ihnen die Tür öffnete. Einchecken war nicht mehr möglich.

Da machten sich die englischsprachigen Menschen mit ihrem Fahrzeug auf den Weg durch Neu-Ulm, um noch eine Bleibe zu finden. Allerdings begegneten sie da einer Polizeikontrolle, die nichts Besseres zu tun hatte, um zu beanstanden, dass sie mit keiner Feinstaubplakette/Umweltplakette in Neu-Ulm unterwegs seien. Soweit ich informiert bin, mussten die serbischen Kongressteilnehmer 100 Euro Bußgeld zahlen. Sie wurden gefilzt, hätten ja Drogendealer sein können und saßen zwei Stunden im Polizeipräsidium fest. Mit dem Auto durften sie auch nicht mehr fahren, da sie ja keine Feinstaubplakette an ihrem Fahrzeug klebte. Als sie dann völlig übermüdet die Polizisten fragten, wo sie denn nun in Neu-Ulm übernachten könnten, gab ihnen ein bayerischer Polizist auf Englisch die Antwort, dass sie keine Touristeninformation wären…

Das Orgateam war heute Vormittag mit dem Kauf  einer Feinstaubplakette für das serbische Fahrzeug beschäftigt. Im Autohaus, wo die Plakette gekauft wurde und man von dem nächtlichen Vorfall erzählte, war nur großes Kopfschütteln angesagt, erzählte man mir. Als Neu-Ulmer Bürgerin möchte ich zu gern wissen, wer diese äußert freundlichen Polizisten waren…

Morgen früh gegen 8.30 Uhr stehe ich wieder am Infopoint im Einsteinhaus und sage: „Herzlich Willkommen in Ulm!“    

© Corina Wagner, 06.11.2015

Bildquelle: Paolo Percoco

https://www.freitag.de/autoren/corina-wagner/zwcm2015-und-danube-streamwave-in-ulm


Wagners Randnotiz

Jimi Hendrix traf Kafka und fragte ihn nach der Uhrzeit - Gastspiel in der Theaterwerkstatt in Ulm - Lyrik trifft Musik - Lesung mit Jörg Neugebauer und Uli Dumschat

Gestern Abend war es endlich soweit. 31. Oktober 2015, 20 Uhr. Premiere in der Theaterwerkstatt in Ulm. „Jimi Hendrix traf Kafka und fragte ihn nach der Uhrzeit“, so der neugierig machende Titel  des Gastspiels. Genau so lautet aber auch der Buchtitel von Autor Jörg Neugebauers neuestem lyrischem Werk, das er mit musikalischer Einrahmung vorstellte. Guitar Performer Uli Dumschat hatte gleich mehrere Gitarren für das großartige Live-Programm mitgebracht. Für seine Gigs setzte Dumschat klassische Flamenco-Gitarren, aber auch eine achtseitige Marin ein. Sogar ein handelsüblicher Eierschneider kam zum Einsatz. Technisches Know-how wie Akustik- und Gitarrenverstärker nutzte er, um die Gedichte von Neugebauer zu vertonen. Neugebauers Sprechgesang wurde dank seiner ausdrucksstarken Stimme und einem super Rhythmusgefühl in Verbindung mit den von Dumschat improvisierten Gitarrenklängen ein echter Ohrenschmaus mit hohem Unterhaltungswert. Chapeau! Tolle Premiere! Guitar Performer Uli Dumschat und Autor Jörg Neugebauer wurden zur lyrisch-musikalischen Symbiose. Die Kombination Lyrik und Musik ist vorzüglich gelungen, aber auch die Platzierung von Humor und Tragik! Es war ein kurzweiliges Vergnügen mit Suchtpotenzial, da feinsinniger Humor bereits zu Anfang mit dem Gedicht „Ich sag nix“  ertönte.

:-)

Herrlich auch z.B. „ins blaue hinein“ oder aber auch „Halbargentinier“. Zitat aus dem Gedicht Halbargentinier:

Neulich erfuhr ich, dass ich eigentlich Halbargentinier bin
Ich habe mich ja für manches gehalten
Aber das hätte ich doch nicht gedacht
Halbargentinier –
welche Aufstockung meines Blutes!
Mein Gehirn fasst plötzlich dreimal so viel Sauerstoff wie zuvor…“

Nachdenkliche Töne wurden auch angeschlagen zum Beispiel als Neugebauer das Gedicht „wie viele uns blieben“ vortrug. Die bereits 1963 verstorbene Lyrikerin Sylvia Plath (1932-1963) inspirierte ihn dazu. Beeindruckend.

Uli Dumschat spielte auch Solis. Normalerweise kann ich mich für Flamenco nicht begeistern, aber Dumschat hat nun einen neuen Fan. ;-)

Das selbst komponierte Stück „Full Moon Over Bahia“ kann man bei Youtube nachhören: https://www.youtube.com/watch?v=1kEfsbwunrk

Mein Buchtipp:

Jörg Neugebauer: Jimi Hendrix traf Kafka und fragte ihn nach der Uhrzeit

ISBN-13: 978-3954977000

EUR 14,90

https://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%B6rg_Neugebauer_%28Autor%29

Uli Dumschat

http://ulidumschat.de/guitarperformer/Home.html

© Corina Wagner, 1.11.2015

 

 

 


Wagners Randnotiz

DAS FRÖHLICHE FLUSSPFERD – 45 komische Gedichte von Hans G. Gohlisch

"Humor ist der Knopf, der verhindert, daß uns der Kragen platzt." (Joachim Ringelnatz)

Dieses Zitat ziert noch heute eine inzwischen verwaiste Profilseite im Internet, die man beim Stöbern finden kann. Ob in der Community bei ZEIT ONLINE oder im Meinungsforum bei der Freitag entdeckt man komische Gedichte und andere literarische Schätze von Hans G. Gohlisch, die er aber nicht unter seinem Namen im Internet veröffentlichte. Bereits 2009  fiel mir Gohlisch sehr positiv durch seine „Komische Lyrik“ in der Community bei ZEIT ONLINE auf, die mich immer wieder aufs Neue zum Schmunzeln und Lachen brachte. Sein feinsinninger, intelligent verpackter Humor faszinierte mich damals bereits, als er noch als Graphic Designer und Art Director berufstätig war und nur ab und zu schrieb. Mit seinen Mondschaf-Gedichten hinterließ er im Netz Spuren, die noch heute die Bauchmuskeln aktivieren, wenn man sie liest.  Deshalb freue ich mich sehr, dass man nun sein erstes Buch kaufen kann. „DAS FRÖHLICHE FLUSSPFERD“, so lautet der Titel für 45 komische Gedichte, die nun in Kleinstauflage im Eigenverlag entstanden sind. Das Vorwort zu dem Gedichtband verfasste Konstantin Wecker. Sein Vorwort bringt es literarisch betrachtet absolut auf den Punkt und deshalb möchte ich ihn gern zitieren: „Die Texte von Hans-Georg Gohlisch mochte ich sofort. Sie haben etwas unverkrampft Kabarettistisches. Irgendwo eine Linie von Heinrich Heine über Wilhelm Busch, Joachim Ringelnatz, Erich Kästner bis zu Robert Gernhardt fortsetzend, aber doch ihre ganz eigene Pointierung findend…“

Seine Hommage an Bernhard Victor Christoph-Carl von Bülow mit „Die Venus von Bülow“ ist mein Lieblingsgedicht.

ISBN 978-3-00-050041-1

24 Euro (Hardcover)

 

© Corina Wagner, 28.10.2015

http://zeitverdichtet.de/?p=23034

https://www.freitag.de/autoren/corina-wagner/das-froehliche-flusspferd-von-hans-g-gohlisch


 

Revision im AKW Gundremmingen

Wagners Randnotiz

Revision? Na und?, so denken viele...

Heute war ein strahlender Sommertag, auch in Gundremmingen. Weitere strahlende Tage erfreuen die ahnungslosen Menschen.

Revision im Atomkraftwerk Gundremmingen! Revision?

20 Millionen Euro wird nach eigenen Angaben des Kraftwerksbetreibers diese Revision kosten, die heute begann.

784 Brennelemente werden untersucht. Im Frühjahr gab es einen Brennelemente-Defekt.

Nach der Brennelemente-Untersuchung wird Block C mit 104 neuen Brennelementen für das kommende Produktionsjahr bestückt. Außerdem sollen bereits verwendete Brennelemente aus dem Lagerbecken nun wieder eingesetzt werden. Wahrscheinlich sind darunter auch 16 Mischoxid (MOX)-Brennelemente. Schlimm? Nein, wenn man nicht darüber nachdenkt. Mit dem Wechsel von hochradioaktiven Brennelementen werden durch das Öffnen des Reaktordruckbehälters erhöhte Mengen radioaktiver Substanzen vom Atomkraftwerk über den Kamin in die Umgebung abgegeben, so ist das nun mal, wenn eine Revision abläuft. Schwangere sind dann besser nicht vor Ort, behaupten Fachleute.

Sachverständige vom TÜV sollen im Auftrag des bayerischen Umweltministeriums überwachen.

Sachverständige und Politiker sind keine Heiligen, weiß doch jeder.

1500 externe Techniker arbeiten nun zusätzlich während der Revision im größten Atommeiler Deutschlands. Hoffentlich können diese sich alle bei den sommerlichen Temperaturen konzentrieren. Vielleicht sind Brennstäbe-Allergiker unter ihnen, wer weiß das schon.

Ist MOX gefährlicher, als die anderen Brennelemente? Ja, wenn man Experten fragt. Bei der MOX-Brennelemente –Herstellung müssen große Mengen Plutonium verarbeitet werden.

Wer in der Schule aufgepasst hat, weiß, dass Plutonium hochgiftig und radioaktiv ist. Winzigste Mengen Plutonium, die in den Körper gelangen, reichen aus, um die Erkrankung Krebs auszulösen.  Nur wenige Kilogramm Plutonium genügen bereits, um eine Atombombe zu bauen.

Aus MOX-Brennelementen lässt sich der Bombenstoff extrahieren und kann für andere Zwecke missbraucht werden. MOX-Brennelemente sind heißer, radioaktiver, als reine Uran-Brennelemente. Sie stellen daher auch noch im Brennelemente-Lagerbecken und im Zwischenlager eine besondere Gefahr dar, wissen nur diejenigen, die sich für das Thema interessieren. Für die Endlagerung benötigen sie auch mehr Platz. Im Kernkraftwerk Gundremmingen können laut Betreiber in den Blöcken B und C des Kernkraftwerks Gundremmingen jeweils bis zu 300 MOX-Brennelemente in den Reaktoren eingesetzt werden.

Ich habe als ahnungslose Bürgerin, die ca. 30 km von Gundremmingen entfernt wohnt,  keine Ahnung wie viele MOX-Brennelemente vor Ort sind…

Sie, Du, ihr?

©Corina Wagner, 3.Juli 2015
Bild: © T.W.  11.03.2012

 

https://www.freitag.de/autoren/corina-wagner/revision-im-akw-gundremmingen

Nachtrag:

Herr Kamm, Vorstand von FORUM Gemeinsam gegen das Zwischenlager und für eine verantwortbare Energiepolitik e. V.

(www.atommuell-lager.de , www.facebook.com/pages/FORUM-gemeinsam-gegen-das-Zwischenlager-eV/152276034836072)

 

hat mir die Medienerklärung vom 2. Juli 2015 gesendet, die ich hier nun zum Lesen einstelle:

 

Medienerklärung  2. Juli 2015

Hasardeure im AKW Gundremmingen

Das AKW Gundremmingen hat erneut einen Brennelementschaden. Zugleich will es bei der anstehenden Revision des Blocks C gebrauchte MOX-Elemente einsetzen. Hiergegen protestiert unsere Bürgerinitiative scharf und fordert die Bayerische Atomaufsicht zum Einschreiten auf.

In wohl keinem anderen deutschen AKW wurden in den vergangenen fünfzehn Jahren so viele Spaltelemente defekt wie im zwischen Ulm und Augsburg gelegenen AKW Gundremmingen. Wie miserabel das schwäbische AKW ist, zeigte der letzte Woche veröffentlichte Jahresbericht der Schweizer Atomaufsicht ENSI. Stolz hieß es dort, dass in allen fünf Schweizer Atomreaktoren im zurückliegenden Jahr nur ein Brennelementdefekt entstanden sei. Dies sei „auf eine umsichtige Betriebsweise“ zurückzuführen.

Zur umsichtigen Betriebsweise in einem AKW gehört, nur beste Qualität einzukaufen. Das AKW Gundremmingen hat jedoch in den zurückliegenden Jahren auch unter anderem zweifelhafte russische Spaltelemente bezogen. Zur umsichtigen Betriebsweise gehört außerdem, den Reaktor behutsam statt mit schnellen Lastwechseln zu fahren.

Völlig unverantwortlich ist, dass RWE und EON jetzt im AKW Gundremmingen auch noch gebrauchte plutoniumhaltige MOX-Elemente aus den Abklingbecken entnehmen und wieder im Reaktor einsetzen wollen! Diese Teile waren vor Jahren aus dem Reaktor entfernt worden, weil eine Häufung von Brennelementdefekten einen Serienfehler befürchten ließ. Auch der Bayerische Landtag befasste sich mit den Schäden und forderte Aufklärung über die Ursachen. Da aber in Gundremmingen die Abklingbecken praktisch randvoll sind, will man durch nochmalige Nutzung dieser gebrauchten MOX-Teile Platz schaffen. Geld spart man so auch. Dafür steigert man die Risiken und belastet die Nachbarn mit mehr Radioaktivität. Bis heute haben jedoch die deutschen AKW-Betreiber nicht erklärt, was die Ursache der durch die Kinderkrebsstudie vor einigen Jahren nachgewiesenen Häufung von Krebserkrankungen um die deutschen AKW ist. Wann endlich schreitet die bayerische Aufsichtsbehörde ein?

Raimund Kamm

 


Demo in Ulm gegen TTIP, CETA und TiSa

(18.04.2015)

Wagners Randnotiz

"Gemeinwohl hat Vorfahrt"! Stoppt die sogenannten Freihandelsabkommen TTIP, CETA und TiSA !

 

Bildquelle: Fotograf Ralf Grimminger

Gestern habe ich am globalen Aktionstag gegen TTIP, CETA und TiSA teilgenommen. Unter dem Motto „Gemeinwohl hat Vorfahrt“ hatte das breit aufgestellte regionale Bündnis „STOP TTIP Alb Donau Iller“ u.a. auch über die sozialen Netzwerke aufgerufen. 850 Menschen zogen lautstark mit vielfältigen Transparenten und Fahnen bestückt durch die Ulmer Innenstadt. Dank Versammlungsleiter Michael Joukov von den Ulmer Grünen kam ich in den Genuss eines witzigen Krachmachers. Ich bekam wie einige andere Demonstranten eine Kindertrommel, die trotz alledem Lärm machte. :-) Ich ging ganz vorne während der Demo mit. Gemeinsames Ziel der Demonstranten ist, dass die Menschen endlich wachgerüttelt werden, die sich bislang nicht intensiv mit dem lebensstandardgefährdeten Thema beschäftigen. Die Schere zwischen ARM und REICH wird dadurch immer größer, sollten die Abkommen zustande kommen. Nur Lobbyisten haben etwas von diesen Freihandelsabkommen: Macht und noch mehr Geld. Wir, die BürgerInnen, die dagegen sind, fordern die Institutionen der Europäischen Union und ihre Mitgliedsstaaten dazu auf, die Verhandlungen mit den USA über die Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft (TTIP) zu stoppen, sowie das Umfassende Wirtschafts- und Handelsabkommen (CETA) mit Kanada nicht zu ratifizieren. Oberste Priorität ist es nun die Menschen zu mobilisieren, dass sie nicht einfach alles hinnehmen, was PolitikerInnen mit Lobbyisten hinter verschlossenen Türen aushandeln.

Der gestrige globale Aktionstag gegen TTIP,  CETA und TiSA soll ganz deutlich zeigen, dass die Bevölkerung es nicht einfach hinnimmt, dass in intransparenten Verhandlungen die Umwelt-, Sozial-, Arbeits-, Verbraucherschutz- und Datenschutzstandards minimiert, gesenkt werden. Auch öffentliche Dienstleistungen sind betroffen, wenn die Verträge zustande kommen wie z.B. die Wasserversorgung und Kulturgüter, die durch die Abkommen dereguliert werden. Es besteht die große Gefahr, dass Demokratie und Rechtsstaat durch diverse Formulierungen in den Verträgen ausgehöhlt werden. Großartig ist, dass so viele Menschen zur gestrigen Demonstration nach Ulm gekommen sind. Bündnissprecherin Gisela Glück-Groß begrüßte auf dem Münsterplatz ca. 1200 Menschen zunächst mit dem Wort: „Wow!“ Gisela hatte mit so vielen Menschen nicht gerechnet, die an der Kundgebung teilnahmen. Es menschelte, das merkte man sofort, als sie sagte, dass sie das erste Mal im Leben vor so vielen Leuten sprechen würde. Ihre Begrüßung meisterte sie prima und betonte u.a. in ihrer Ansprache die rasante Entwicklung der „STOP-TTIP-Bewegung“. Sie machte in ihrer Begrüßungsrede deutlich, dass es in Zukunft nicht sein dürfe, dass unsere Regierungen sich durch die bindenden Freihandelsabkommen zu Dienstleistern der großen lobbystarken Industriekonzerne machen. Die so genannten Freihandelsverträge würden die Grundlagen unserer Demokratie aushebeln.

Zu der Abschlusskundgebung war auch Maria Winkler gekommen. Sie ist ver.di-Geschäftsführerin der Bezirke Ulm-Ostwürttemberg. Ihre mahnenden Worte wurden mit viel Applaus belohnt, da sie gezielt aufführte, welche Auswirkungen die Freihandelsverträge dann folglich für die Kommunen hätten. Alle Bereiche, die bislang auch in öffentlicher Hand liegen, würden privatisiert (Wasserversorgung, Abfallwirtschaft, Personenverkehr, Bildungswesen, Krankenhäuser, Kulturwesen). Großen Beifall erhielt sie für die Worte: „Wir wollen keine Privatisierung in diesen grundlegenden Lebensbereichen – deswegen muss gelten: „Gemeinwohl hat Vorfahrt!“.

Es gab auch eine Sternfahrt. Fünfzehn Landwirte kamen mit ihren Schleppern zur Abschlusskundgebung auf den Münsterplatz. Ihre Traktoren wurden mit Transparenten geschmückt. Ihr Motto: „Wer TTIP sät, wird Gentechnik ernten!“. 

Deshalb gab es auch eine ganz starke Rede des Sprechers des „Genfrei-Bündnisses Ulm/Neu-Ulm“, so mein persönlicher Eindruck. Bio-Landwirt Franz Häußler hob in seiner Ansprache die Gefahren hervor, die sich für die Landwirtschaft und die Umwelt ergeben, wenn die Freihandelsabkommen nicht verhindert werden. Ein Szenario, dass man mit gesundem Menschenverstand in Zukunft nicht haben möchte. Laut seiner Aussage würden Millionen Tonnen gentechnisch veränderte Futtermittel aus Hungerländern Südamerikas nach Europa importiert, dann produziere man hier mit bestehender Problematik von Überdüngung von Böden und Gewässern Unmengen von Molkereiprodukten und Käse, um diese Lebensmittel dann wieder in den USA zu entsorgen. In jenem Land wo die meisten überernährten Menschen leben. Deshalb war es auch nicht verwunderlich, dass er sehr großen Beifall erntete, als er dann noch sagte: „Geht es noch absurder?“. Seine Message war ganz einleuchtend: „TTIP ist Gentechnik durch die Hintertür!“

Musikalisch wurde die Veranstaltung durch die „Blaubeurer Feschtmusik“ eingerahmt, die mit sozialkritischen und humorvollen Texten in ihren Songs glänzten.

 

http://www.ulm-news.de/weblog/ulm-news/view/dt/3/article/41806/imageId/793387#topBlog

http://swrmediathek.de/player.htm?show=aa303160-e5f9-11e4-be78-0026b975f2e6

http://stop-ttip-adi.de/

http://www.swp.de/ulm/bilder/cme1215375,1882065.html

 

 

 

© Corina Wagner, 19. April 2015

https://www.freitag.de/autoren/corina-wagner/demo-in-ulm-gegen-ttip-ceta-und-tisa

 


Ein Geschenk der Götter - Kinopremiere

Wagners Randnotiz

Am 9. Oktober 2014 kommt der Kinofilm Ein Geschenk der Götter in die Kinos. Die Deutschlandpremiere überzeugte...

 

Kinopremiere: Ein Geschenk der Götter im Theater Ulm

Am 26. September 2014 war es endlich soweit. Die Deutschlandpremiere des neuen Kinofilms von Regisseur und Autor Oliver Haffner wurde im Großen Haus des Ulmer Theaters gezeigt. Die Digitalisierung machte das Ganze möglich. Im Dezember 2013 agierte ich bei den Dreharbeiten in Ulm als Komparsin. Ich war das erste Mal in meinem Leben als Komparsin bei einem Kinofilm dabei, umso spannender für mich, als ich die Einladung bekam, den Film vorab sehen zu können. Ich war damals von den Dreharbeiten begeistert, so dass ich darüber ausführlich im Internet schrieb.

(https://www.freitag.de/autoren/corina-wagner/kinofilm-spiel-des-lebens-drehort-ulm)

Zunächst hieß der Arbeitstitel Spiel des Lebens. Nun wird der Film unter dem Titel Ein Geschenk der Götter ab dem 9. Oktober 2014 in die deutschen Kinos kommen. Die Komödie gewann bereits bei dem 32. FILMFEST MÜNCHEN den BAYERN 3 Publikumspreis. 

Katharina Marie Schubert, Adam Bousdokos, Katharina Hauter, Eva Löbau, Rainer Furch, Maik Solbach, Paul Faßnacht, Marion Breckwoldt, Canan Kir und Rick Okon spielen die Hauptrollen. Da der Film zum Teil im Theater Ulm gedreht wurde, wirkten auch während des Films Mitglieder des Schauspielensembles des Ulmer Theaters mit. Regisseur Haffner ist in Ulm kein Unbekannter. Er inszenierte in der Spielzeit 2013/2014 das Schauspiel „In der Ebene“, das im Großen Haus gezeigt wurde. Der Goldene Drache wird nun seine nächste Inszenierung am Ulmer Theater sein. Die Premiere findet im Februar 2015 statt.

Bis ins kleinste Detail könnte man schildern wie diese Kinopremiere im Theater ablief, aber wen interessiert das schon? Ich schreibe ja keinen Artikel für Blöd oder eines der Klatschblättchen wie Die Farbige. Jenen LeserInnen kann ich aber versichern, dass es toll war. Die meisten von den 144 Komparsen, die damals für die Filmszenen ins Große Haus des Ulmer Theaters kamen, waren zur Deutschlandpremiere gekommen. Einige Filmstars, so z.B. Katharina Sauter und Canan Kir waren vor Ort, Produzent Ingo Fliess, Regisseur Oliver Haffner kamen zu Wort, aber auch z.B. Kameramann Kaspar Kaven oder der Herr vom Filmverleih Arsenal, aber auch der Intendant des Ulmer Theaters Andreas von Studnitz.

Inhalte sollten überzeugen und da komme ich schon zum Wichtigsten: Was erwartet die KinobesucherInnen?

Auf jeden Fall eine Sozialkomödie, die viel Humor, aber auch nachdenkliche Momente bietet. Der Film beginnt im Ulmer Theater. Die Schauspielerin Anna Bischoff (Katharina Marie Schubert) verlässt gerade die Kulisse (Bühnenbild der „Tartuffe-Inszenierung), da bittet sie noch während der Vorstellung der Intendant zu einem Gespräch ins Foyer des Theaters. Bei einem Glas Weißwein wird die Schauspielerin mit ekelhaft hübschen Worten gefeuert. Anna verliert ihren Job am Stadttheater und meldet sich arbeitslos. Witzig für alle jene  die den wahren Intendanten des Ulmer Theaters Andreas von Studnitz kennen, denn ihn sieht man dann wenige Sekunden später im Film als „hochmotivierten“, schwäbisch sprechenden Sachbearbeiter im Jobcenter. Herrlich! Unter dem Motto schlimmer geht immer,  nimmt sich sofort die dortige Chefin als begeisterte Theaterenthusiastin und Mitglied im Förderverein spontan Annas Arbeitslosigkeit an.  Auf ihr Drängen übernimmt Anna die Leitung eines Schauspielkurses für acht Langzeitarbeitslose, die eigentlich auf die Teilnahme an einem PC-Kurs warten. Anna soll ihnen währenddessen nun einige Theatertricks beibringen. Dadurch erscheinen diese schwer vermittelbaren Arbeitslosen nicht mehr in der Statistik, sind ein Weilchen mit dem richtigen Körpergefühl und Sprachübungen beschäftigt.  :-) Anna macht dann das Beste aus dieser ungewöhnlichen Situation und will ein Stück einüben. Sie probt mit ihren desillusionierten Schülern das Sophokles-Drama „Antigone“. Trotz gewaltiger Widerstände gegen diese verpflichtende Bildungsmaßnahme entwickelt sich während des Probens aus den acht frustrierten „Einzelkämpfern“ eine eingeschworene Gruppe. Auch als die Mittel für die PCs endgültig gestrichen werden und das Aus für die offizielle Maßnahme erfolgt, gehen die Proben unter privater Eigeninitiative weiter…

Auf die Beschreibung der einzelnen Charakteren verzichte ich, damit es noch Überraschungsmomente für all jene gibt, die ins Kino gehen.

Fazit: Eine Sozialkomödie, die eine Menge Humor, aber auch nachdenkliche Szenen, Gänsehaut-Momente bietet. Ich habe sogar Tränen gelacht. Die lebensnahen Dialoge und einzelnen Charakteren, die machen den Film zu etwas Besonderem. Der Blick auf die Menschen, die in der Gesellschaft unbeachtet sind, durch ihre Lebenssituation ins Abseits gestellt werden, ist meiner Ansicht nach super gut gelungen.

https://www.youtube.com/watch?v=XvfYUXBaF6M

 

http://www.kino.de/kinofilm/ein-geschenk-der-goetter/144234

© Corina Wagner, 3. Oktober 2014

https://www.freitag.de/autoren/corina-wagner/ein-geschenk-der-goetter-kinopremiere

 


TTIP geht uns alle an...

Wagners Randnotiz

TTIP geht uns alle an. Wie bitte? BürgerInnen sollten "mutig" sein und nicht untätig zusehen...

Das Transatlantische Freihandelsabkommen(Transatlantic Trade and Investment Partnership), besser unter der Abkürzung TTIP bekannt, wird seit Juli 2013 von Vertretern der Europäischen Kommission und der US-Regierung ausgehandelt. Das Freihandelsabkommen in Form eines völkerrechtlichen Vertrags soll nicht nur beim Abbau von Zollhürden wirken, sondern die Harmonierung von Regulierungen in Gesundheit, Medizin, Umwelt, Kultur und Lebensmittelsicherheit berühren. TTIP soll noch viel mehr beeinflussen, was je ein multilaterales Handelsabkommen bislang geregelt hat. Das Ganze liest sich zunächst nicht dramatisch. Bundeskanzlerin Merkel wirbt dafür. TTIP stärkt zum Beispiel die deutsche Autoindustrie, so ihre Aussage. Schön, denken viele, die der Kanzlerin und anderen Politikern vertrauen. Allerdings sorgt die mangelnde Transparenz immer mehr für Unruhe und dies aus berechtigtem Grund. Zumal die Verhandlungen zu TTIP von einer Konzern-Agenda bestimmt werden. Das Zauberwort heißt dort „Handelshemmnisse“, um diese abzubauen, sollen Standards von Produkten in Zukunft „gegenseitig anerkannt“ werden. Deshalb wird befürchtet, dass sich zum Schluss nicht die Qualität, sondern der jeweils niedrigere Standard durchsetzen wird. Investor-Staat-Klagen sind nicht schönzureden und darüber sollte man sich dringend Gedanken machen. Ihre Ausweitung wäre eine ernsthafte Bedrohung für die Demokratie. Investoren würden damit die Möglichkeit erhalten, vor undurchsichtigen Schiedsgerichten gegen soziale und ökologische Standards vorzugehen.

Neulich wurde zum Beispiel das Thema Amerikanisches Chlorhuhn in den Medien beleuchtet. Dass keiner nun in der EU befürwortet, will tatsächlich niemand auf dem Teller, ob in Deutschland oder einer der anderen Länder, die den Vertrag unterzeichnen würden. Wenn es bei den Verhandlungen nur um das Amerikanische Chlorhuhn gehen würde, dann wäre ja quasi alles zollfrei in Butter. Ist es aber nicht. Ich hab‘ ein bisschen recherchiert und war auch bei einer Veranstaltung gegen TTIP anwesend.

TTIP betrifft uns Deutsche nicht nur im Bereich des Warenhandels, sondern begegnet uns dann in Zukunft bei:

-          der Teilhabe an öffentlicher Auftragsvergabe

-          bei Patenten und Urheberrechten

-          Nutzung von Land und Rohstoffen

-          Handel und Dienstleistungen

-          Nutzung von Land und Rohstoffen

-          Bildungs- und Gesundheitswesen

-          Kulturelle Dienstleistungen

-          Kommunale und kulturelle Einrichtungen, wenn es

           um Subventionsabbau geht...

-          Veränderung von Verbraucher- und Umweltstandards

-          Regelungen des Tarif- und Arbeitsrechtes

-          Rechte und Arbeitsmöglichkeiten von Immigranten

-          Veränderung von Sozialstandards

-          Liberalisierung der Wasser- und Abwasserwirtschaft

-          Verkehr und öffentlicher Nahverkehr

-          Marktöffnungen für Energie und Transportwesen

Immer mehr Organisationen, aber auch PolitikerInnen, die sich mit dem Thema intensiv befassen, stehen TTIP sehr kritisch gegenüber und deshalb bildet sich nun immer mehr Protest in der Bevölkerung. Es gibt ganz viele Beispiele, die aufzeigen, wie negativ sich der Alltag in Deutschland verändern könnte. Die Verwaltung von Gemeinden könnte u.a. von transnationalen Konzernen fremdbestimmt werden. Wollen wir das wirklich? Der Preis um die deutsche Autoindustrie auf dem amerikanischen Markt zu fördern, ist meiner Ansicht nach zu hoch, den wir für den Abschluss des Vertrags für TTIP alle gemeinsam zahlen würden.

Inzwischen gibt es die Europäische Bürgerinitiative Stop TTIP. Bürger und Initiativen aus ganz Europa werden aufgerufen, um sich daran zu beteiligen. Mit einer europaweiten Unterschriften-Sammlung soll der Protest gegen das Freihandelsabkommen mit den USA deutlich gemacht werden. Diesen Widerstand gegen TTIP wollen nun 148 Organisationen aus 18 Staaten leisten. Eine Anhörung im Europäischen Parlament könnte dadurch erfolgen…

In Ulm veranstaltete die Radio free FM Redaktion „Mut“ für Protest und Partizipation im lokalen Raum am Montag, den 28. Juli 2014 im Club Orange der Ulmer Volkshochschule gemeinsam mit dem Politischen Stammtisch 13 Ulm und Mehr Demokratie e.V. eine Podiumsdiskussion zum Thema „Transatlantisches Freihandelsabkommen (TTIP) – Gefahr für die Demokratie?“. Angedacht war auch eine anschließende Grundsteinlegung für ein regionales Bündnis gegen TTIP, die tatsächlich erfolgte. Das Interesse an der Veranstaltung war enorm, so dass im Club Orange noch aufgestuhlt werden musste. Manche harrten sogar auf dem Flur der Volkshochschule aus, um den geladenen Podiumsgästen zuzuhören. Ca. einhundert Personen kamen, darunter vertreten waren insgesamt 29 Initiativen und Vereine des bürgerschaftlichen Engagements von A wie Amnesty bis W wie Weltladen. Doch auch aus der Politik gab es ZuhörerInnen. Kommunalpolitiker waren gekommen, auch ein Mitglied des Ulmer Stadtrats und ein Mitglied des Landtages.

Thomas Eberhard-Köster, Autor und Mitglied im Rat von Attac kam nach Ulm. Er ist Betriebswirt und Politikwissenschaftler. Er eröffnete den Abend mit einem Vortrag über TTIP und erklärte anhand von Beispielen sehr ausgewogen Vor-und Nachteile der umstrittenen und noch laufenden Verhandlungen. Während des Vortrags hatten die VeranstaltungsbesucherInnen Gelegenheit Fragen auf Karteikarten zu formulieren, die dann später in die folgende Podiumsdiskussion einflossen. Sarah Händel von Mehr Demokratie e.V. Baden Württemberg, aber auch Gabriela Schimmer-Göresz, stellvertretende Sprecherin des Bündnis STOPP TTIP Memmingen-Unterallgäu und Renate und Paul Hartwig, Begründer des Bürgerschulterschluss e.V. kamen zu Wort. Renate Hartwig, die bekannte Aktivistin aus der Region nahm kein Blatt vor den Mund und redete Tachels, was vermutlich vielen im Raum letztendlich bewies, dass TTIP auch im medizinischen Bereich erhebliche Nachteile für Patienten bringt. Sie informierte über die jetzt schon spürbaren Vorauswirkungen der verheerenden Privatisierungswelle, die sich aber durch das Transatlantische Freihandelsabkommen noch vervielfachen würde. Sarah Händel warb während der Veranstaltung für die Europäische Bürgerinitiative Stop TTIP, wie wichtig es ist, dass Bürger ihren Protest zum Ausdruck bringen.

Durch die Veranstaltung führten Gisela Glück-Gross, Initiatorin des Politischen Stammtischs 13 Ulm und Sprecherin der Initiative Grundeinkommen Ulm, und Rudolf Arnold, Radio free FM Redakteur und Moderator. Beide sind auch Gründungsmitglieder der neu gegründeten Redaktion „Mut“. Ein großer Dank gilt beiden, die mit dieser Veranstaltung tatsächlich Mut bewiesen haben, um auf Missstände aufmerksam zu machen, die sich aus der Arbeit der Bundesregierung gründet.

Während der Veranstaltung saßen unter den vielen Anwesenden nicht nur Gegner, sondern natürlich auch Befürworter von TTIP. Es gab deswegen auch Zwischenrufe. Eine Person verließ sogar frühzeitig den Saal. Es war eine Befürworterin des Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA. Schade, dass sie nicht bis zum Schluss ausgehalten hat. Dann hätte sie noch mitbekommen, dass der Grundstein für ein regionales Bündnis gegen TTIP gelegt wurde. Gabriela Schimmer-Göresz stand dafür beratend zur Seite. Kontakte wurden geknüpft. Drei Veranstaltungsbesucher haben sich dazu bereit erklärt, dass sie nun mit den gesammelten Daten und ihrem organisatorischen Engagement ein Gründungstreffen im August initiieren.

Ende dieser Woche wird im Programm von Radio free FM eine Aufzeichnung gesendet. Sie wurde von Klaus Schmidtke, Vorstand der Arbeitsgemeinschaft für freie Medien Ulm/Neu-Ulm – Redaktion e.V., aufgezeichnet. Näheres darüber findet man auf der Homepage des Nichtkommerziellen Lokalradios.www.freefm.de

Die Sendung kann nach ihrer Ausstrahlung dann auch angehört und heruntergeladen werden.

Ich kann an dieser Stelle nur allen Bürgern raten, nachdem was ich jetzt gelesen und gehört habe, sich gegen TTIP auszusprechen und sich an Unterschriftsaktionen zu beteiligen.

Mit freundlichem Gruß

Corina Wagner

 

© Corina Wagner, 30.07.2014

https://www.freitag.de/autoren/corina-wagner/ttip-geht-uns-alle-an


 

Radiosendung ALL INCLUSIVE

Wagners Randnotiz

Heute startet die neue Radiosendung ALL INCLUSIVE bei Radio free FM. Dahinter steckt ein Inklusionsprojekt. Inklusion geht uns alle an...

 

Radioprojekt Funk & Roll – ein Inklusionsprojekt bei Radio free FM

ALL INCLUSICE

 

Ab heute geht in Ulm bei Radio free FM eine neue Radiosendung an den Start, die den Titel „ALL INCLUSIVE“ trägt.

„ALL INCLUSIVE“?

Dahinter steckt das Radioprojekt Funk & Roll, dass von der Aktion Mensch gefördert wird. Dieses Projekt liegt mir sehr am Herzen, zumal ich im Laufe meines Lebens immer wieder Menschen begegne, ob Kindern oder Erwachsenen, die Handicaps vorweisen. Wenn in der Öffentlichkeit über das Thema Inklusion gesprochen wird, kommen selten Menschen zu Wort, die selbst mit einer Behinderung leben oder als Begleiter eines Menschen mit Behinderung fungieren. Das soll sich nun in Zukunft durch das Radioprojekt Funk & Roll ändern. Radio Free FM ermöglicht nun Menschen mit und ohne Behinderung aus ihrer Perspektive zu erzählen. Die Sicht auf Dinge zu lenken, die sie betreffen, die sie wahrnehmen. Sie sind die Experten ihrer Lebenswelt. Für sie spannende Themen werden nun in Zukunft in dieser inklusiven Redaktion aufbereitet und für den Sendebetrieb artikuliert. Unter journalistischer Betreuung entwickelte nun diese neu gegründete Redaktion ein Konzept für den Sendeablauf. Jeder bringt seine individuellen Fähigkeiten in die Redaktionsarbeit mit ein. Ein mobiler Schnittplatz zur digitalen Audiobearbeitung wurde barrierefrei eingerichtet. Die Friedrich-von-Bodelschwingh-Schule stellte einen Raum zur Verfügung. Jugendliche mit Behinderung und Schüler aus anderen Schulen teilen nun gemeinsam die Freude Radio zu machen.

Ziel des Projektes ist es, dass die Redakteure selbständig arbeiten. Für den Start der Sendung bedurfte es einer langen Vorarbeit. Es wurden etliche Workshops durchgeführt. Das Medium Radio ist als Ausdrucksmittel besonders spannend. Hörer von Radiosendungen können lediglich die Stimme des jeweiligen Redakteurs wahrnehmen. Ob behindert oder nicht, spielt „On Air“ kaum eine Rolle.

Wenn eine Sendung gut gemacht wird, dann vermittelt sie nach außen den Zuhörern Kompetenz und Seriosität.

Mein besonderer Dank gilt Projektleiter Andreas Nothwang, der mit viel Herzblut in den vergangenen Monaten dafür gesorgt hat,  damit  heute die erste Sendung über den Ähter geht.

Unter Anleitung und mit journalistischer und technischer Unterstützung von Radio free FM startet ab 16 Uhr die erste Sendung.

http://www.freefm.de/programm/projektplatz/all-inclusive-inklusion-geht-alle-an

 

 © Corina Wagner, 25.07.2014

 

Infos zu meiner Person:

Ich Mitglied bei Radio free FM (www.freefm.de) und im Vorstand der Arbeitsgemeinschaft für freie Medien - Ulm / Neu-Ulm - Freunde & Förderer e. V. tätig.

https://www.freitag.de/autoren/corina-wagner/radiosendung-all-inclusive


Todesschrei der Meerschweinchen

 

Ein Marder ist ein Raubtier und ein Mensch?

 

 

Das Leben ist oftmals verdammt hart, obwohl wir uns in der heutigen BRD (2014) im Gegensatz zu vielen anderen Ländern eigentlich nicht beschweren dürfen, wenn ich zum Beispiel an die Konflikte in Syrien, im Gazastreifen oder in der Ukraine denke. Abgesehen vom Abhörskandal durch die NSA, der viele Deutsche zu tiefst in ihrer Wahrnehmung, in ihrem Empfinden irritiert hat, können viele Deutsche noch ruhig schlafen. Wenn sie nicht gerade zum Beispiel durch Hilfeschreie, dem extremen Lärm von Meerscheinschweinchen nachts geweckt werden. Wenn ein Raubtier sein Unwesen treibt. Doch später mehr dazu. Kennen Sie das, folgendes,  jenes simple Problem? Sie können zunächst nicht einschlafen, lassen den Tag Revue passieren, denken eventuell nochmals über Gott und die böse Welt da draußen nach und schlafen dann endlich ein. Beginnen zu Träumen. Sie tauchen in eine andere Welt ein, träumen vielleicht von Dingen, die sie tagsüber oder am Abend durch Meldungen, Debatten wahrgenommen haben. Je nachdem wie und was sie gehört, gelesen oder gesehen haben, verarbeiten sie nun intensiv im Traum. Sie sehen vor dem geistigen Auge alles ganz deutlich und dies in Farbe. Sie nehmen Gestalten wahr, die sich plötzlich zu Zombies verwandeln, weil sie deren Meinung nicht vertreten. Deshalb muss man nicht gleich zum Psychologen, könnte ich behaupten.

Die wenigsten Träumer, aber auch Hellwache regen sich zum Beispiel über die Buchstabenverknüpfung TTIP auf. Es gibt ganz viele, die verschwenden kaum Gedanken über TTIP, schlafen deswegen auch gut. TTIP soll die größte Freihandelszone der Welt werden. Klingt ja im ersten Moment nicht tragisch. Deshalb auch vermutlich das Desinteresse. Daran beteiligt wären in erster Linie die USA, also das Land, das sämtliche Daten der Deutschen speichert, aber auch die Staaten der EU, Kanada, die Schweiz, Lichtenstein, Mexiko, Norwegen und Island. Hinter dem harmlos klingenden Kürzel "TTIP" (gesprochen: Ti-Tip) steht viel mehr als nur einige wenige Änderungen in den Vorschriften für die Nahrungsmittelproduktion. Es steht für "Transatlantic Trade and Investment Partnership" und wenn das Abkommen so unterzeichnet wird, wie es sich die EU und die USA derzeit vorstellen, droht die leise Entmachtung des Rechtsstaats. Wie bitte? Traum oder Realität? Diese Behauptung, die leise Entmachtung des Rechtsstaats macht nun langsam, allmählich die Runde, kommt mittlerweile in manchen guten, aber auch völlig fiesen Träumen von Deutschen vor. Könnte also praktisch und theoretisch im Schlaf verarbeitet werden. Da kann ein harmlos beginnender Traum in einem Horror-Trip enden. Kaum jemand regt sich darüber auf. Warum auch? Bundeskanzlerin Merkel will mit TTIP die deutsche Autoindustrie retten. Schließlich ist die Automobilindustrie der stärkste Motor der deutschen Wirtschaft. Das Argument: Schlechte demografische Voraussetzungen in Europa zwingen angeblich Deutschland zum Handeln. Aha! Nur Leute wie zum Beispiel Mitglieder von Ökoverbänden oder auch sogenannte Verbraucherschützer haben anscheinend Bauchgrummeln. Vielleicht auch böse Träume, wenn z.B. die USA dann in Zukunft dank TTIP ihre gentechnisch veränderten oder auch mit Hormonen behandelte Lebensmittel nach Europa, so auch nach Deutschland bringen. Leckerschmecker klingt anders, wenn man ernstzunehmende Aussagen nicht ignoriert. KritikerInnen befürchten, dass es so genannte Geheimgerichte ohne Aufsicht geben wird, denn innerhalb von TTIP soll es auch ganz tolle Klauseln zum Investitionsschutz geben. Dadurch wären angeblich die EU-Staaten nur noch der Willkür von Unternehmen und Anwälten aus den USA ausgeliefert. Feine Sache, so finden ZynikerInnen, deren Daten inzwischen schon längst seitens der USA abgespeichert wurden. Deutschland – ein Land mit vielen Möglichkeiten. Und seinen sympathischen Träumern, die sich alles, aber auch alles schön träumen.

In einem Staat wie Deutschland, in dem die gelebte Demokratie herrscht, kann man ja eigentlich auch mit offenen Augen gut schlafen. Im Vergleich zu anderen Ländern geht es den in Deutschland lebenden Menschen offensichtlich ganz gut. Und doch gibt es da einige Ungerechtigkeiten, die das Alltägliche immer wieder aufs Neue negativ beeinflussen. Argumente, die aufzeigen, dass man berechtigterweise kritisch sein kann. Es gibt u.a. dringend Handlungsbedarf auf dem Arbeitsmarkt, der nicht selten durch Märchenerzähler aufgemischt wird. Durch prekäre Arbeitsverhältnisse ist es für manche Menschen absolut nicht leicht monatlich über die Runden zu kommen und jene ArbeitnehmerInnen haben massive Angst vor erneuter Arbeitslosigkeit und Altersarmut. Vielen, denen es finanziell betrachtet wirklich nicht schlecht geht, jammern auf hohem Niveau und sehen nicht die massive Armut zwei Straßen weiter. Sie sind niemals auf der Flucht wegen politischer Verfolgung gewesen, mussten keine Folter erleiden, wie z.B. in anderen Ländern der Erde. Werden voraussichtlich niemals mit dem Stempel Asylant ihren Alltag gestalten müssen. Jammern liegt den Deutschen, mutmaße ich nun einfach.

Haben Sie schon einmal ein Tier gehört, dass aus Todesangst Geräusche macht? Quasi wie ein Mensch um Hilfe schreit, wenn jener sich in Todesangst befindet. Manche Menschen werden auf der Erde dermaßen hinterhältig getötet, so zum Beispiel ganz aktuell beim jetzigen Flugzeugabsturz über der Ukraine, so dass man sich nicht wirklich vorstellen möchte, ob diese Menschen panikartig noch geschrien haben. Keiner genau weiß, was an Board passierte, als das Flugzeug abgeschossen wurde. Ich habe in jener Nacht nach dem Flugzeugabsturz ein unerträgliches Tiergeräusch wahrgenommen. Es war kein Traum, pure Realität. Ein ganz lautes, für das menschliche Ohr dramatisches, panikartiges Quieken, eher ein entsetzliches Schreien nahm ich aus Nachbars Garten wahr. Ich wurde durch dieses intensive Geräusch aus dem Schlaf gerissen, war zunächst völlig irritiert, aber bemerkte sofort, dass da draußen etwas ganz Furchtbares passiert. Meerschweinchen sind hochsoziale Tiere und benötigen unbedingt Kontakt zu Artgenossen. Wer sich mit der Meerschweinchen-Haltung nicht auskennt, sollte wissen, dass Einzelhaltung für ein Meerschweinchen eine Qual wäre, auch wenn sich der Mensch mit ihnen beschäftigen würde. Wäre also so, als würde ein Mensch gegen seinen Willen völlig isoliert in Einzelhaft ohne jegliche Kommunikation sitzen. Warum hörte ich plötzlich jenes intensive beängstigende Geräusch? Drei Meerschweinchen, die sich bislang super wohl in ihrer Umgebung mit Menschen fühlten, wurden ausnahmsweise in der lauen Sommernacht draußen gelassen. Sie blieben in ihrem „Wander-Gehege“, das regelmäßig über die Sommermonate auf der Wiese versetzt wird. Drei Meerschweinchen, die liebevoll von der gesamten Familie umsorgt wurden, blieben in jener Nacht in diesem Gehege. Eine Plane diente als Schutz über dem Gehege. Nachts kam ein Raubtier, schlich sich an. Wie ein Mörder, der töten will. Ein Marder biss zwei der Meerschweinchen tot, das dritte wurde verletzt. Der Schein der Taschenlampe verjagte den Marder. Ein Meerschweinchen nahm das Raubtier als Beute mit. Alles ging sehr schnell und völlig unerwartet im Schutz der Dunkelheit. Feinsäuberlich hatte der Marder den Kopf des erbeuteten Meerschweinchens abgetrennt. Teile der Beute entdeckten wir am nächsten Morgen auf der Straße und unter einem Auto. Ein schlimmer Anblick, wenn man mitfühlen kann. Mardern sieht man nicht unbedingt an, dass sie bei der Nahrungssuche so aggressiv agieren können. Die Todesschreie haben sich in meinem Gedächtnis tief eingebrannt. Und doch muss ich mir eingestehen, dass es Tiere sind.  Es waren in jenem Moment keine Menschen voller Panik und Angst, die ich hörte. Und doch bewirkte dieses Geräusch ganz furchtbare Assoziationen. In jener Nacht starben nicht nur zwei Meerschweinchen durch die Attacken eines Marders, sondern es gab wie jede Nacht den ein oder anderen Mord  irgendwo da draußen durch Menschenhand verursacht.  Der Marder ist ein Raubtier, das da nachts auf Nahrungssuche unterwegs war bzw. in Zukunft sein wird. Man kann dem Marder keine Vorwürfe machen, aber zum Beispiel Menschen, die zu jeder Tages- und Nachtzeit bereit sind -  unschuldige, wehrlose Zivilisten zu töten, weil sie falsche Ideologien vertreten und dadurch zu todbringenden Handlangern werden.

Eine kritische Bürgerin meldete sich zu Wort.

© Corina Wagner, 20.7.2014

https://www.freitag.de/autoren/corina-wagner/todesschrei-der-meerschweinchen


Transhumanz in der fos-bos in Neu-Ulm

Wagners Randnotiz

Die wenigsten Menschen beschäftigen sich mit dem Wort, der Bedeutung von Transhumanz, dabei ist es ein ernstzunehmendes Thema...


Im Januar 2014 schrieb ich bereits einen Artikel über den Wanderphilosophen Stefan Hämmerle.

http://www.freitag.de/autoren/corina-wagner/wanderphilosoph-stefan-haemmerle

Stefan Hämmerle ist unermüdlich im Einsatz um Menschen das Thema Transhumanz näher zu bringen. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass er nun jungen Menschen durch Bildmaterial und Worten aufzeigen will, wie wichtig Transhumanz weltweit ist. Jetzt hielt er einen Vortrag mit dem Titel „Ein anderes Leben“ in der fos-bos in Neu-Ulm.

Hämmerle hat durch das Netzwerk die Ulmer Gestalten z.B. mich, aber auch den Filmemacher und Kameramann André Wachter kennengelernt. Wachter hat u.a. diverse Produktionen in Berlin/Babelsberg sowie in Berlin gemacht, war während seiner Berufstätigkeit an Drehorten in ganz Europa beteiligt. Er war z.B. auch im Produktionsstab der bekannten Fernsehsendung "Wetten Dass" als Frank Elstner und Thomas Gottschalk moderierten, tätig. Bei mehreren Sendungen mit Kurt Felix in "Verstehen Sie Spaß" war André auch aktiv beteiligt. Der gebürtige Berliner hat sich inzwischen in Neu-Ulm niedergelassen und genießt dort seinen „Ruhestand“.  

Stefan und André bzw. Hämmerle und Wachter sind inzwischen ein Team geworden, die jenseits der Sechzig mit vollem Elan agieren. Wachter hat nun das vorhandene Bildmaterial zu einer Zusammenfassung aus mehreren Filmen zusammengestellt, so dass nun Impressionen u.a. aus Spanien, Süd-Tirol, dem Allgäu zu sehen sind. Hämmerle spricht über seine „Pelzmäntel“ auf vier Füßen, wie wichtig Fernweidewirtschaft ist. Ein Dokumentationsfilm über Transhumanz in der Türkei soll auch entstehen und es ist geplant, dass weitere Vorträge in Schulen durchgeführt werden.

Am 16.07. 2014 waren nun beide in der Aula der fos-bos /Fachoberschule und Berufsschule Neu-Ulm.  Schulleiterin Dr. Maike Tholen ermöglichte diese Veranstaltung. Sie war auch vor Ort, hielt sehr souverän Begrüßungs- und Schlussworte. An der Beruflichen Oberschule absolvieren inzwischen jährlich rund 600 junge Menschen ihr Abitur. Die Schule ist auf dem neuesten technischen Stand. Sie wurde innerhalb von vier Jahren für 20 Millionen Euro generalsaniert und umgebaut. Ende Januar 2014 wurde sie eingeweiht. Dort gab es nun laut Hämmerle „ein einmaliges Zeiterlebnis“. Einige Schüler, die dieses Jahr das Abitur gemacht haben und demnächst die Schule verlassen, mussten zuvor unterschreiben, dass sie gefilmt werden. Die Veranstaltung wurde live ins Internet gestellt. Da musste man quasi ruhig auf dem Stuhl sitzen bleiben und durfte nicht einschlafen, denn es war sehr schwül und warm in der Aula. Es hieß dann die ganze Zeit „Hallo, wach!“, so auch für mich. Die Impressionen waren sehenswert, so dass alle Schüler bei der Sache blieben. Bei der Realisierung, der Übertragung ins Netz halfen nicht nur Lehrkräfte wie z.B. Norbert Wartha, sondern die Firma Matrisotto aus Weißenhorn.

Zu Anfang der Veranstaltung hatten sich 27 Personen u.a. aus Spanien eingeloggt, um den Vortrag „Ein anderes Leben“ live mitzuerleben.

Während einer kurzen Pause hatte ich Gelegenheit mich mit zwei jungen Frauen zu unterhalten, die später auch noch ein Gespräch mit Stefan Hämmerle suchten. Sie hakten nach und fragten z.B. wer zu einer Weltkonferenz kommt. Vertreter von Nomaden, die Fernweidewirtschaft betreiben, ob spanischer Schafsbauer oder z.B. Stammesführer eines Indianervolkes, könnte ich jetzt beantworten.

Ich entdeckte auch wieder Neues, da ich schon zwei Vorträge von Stefan über Transhumanz besuchte. In einem Filmausschnitt sah man, dass es in Spanien z.B. eine Ausbildungsalm für Hirten gibt. Diesen Filmausschnitt fand ich sehr interessant, da der Beruf des Hirten nicht nur süße Lämmer bietet, sondern körperliche Herausforderungen darstellt und viel Einsamkeit birgt. Und ein Glockenmacher wurde gezeigt, der bereits in der achten Generation Tierglocken herstellt. Es gibt nur acht Glockenmacher in Spanien. Dieses alte Handwerk ist vom Aussterben bedroht.

© Corina Wagner,  17.07.2014

https://www.freitag.de/autoren/corina-wagner/transhumanz-in-der-fos-bos-in-neu-ulm

 


Radio-Sondersendung zum NSU-Prozess

Wagners Randnotiz

Radio free FM übertrug eine sechsstündige Sondersendung zum NSU-Prozess von Radio LOTTE Weimar. Das Interview mit Thomas Wüppesahl ist empfehlenswert!!!

Sondersendung zum NSU-Prozess - Interview mit Thomas Wüppesahl

Wahrheit, Licht ins Dunkel des NSU-Prozesses zu bringen, eine echte Herausforderung, so mein persönliches Fazit.

Am 28. Mai 2014 übertrug Radio free FM in Ulm eine sechsstündige Sondersendung zum NSU-Prozess von Radio LOTTE Weimar. Das nichtkommerzielle Radio LOTTE Weimar wurde wie auch Radio Lora München via Losverfahren zum NSU-Prozess zugelassen. Berichte werden nun auch allen anderen freien nichtkommerziellen Radios zur Verfügung gestellt. Außer der Berichterstattung über das aktuelle Prozessgeschehen sollte der Fokus auf Personen gerichtet werden, die mittel- und auch unmittelbar mit dem Prozess in irgendeiner Form involviert sind, so z.B. Rechtsanwalt Thomas Bliwier, einem Vertreter der Nebenklage oder Demia Simsek, die Tochter des ersten NSU-Mordopfers. Auch Bundesprecher Thomas Wüppesahl von der Bundesarbeitsgemeinschaft Kritischer Polizistinnen und Polizisten kam zu Wort. Dieses geführte Interview ist meiner Ansicht nach hörens- und empfehlenswert! Ein Untersuchungsausschuss in Baden Württemberg ist dringend erforderlich, damit Missstände in der baden-württembergischen Landespolizei und dem Verfassungsschutz aufgedeckt werden. Knapp 7 1/2 Minuten lang dauert das Interview, das höchst brisant ist und einer breiten Öffentlichkeit nicht vorenthalten werden sollte!

http://mediathek.tagsucht.de/?p=2011

Wahrheit, Licht ins Dunkel während des NSU-Prozesses in München zu bringen, wird absolut schwierig, wenn man Wüppesahls Worte hört. Angst ist ein ganz großes Thema und Vertuschen von Beweismaterial. Der Bundesprecher der Kritischen Polizistinnen und Polizisten nannte in diesem Zusammenhang auch Zeitungsartikel, die sich Interessierte durchlesen sollten.

Schwarzwälder Bote, 13. März 2014

NSU Prozess -  Neue Fragen im Fall Kiesewetter

http://www.schwarzwaelder-bote.de/inhalt.nsu-prozess-neue-fragen-im-fall-kiesewetter.0968eb7e-b1a8-459c-a1f9-304a146ddc33.html

Schwäbisch Schall, 11. Mai 2014

Neonazis, Mordserie und offene Fragen

http://www.swp.de/schwaebisch_hall/lokales/schwaebisch_hall/nsu./art1158703,2606485

Ich bin sehr froh, dass es Menschen wie Thomas Wüppesahl gibt, Polizisten, die Tacheles reden.

Entsetzlich, unzumutbar für eine Demokratie mit dem Mahnmal Holocaust im Rücken, dass es ein solches Ausmaß von braunen Sumpf im Ländle gibt. Und Menschen, die Angst vor Aufklärung haben.

Mit freundlichem Gruß
Corina Wagner

Infos:

http://www.freefm.de/programm/happy-morning/sondersendung-zum-nsu-prozess

http://www.radiolotte.de/

http://mediathek.tagsucht.de/?p=2011

http://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_W%C3%BCppesahl

http://fakten-uber.de/bundesarbeitsgemeinschaft_kritischer_polizistinnen_und_polizisten

 

 

http://www.freitag.de/autoren/corina-wagner/radio-sondersendung-zum-nsu-prozess

 


Märchenoper von Basti Bund - "Vorabhörprobe"

Wagners Randnotiz

Die Märchenoper „Flirr, die kleine Elfe“ von Basti Bund aus Ulm wird ein Erfolg. Das pfeifen nun die Spatzen fröhlich von den Dächern. Die Uraufführung folgt noch...

Märchenoper „Flirr, die kleine Elfe“ von Basti Bund

Wow, so dachte ich gestern, als ich bei Youtube super schöne, feinfühlige Musik hörte, die Basti Bund komponierte. Er hat sie als Vorabhörprobe, Auszüge aus seiner neuen Märchenoper „Flirr, die kleine Elfe" bei Youtube hochgeladen. Es ist eine instrumentale Fassung, die mich total in ihren Bann zog. Man kann über das Sozialnetzwerk Facebook meckern und stänkern, aber durch diese Vernetzung entdeckt man manchmal kleinere und größere Highlights, die vom stressigen oder auch banalen Alltag ablenken.

Ich habe schon einmal über Basti Bund bei Freitag geschrieben, da wurde sein Kindermusical Lilli Langohr in Ulm aufgeführt. http://www.freitag.de/autoren/corina-wagner/lilli-langohr-2013-das-kindermusical

Seine Musik klingt für mich wie Balsam für die Seele. Die neue Märchenoper „Flirr, die kleine Elfe“ schrieb er in nur drei Wochen. Der Termin für die Uraufführung steht noch nicht fest. Ansonsten hätte ich nun an dieser Stelle darauf aufmerksam gemacht. Die Märchenoper in fünf Bildern nach den bekannten Bilderbüchern von Daniela Drescher aus dem Verlag Urachaus wird meiner Ansicht nach großen Anklang bei kleinen und großen Zuhörern finden. Auf seiner Profilseite bei facebook konnte Basti jedenfalls für die Vorabhörprobe gestern dickes Lob einheimsen, so auch von mir. Ein Maulwurf wird übrigens das Publikum bei Laune halten, soviel hat mir Basti schon verraten…

Meiner Ansicht nach wird man auch noch in ca. 150 Jahren diese Musik von Basti Bund spielen, davon bin ich fest überzeugt.

Seine Werke haben großen Wiedererkennungswert und sind ein wahrer Ohrenschmaus…

Auch wenn man den Inhalt der Kinderbücher von Daniela Drescher nicht kennt, kann man in die Welt der Märchen bei dieser bezaubernden Musik abtauchen. Ich empfehle Kopfhörer aufzuziehen, die Augen zu schließen und der Musik zu lauschen:

https://www.youtube.com/watch?v=0IVKPGvkvyI
01 - Der Zug der Tiere zum Prinzen
02 - Der Eichhörnchenbote
03 - Die Abendrotelfen
04 - Es wird Abend im Elfenwald
05 - Die Füchsin
06 - Die Nachtigall
07 - Maus, Maulwurf und Igel
08 - Der einsame Kauz
09 - Flirr ist traurig
10 - Der Sandmann erzählt ...
11 - Endlich zusammen!
12 - Schlusschor "Mittsommernacht!" und Sonnenaufgang
(Quelle: Basti Bund, Youtube-Beitrag)

 

http://www.freitag.de/autoren/corina-wagner/maerchenoper-von-basti-bund-vorabhoerprobe


 

Autorenportraits - Leipziger Buchmesse

Wagners Randnotiz

"Autorenportraits: Bilder von Menschen, die schreiben..." Birgit-Cathrin Duval fotografierte auch mich auf der Leipziger Buchmesse 2014...

Während der Leipziger Buchmesse 2014 fotografierte Birgit-Cathrin Duval für das literaturcafe http://www.literaturcafe.de/ über 100 AutorInnen. Die Journalistin und Fotografin Duval fotografierte nicht nur BestsellerautorInnen, sondern auch Self-Publisher und Hobby-SchriftstellerInnen. Alle wurden vor einem schwarzen Hintergrund fotografiert, so auch ich. Jede Person, die abgelichtet wurde, sollte ihr neuestes Buch mitbringen. Ich hatte mein  Buch Kleiner USB-Stick ohne Anschluss mitgebracht. Es beinhaltet 80 Kurzgeschichten. "Ein Muss für alle, die Satire lieben."

Duval konzentrierte sich während des Fotografierens stets auf das Gesicht der AutorInnen. Keine Ablenkung sollte bei der Aufnahme des jeweiligen Portraits stören! Der Blick der Fotografin war nur auf das Gesicht fixiert.

Duval fotografierte absichtlich mit nur einem Blitz und einem Reflektorschirm. Sie hat die Portraits auch nicht anschließend bearbeitet oder zu Gunsten der AutorInnen retouchiert. Dies gefällt vielleicht nicht jedem, wenn man dann altersentsprechend und tagesformabhängig abgelichtet wird bzw. wurde. Eine echte Herausforderung für diejenigen, die ein Problem mit ihrem Äußeren haben. Ich bin 49 Jahre alt und das darf man ruhig sehen. Ich habe kein Problem mit meinem biologischen Alter.

„Der Autor ist vor dieser schwarzen Fläche das alleinige Thema. Genauso wie sich beim Lesen eines Buches die Buchstaben schwarz auf weiß dem Leser präsentieren. Der Leser ist mit den Worten des Autors alleine. So wollte ich den Autor portraitieren: Vor dem Nichts. Der Autor gibt sich preis. So, wie er seine Worte auf dem Papier preis gibt.“ Zitat Birgit-Cathrin Duval

Leipziger Buchmesse, Bildquelle: Birgit-Cathrin Duval

 Unter folgendem Link kann man den gesamten Artikel lesen, den Birgit-Cathrin Duval über ihre Foto-Aktion verfasste. Ich finde ihn sehr lesenswert.

Die Fotos sind super ...

http://www.takkiwrites.com/autorenportraits/

Und? Was verrät mein Blick? Satire pur, skurrile Kurzgeschichten, ein Hauch von Kabarettistin, eine kleine Andeutung der  nachdenklichen Lyrikerin?

 

 © Corina Wagner, 24. März 2014

https://www.freitag.de/autoren/corina-wagner/autorenportraits-leipziger-buchmesse

 


19.03.2014

Apfelstrudel mit Chilisauce

 

Manchmal darf man Dinge tun, die sind unglaublich…

Frauenkabarett im Theater Neu-Ulm

 

Anlässlich Internationaler Tag der Frau fand bereits am 6. März im Theater Neu-Ulm die Veranstaltung „Apfelstrudel mit Chilisauce“ statt. Das Trio Monika Bothe (Akkordeon), Christa Mayerhofer (Kabarettistin) und Corina Wagner (Sopranistin und Autorin) servierten eine Menge Worte, Musik und Gesang, die das Publikum zu großem Beifall bewegte. Frau Wagner, also ich hatte großen Spaß auf der Bühne, da ich dem Publikum witzige Überraschungsmomente kredenzte, so z.B. unechte Kakerlaken zwischen leckerem Naschwerk auf einem versilberten Kabarett.

Rückwirkend möchte ich gerne auf diese von Humor geprägte Veranstaltung aufmerksam machen und habe einen Text zum Nachlesen einfügt, den ich u.a. im ersten Teil der Veranstaltung vortrug.

Viele Freude beim Lesen!

Corina Wagner

 

http://www.augsburger-allgemeine.de/neu-ulm/Kurzweilige-Witzwundertuete-id29153822.html

 

 

(Text: Wirbel um...)

Heute erreichte mich eine E-Mail von Klugiane Blitzgescheit, der ersten Vorsitzenden des Vereins für angewandte weibliche Intelligenz. Sie bat mich heute Abend ihr Sprachrohr zu sein.

Passend zum Internationalen Frauentag gibt es dezenten Wirbel um Sarrazins neues Buch „Der neue Tugendterror". Die Startauflage liegt angeblich bei 100.000 Exemplaren. Grenzen der Meinungsfreiheit in Deutschland werden von Sarrazin thematisiert.

Toll, wie schön für ihn.

Oder auch nicht. Böse Zungen flüstern inzwischen von "statistikgeilem" Geschreibsel.

Grenzwertig toll. Vielleicht auch bedenklich schön. Wenn man die Entstehung von Statistiken analysiert.

"Wer bestimmt, was gesagt werden darf - und worüber geschwiegen werden muss?", fragt Sarrazin in der Vorschau zu seinem neuen Buch, so konnte ich im Internet nachlesen.

Aha! Eine interessante Formulierung.

Und dank dieser Aussage bestimme ich nun, dass ich heute Abend ohne Bedenken öffentlich sage, dass man Sarrazins neue Buchveröffentlichung rein theoretisch totschweigen könnte und das Buch schlicht und einfach ignorieren kann.

Ich kenne tatsächlich nur die Fakten zum neuen Buch aus den Medien und wenn Sarrazin bei einem Interview behauptet, dass es mehr Männer als Frauen mit sehr hoher Intelligenz gibt, dann gönne ich ihm diese Meinung. Und so kurz nach Fasching kann sich Sarrazin schließlich auch auf Narrenfreiheit berufen.

Eigentlich müsste ich nun dazu aufrufen, dass mehr Frauen an Intelligenztests teilnehmen, aber manchmal ist es ratsamer mit seiner hohen Intelligenz nicht zu kokettieren.

Schönen Abend noch…

Ihre Klugiane Blitzgescheit

© Corina Wagner, 6. März 2014

http://www.freitag.de/autoren/corina-wagner/apfelstrudel-mit-chilisauce


Wagners Randnotiz

Die Unterrichtsstunde von Eugène Ionesco im Theater Neu-Ulm

Bravo! Fernab vom "Alleweltsbrei", den man sonst so heutzutage in kulturellen Einrichtungen geboten bekommt, erlebte ich heute Abend eine sehr gelungene Premiere des Einakters Die Unterrichtsstunde von Eugène Ionesco im Theater Neu-Ulm. Ein echtes Theatererlebnis, ein modernes Drama, herrlich absurd, nichts Oberflächliches. Ein tiefgründiges Theaterstück, das die Zuschauer von Minute zu Minute immer mehr in den Bann zieht. Eine Unterrichtsstunde, die zeigt, was Sprache möglich macht. Wer die Handlung des modernen Dramas kennt, diese 40. Unterrichtsstunde, die tödlich endet, genau wie all die anderen zuvor, wird nicht enttäuscht. Ganz im Gegenteil. Von Schmunzeln über Lachen bis hin zur beklemmenden Gefühlen, die durch Kathi Wolf als Schülerin, Heinz Koch als Professor und Torsten Ibach als Hausdiener erzeugt werden, bietet diese Inszenierung großartige Theaterunterhaltung. „Ich hab‘ Zahnschmerzen!“ wirkt noch lange nach, so auch die Worte zum Publikum. Wenn man gegen Ende des Stücks vom Hausdiener (im Original ein Hausmädchen) aufgefordert wird, aufzustehen. Eine Hymne ertönt. Der Hausdiener verleiht dem Professor, dem Massenmörder, eine Medaille und sagt: „Nehmen Sie das, da brauchen Sie nichts mehr zu fürchten. So ist es politisch.“ Eine Szene, die wie viele andere im Stück ganz stark sind.

Mein besonderer Dank gilt Claudia Riese und Heinz Koch, dass sie dieses Stück in den Spielplan aufgenommen haben. Es ist eine große kulturelle Bereicherung für die Region Neu-Ulm/Ulm.

© Corina Wagner, 28.02.2014


Marcel Kallwass

Wagners Randnotiz

Kritischer Kommilitone soll mundtot gemacht werden…?

 

Quelle: Bild Wikipedia

Das ist ja mal wieder eine Glanzleistung in unserer leistungsorientierten Welt, die ein Fremdschämen möglich macht.
Mut zur Wahrheit wird mit dem Rauswurf an einer Hochschule belohnt. Kurz vor dem Abschluss des Studiums soll man mit Kündigung demoralisiert werden, weil man als kluger junger Mensch Missstände aufgedeckt hat, die dringend geändert werden müssten. Was bedeutet das für die Zukunft? Wer studiert und in Deutschland weiterkommen will, muss es wie die berühmten drei Affen halten, also nur, wenn man auf Kosten anderer, Schwächeren in der Gesellschaft, Karriere machen will.

http://www.morgenweb.de/nachrichten/politik/rauswurf-mit-ansage-1.1381356

Rückblende ins Jahr 2013

Gisela Glück-Gross, sie ist Mitglied bei Radio Free FM organisierte gemeinsam mit Paolo Percoco im Herbst die Plattform Sendung. Gisela Glück-Gross ist aber auch Sprecherin der Initiative Grundeinkommen Ulm.

  „Hartz IV - Widerspruch zwischen Regularien und Gewissen?“, die als Gastspiel im Club Orange in der VH Ulm stattfand. Die Moderation übernahm damals Friedrich Hog und Dorothee Ackerman. Gäste waren:

Inge Hannemann, freigestellte Mitarbeiterin des Jobcenters in Hamburg Altona und engagierte Kämpferin für Menschenrechte
- Renate Hartwig, Publizistin, Autorin und Aktivistin
- Marcel Kallwass, Studierender bei der Bundesagentur für Arbeit

Nachzuhören: http://www.freefm.de/node/16930

Da ich auch Mitglied bei Radio free FM bin und im Vorstand der Arbeitsgemeinschaft für freie Medien – Ulm/Neu-Ulm – Freunde & Förderer e.V. tätig bin, war es mir sehr wichtig bei dieser Veranstaltung damals präsent zu sein. Bevor die Veranstaltung los ging, erzählte mir Gisela, dass sie mit Marcell Kallwass im Vorfeld ein sehr intensives Gespräch führte.  Sie fragte ihn, ob er sich den möglichen Konsequenzen bewusst wäre, sollte er jetzt mit seinem internen Wissen, über die Missstände, die es in den Jobcentern gibt, an die Öffentlichkeit gehen.

Der junge Mann war sich dessen bewusst, was er tat, nahm kein Blatt vor den Mund, redete Tacheles.

Leider ist nun genau das eingetroffen, was Gisela, ich und ganz viele Menschen befürchtet haben. Man hat den unbequemen, kritischen Studenten Marcel Kallwass aus der Hochschule geworfen.

Sehr interessant, so finde ich, sind zum Beispiel Marcel Kallwas Worte während der Plattform-Sendung vom 22. Januar 2014, als er nochmals zu Gast bei Radio free FM war: http://www.freefm.de/node/17830

http://kritischerkommilitone.wordpress.com/2014/01/14/flugblatt-nr-2-widerstand-wird-zur-pflicht/

Marcel Kallwass hat nun keine Aussicht mehr auf einen erfolgreichen Abschluss an der Hochschule der Bundesagentur für Arbeit - das ist nun der Preis, den er für seine öffentlichen Aussagen kassiert: für „Verunglimpfung seines Arbeitgebers“  sowie "Verletzung von Loyalitäts- und Rücksichtnahmepflichten" .

Ich wünsche Marcel Kallwass alles Liebe und Gute für seine weitere Zukunft!

© Corina Wagner, Januar 2014

https://www.freitag.de/autoren/corina-wagner/marcel-kallwass


 

Wagners Randnotiz

 

 

Wanderphilosoph Stefan Hämmerle, eine Ulmer Gestalt

„Das Leben ist ein Kommen und Gehen!“ Wer will da dem Wanderphilosophen widersprechen?

Keine Chance. 'In Ulm, um Ulm und um Ulm herum' - kennt man ihn inzwischen: Den „Transhumanz-Menschen“!

Ich nenne ihn auch gerne Oberhirten, obwohl der sympathische Bayer keine eigene Schafsherde besitzt. Was ihn aber nicht daran hindert als Transhumanz-Botschafter tätig zu sein. Wanderer Stefan Hämmerle kam 2004 nach Spanien, durchreiste das Land von Sevilla bis Compostela und verirrte sich zwischen Salamanca und Zamora. Er war ohne Navi und Landkarte unterwegs. Außerdem sprach er kein spanisch. Riskant? Vielleicht, wenn man sich verirrt, aber der Wanderer, Pilger Stefan aus Bayern traf einen Schäfer mit seinem Enkel. Der Fremde aus Deutschland lächelte sie an, sprach mit „Händen und Füßen“ und bekam eine Menge Herzenswärme zurück. Einige Tage war er dann mit den Beiden und den Schafen unterwegs, lernte die jahrtausendealten Viehpfade kennen und gelangte dann über jene uralten Pfade doch noch an sein Ziel. Dieses Erlebnis prägte sein weiteres Leben. „Die besten Gedanken kommen ihm beim Gehen!“ Nachvollziehbar, wenn man ihm Gehör schenkt.

Aus dem einstigen Groß-und Außenhandelskaufmann wurde nach dieser beeindruckenden Spanienreise ein Buchautor, der aber bis heute auch mit unermüdlichem Einsatz ein Vermittler zwischen der modernen Welt und Transhumanz wurde. 2011 half Pastor Stefan beim Hüten von 12.300 spanischen Schafen (Merino) und 2300 Ziegen, legte gemeinsam mit den Tieren pro Tag zu Fuß ca. 20 km zurück. Insgesamt hüteten fünf Personen zu Fuß die riesengroße Herde, die von drei Reitern und einigen Hunde unterstützt wurden. 800 km wurden bei dieser großen Viehwanderung zurückgelegt. Pastor Hämmerle war 40 Tage zu Fuß mit der Herde unterwegs und diese Tatsache gab ihm auch Impulse für sein weiteres Handeln. In Spanien haben Studien gezeigt, dass eine Herde von 100 Schafen etwa eine Million Samen über Strecken von bis zu 400 km transportiert, bis sie dann abfallen und wieder auskeimen. Zusätzlich werden über den Kot der Tiere unverdauliche Samen bis zu 150 km weitergetragen, bevor er ausgeschieden wird.

Hämmerle bereist inzwischen Kongresse, hält Vorträge, um den Menschen aufzuzeigen, mit ihnen zu debattieren, wie wichtig die Pflege, die Erhaltung der Jahrtausende alte Viehtrieb-Pfade sind. Voriges Jahr war er mit einem Team in der Türkei unterwegs, um dort „wachzurütteln“. Damit in Zukunft auch dort weiterhin Transhumanz betrieben werden kann, diese alte wichtige Tradition nicht ausstirbt. 

https://www.youtube.com/watch?v=OFYQ6uC5Isg

Wenn er nicht gerade für sein Hauptanliegen Transhumanz unterwegs ist, dann ist er als Wanderphilosoph aktiv, so z.B. am 16. Februar 2014 in Krumbach. Krumbacher-Geschita – Mordgeschichta, so lautet der Titel einer gemeinsamen Lesung mit Autor Maximilian Czysz. Zwei Tage später ist er dann in Jebenhausen. Er hat eine Einladung für das Philosophische Café erhalten. „Was ist der Mensch?“, so das Thema dieses philosophischen Abends in gemütlicher Runde mit Gleichgesinnten…

„Mit dem Strom zu schwimmen ist leichter. Doch bedenke, du gehst so leichter unter.“

Zitat Stefan Hämmerle
 

https://www.freitag.de/autoren/corina-wagner/wanderphilosoph-stefan-haemmerle#

http://www.torrobuch.de/index.htm

http://www.swp.de/ulm/lokales/alb_donau/Unterwegs-auf-antiken-Hirtenpfaden;art4299,1779152

http://www.freefm.de/node/16702

http://de.wikipedia.org/wiki/Transhumanz

http://www.augsburger-allgemeine.de/krumbach/Damals-in-der-Stadt-id28003827.html

www.ulmergestalten.de

 

 

https://www.freitag.de/autoren/corina-wagner/wanderphilosoph-stefan-haemmerle

 

 

 


A biß Z

Wagners Randnotiz

A biß Z • Handbuch zur Beseitigung der modernen Ratlosigkeit von Florian Arnold, auch bekannt als Wortknecht bei derFreitag

A biß Z

ist der Buchtitel für ein Handbuch zur Beseitigung der modernen Ratlosigkeit, das ich sehr empfehlen kann, wenn man knochentrockenen Humor liebt. Florian L. Arnold verfasste dieses satirische Nachschlagwerk, das seit 2012 erhältlich ist. Dieses Buch lebt nicht nur von schwarzem Humor, sondern u. a. von wunderbaren Illustrationen, die Arnold selbst illustrierte. Er arbeitet freischaffend u.a. als Zeichner, Illustrator und Schriftsteller.

A biß Z? Wie bitte? Von A wie Abgasflöte biss Z wie Zwiderwurzn. Wer oder was beisst da zwischen A und Z? Der fresssüchtige "Dr. Putzner" etwa, der Lexika-Beiträge aus Groschenromanen herauskopiert? Deshalb bittet vermutlich auch der Autor zu Beginn des Ratgebers dringend darum, alle Beiträge des Kollegen Dr. Putzner zu ignorieren. LeserInnen sollen diese überblättern, da sie sich jeder wissenschaftlichen Grundlage entbehren. Aha!  :-)

Sie wissen noch nicht was „Zwiderwurzn“ ist? Ich inzwischen schon. :-)

Die „Zwiderwurzn“ wird z.B. als „schwärzliche Pflanze“ beschrieben, „die sich gerne in den Körpernischen des Menschen ansiedelt und dort üblen Geruch verbreitet“. Bis ins kleinste Detail wird man in diesem nicht ganz so ernstzunehmenden Nachschlagewerk aufgeklärt. „1695“ wurde „die Zwiderwurzen vom Paläontologen Francois Svavenois, einem Polen mit Wohnsitz in Paris…“

Mehr verrate ich an dieser Stelle nicht. :-)

Ein außergewöhnliches Nachschlagewerk mit absolut sehenswerten Illustrationen, so finde ich, gerade auch wenn man Menschen wie  dem „exzentrischen Wolpertingerforscher Prof. Zwiefacher“ oder dem „hochpeniblen Dr. Sperz“ beim Lesen begegnet. Bei „G wie Geschmack, persönlicher“ z.B. gehen die Meinungen total auseinander. Da behauptet doch der Autor, dass „bemerkenswerterweise viele Menschen zwischen den Augenbrauen nach Zwiebelsuppe oder nach Tomate schmecken“.

Hm, wie werde ich wohl zwischen den Augenbrauen schmecken?, so dachte ich spontan. Keiner hat sich bislang dazu überwinden können, mal kurz zu lecken, um mich aufzuklären.

Im Handbuch zur Beseitigung der modernen Ratlosigkeit A biß Z von Florian L. Arnold „schmeckt Prof. Dr. Werner Zwiefacher“ jedenfalls „nach gar nichts“ und deshalb erforschten der Autor und Prof. Zwiefacher13 Jahre lang“.

Ich war dann über die Forschungsergebnisse sehr überrascht:

 „Insgesamt Siebzehntausend Menschen wurden zwischen Augenbrauen geleckt. Sie alle schmeckten nach etwas. 78 Prozent schmeckten nach Zwiebelsuppe, 12 Prozent nach Tomate, 8 Prozent nach Straßenstaub und Prof. Dr. Werner Zwiefacher schmeckte nach gar nichts.“ :-)

Im Buch A biß Z begegnet man Erlogenem, das witzig, skurril, satirisch formuliert beweist, wie unnütz manche Ratgeber und Erklärungsbemühungen sind und nimmt diese damit humorvoll auf die Schippe.

ISBN: 978-3-939211-46-4

 

http://www.florianarnold.de/

 

Ich behaupte, dass Wortknecht, Florian Arnold eine Wörter-Fabrik des Schwarzen Humors ins Leben gerufen hat, in der er herrlich skurrile Bücher fabriziert. Es gibt noch weitere Exemplare, quasi wahre Zwerchfellatacken wie z.B. Würstelessen mit Aliens.

http://www.florianarnold.de/literatru.html

Florian Arnold lernte ich zunächst flüchtig als freier Kulturjournalist kennen, dann durch ein Ulmer Gestalten-Treffen(www.ulmergestalten.de). Er begegnet mir inzwischen bei vielen kulturellen Veranstaltungen in der Ulmer Region. Er moderiert z.B. mit Theaterchef Heinz Koch gemeinsam das Chaoslesen im Theater Neu-Ulm. Darüber habe ich inzwischen mehrfach berichtet. Ich bin ein Fan dieser Veranstaltung.

Biografie

Florian L. Arnold (Jahrgang 1977) studierte Kunstwissenschaften und Volkskunde mit Abschluss Magister Artium (M. A.)
Seit 1999 gibt es von ihm zahlreiche Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen im In- und Ausland.

http://www.kuenstlerhaus-ulm.de/kunstler/arnold-florian-l/

 

Seine Arbeitsbereiche sind sehr vielfältig in der Kreativbranche angesiedelt:

 

  • Freier Dozent für Grafik und Radierung
  • Freier Zeichner, Grafiker und Schriftsteller
  • seit 2009 - freier Kulturjournalist und Autor
  • Herausgeber "Totpunkt" (Eigenverlag)
  • 2. Vorsitzender Griesbadgalerie Ulm, Produzentengalerie für junge Kunst e. V.

 

http://www.ulmergestalten.de/?p=5087

 © Corina Wagner, Januar 2014

 


 

kunstmedia Thomas Witzke

Wagners Randnotiz

Thomas Witzke arbeitet als freischaffender Künstler in Ulm und gehört wohl zu den kulturellen "Schätzen" in der Provinz...

Ulmer Gestalt Thomas Witzke

Anfang Dezember war ich zu einer Vernissage in Ulm eingeladen, die ich leider nicht wahrnehmen konnte. Thomas Witzke, freischaffender Künstler und Inhaber von kunstmedia, einem Unternehmen für künstlerische Dienstleistungen in Ulm, hatte mich in seine Galerie bzw. in sein Atelier eingeladen.

Er stellt in Zusammenarbeit mit der Frauenklinik der Universität Ulm dort bis zum 19. Dezember seine Fotografien aus. Die Bilderausstellung ulm& alb fries geht dann nach der Ausstellung an die Sammlung der Frauenklinik Ulm. Man wird die Bilder in Zukunft in der Abteilung der Geburtshilfe dauerhaft sehen können.

Ich habe Thomas Witzke durch das Kreativnetzwerk Ulmer Gestalten kennengelernt, zu dem ich auch gehöre. Im Herbst hatte er die Ulmer Gestalten bereits das erste Mal in sein super schönes Atelier eingeladen, dass er manchmal als Galerie nutzt. Dieses Atelier besticht durch seine klare Raumstruktur, bietet eine erstklassige Atmosphäre und ist dadurch bestens für Ausstellungen geeignet. Damals zeigte er uns dort seine eigenen Werke, Malereien, sogenannte Netzwerkfragmente, die nicht nur mich sehr beeindruckten. Alle Bilder sind immer einen Quadratmeter groß, die, wenn sie über die Wände verteilt hängen, wie die Struktur eines Netzwerkes auf die BetrachterInnen wirken. Ob Umspannwerk, Landschaften, Segler oder z.B. technische Geräte – alle Bilder sind gemeinsam wie überdimensionierte Pixel eines Bildrasters zu verstehen.

Seit Anfang der Neunziger stellt Witzke überwiegend im süddeutschen Raum Arbeiten aus, die Fotografien, Rauminstallationen und Malerei zeigen. Im Ulmer Museum findet man seine Werke, aber z.B. auch in der Kunstsammlung des Deutschen Bundestages in Berlin.

Bevor er als freischaffender Künstler arbeitete, studierte er Kunstgeschichte, Volkskunde und Ethnologie in München. Ausbildungen zum Kunsttherapeuten und Mediendesigner folgten.

Er erhielt 1993 den ersten Preis des Kunst am Bau Wettbewerbes der IKK in Heidenheim, 1997 eine Projektförderung der Stadt Ulm, 2006 ein Förderatelier der Stadt München sowie 2012 den Publikumspreis der 20. Triennale des Ulmer Museums.

Freie Kunst, aber auch Auftragskunst entstehen in seinem „kunstmedia atelier“, dem Künstlerbuch-Verlag. Dazu gehören z.B. Kunst am Bau Projekte, die künstlerische Beratung von Unternehmen beinhalten. Unter dem Begriff “kunstmedia edition“ bietet er aber auch Künstlern und Ausstellern die Möglichkeit, dass sie die komplette Produktion von Ausstellungskatalogen in seine Hände legen.

Durch die Herstellung von Ausstellungskatalogen, die in seiner Produzentengalerie „kunstmedia galerie“ entstehen, ist im Laufe der Jahre eine Kunstvermittlung mit einem Portfolio entstanden, das das kreative Schaffen, Arbeiten der Künstler wiederspiegelt. Eine interessante Sammlung, die stetig wächst. http://www.kunstmedia.de/

Gestern war wieder ein Ulmer Gestalten-Treffen, das in der Galerie von Thomas Witzke stattfand, so  dass ich jetzt die Gelegenheit nutzte, um mir noch mit den anderen Ulmer Gestalten, die nicht bei der Vernissage dabei sein konnten, die Bilderausstellung ulm & alb fries anzusehen. Und das Schöne daran war, dass mir der Künstler persönlich zum Gespräch zur Verfügung stand. Thomas erklärte mir z. B., dass die Bilder mit einem speziellen Museumsglas gefertigt wurden. Es gäbe nur eine Firma auf der Welt, die derzeit dieses Verfahren anbieten würde. Diese Fotografien hätte ich am liebsten geklaut, so gut gefallen sie mir. Damit ich nicht zur Diebin werde, habe ich nun ein empfehlenswertes Buch zu Hause. ulm & alb  gibt es praktischerweise in einem Künstlerbuch von Thomas Witzke zu entdecken. „Ein Dialog in Bildern zwischen Natur und Kunst, alter und neuer Architektur, Stadt und Landschaft, Fotografie und Malerei.“

http://www.kunstmedia.de/pdf/ulm+alb.pdf

Dieses Buch ist ein schöner Trost, wenn einem die Bilder gefallen, man sie aber nicht klauen kann. ;-)

 

Ich freu‘ mich schon auf die nächste Ausstellung.

https://www.freitag.de/autoren/corina-wagner/kunstmedia-thomas-witzke#1387411943122344


 

Kinofilm „Spiel des Lebens“ – Drehort Ulm

Komparsin Wagner

Komparsen gesucht! "Warum nicht?", so dachte ich... Einmal hinter die Kulissen sehen...

Derzeit wird in Ulm ein Kinofilm gedreht, der im Herbst 2014 in die deutschen Kinos kommen soll und 2015 im Fernsehen ausgestrahlt wird. Auf der Homepage von if…Productions kann man folgendes über die Film-Komödie „Spiel des Lebens“ nachlesen:

„Aus heiterem Himmel wird der Schauspielerin Anna am Ulmer Stadttheater gekündigt. Eben noch auf der Bühne findet sie sich nun im Jobcenter wieder und steht plötzlich sieben „Hartz IV - Vogelscheuchen“ gegenüber, mit denen sie als verpflichtende Bildungsmaßnahme „Antigone“ einüben soll. Trotz gewaltiger Widerstände formt sich allmählich eine Gruppe, in der verborgene Talente sichtbar werden, Vertrauen keimt und alte Wunden heilen. Am Ende tritt jeder einzelne zurück ins Rampenlicht. Auch Anna die nun endlich eine Hauptrolle übernimmt - in ihrem eigenen Leben.“

Regisseur und Autor Oliver Haffner dreht diese Kinokomödie mit bekannten Darstellern. Davon konnte ich mich nun persönlich überzeugen. Katharina Marie Schubert spielt z.B. die arbeitslose Schauspielerin Anna und Eva Löbau Frau „Schnallenberger“.

Man wird aber auch  Dimitri sehen, der von Adam Bousdoukos dargestellt wird. Ihn kennen viele durch die Filmkomödie Soul Kitchen. :-)

Vor einigen Wochen erhielt ich eine E-Mail, ob ich Lust hätte als Komparsin zu agieren. Klar doch, dachte ich, warum nicht, dann kann man als Laie hinter die Kulissen sehen. Ich wusste, was mich als Komparsin erwarten würde, denn im Ulmer Theater sollte nach dem normalen Spielbetrieb gedreht werden. Gegen 22 Uhr sollten die kontaktierten Komparsen vor Ort sein. Voraussichtliche Drehzeit: 22 Uhr – 6 Uhr.

Es ist heutzutage kein Geheimnis mehr, dass in der Film- Branche Arbeitszeiten von 12-14 Stunden keine Ausnahme sind. Leute, die mit der Branche vertraut sind, wissen auch, dass dies eher die Regel ist. Wer im Film-Team arbeitet, gibt Alles am Set, arbeitet oftmals bis zur Erschöpfung, ob nun z.B. in Funktion des Regisseurs, des Beleuchters oder der Schauspieler. Nicht selten müssen Menschen, die in dem Metier arbeiten, zwischen den einzelnen Jobs auch mal Jobcentern einen Besuch abstatten, um sich arbeitslos zu melden. Dies ist oftmals ein schwieriges Unterfangen, weil diese dann der Willkür von Jobvermittlern ausgesetzt sind.

Die Berufsbezeichnung „Schauspieler“ ist zum Beispiel immer noch nicht geschützt und genaue Arbeitslosenzahlen gibt es anscheinend nicht. Ich habe während Recherchen im Internet gelesen, dass es angeblich ca. 10000-15000 arbeitslose Schauspieler in Deutschland gibt, aber auch offizielle Zahlen von 3000 gemeldeten Erwerbslosen. Aktuelle Daten habe ich im Netz keine gefunden, aber Artikel, die nachdenklich stimmen. Die Gehälter sind auch nicht das Gelbe vom Ei. Nur wer sehr berühmt ist, verdient ganz ordentlich. Und deshalb sollte man als Kino- und FernsehzuschauerIn wissen, dass so ein produzierter Film kein Honigschlecken ist. Da kann eine Szene, die vielleicht im Film nur 3-4 Minuten dauert, dann einen ganzen Drehtag bedeuten. Das Budget für einen Film lässt manchmal nur viel Spielraum für die Liebe zum Beruf. Die Faszination „Leinwand-Atmosphäre“ bietet keine Altersabsicherung. Es sei denn, man gehört zu den Auserwählten in der Branche.

Am vergangenen Samstagabend sollten 200 Komparsen ins Ulmer Theater kommen, 815 Zuschauer finden im Großen Haus Platz. 144 Komparsen erschienen gutgelaunt. Dank sozialer Netzwerke in der Region erschienen Menschen wie ich, die dem Film-Team unentgeltlich helfen wollten, damit der Film ein Erfolg wird. Paolo Percoco, ein Freund, den ich durch Radio free FM kenne, übernahm den Job der Komparsen-Betreuer. Er war auch derjenige, der mich persönlich dazu aufmunterte, mitzumachen.

Ich hatte am Samstag Premiere, da ich das erste Mal als Komparsin agierte, traf an dem Abend viele bekannte Gesichter aus der regionalen Kreativbranche und dies freute mich sehr.

Beim ersten Dreh war ich mit dabei. Da hielten sich noch ein Großteil der Komparsen im Foyer auf, die zum Zeitvertreib ein tolles Buffet zur Ablenkung hatten. Ich saß währenddessen mit den anderen als Publikum im Großen Haus. Ich will nicht bis ins kleinste Detail beschreiben, was alles passierte. Inzwischen berichtete auch die SWP über den Dreh im Theater. Ich trug zu Anfang eine rote Jacke, bin auf dem Bild in der Zeitung zu sehen. Reiner Zufall. http://www.swp.de/ulm/lokales/ulm_neu_ulm/Regisseur-Oliver-Haffner-dreht-im-Theater-Ulm-einen-Kinofilm;art4329,2337032

Später wurden dann die Outfits gewechselt und mehrmals die Sitzpositionen ausgetauscht. Später trug ich eine grünschwarze Jacke.

Produzent Ingo Fliess blieb bis zum Schluss des Drehs, der am nächsten Morgen endete und ließ das Film-Team mit den vielen Komparsen nicht im Stich. Diese Tatsache fand ich sehr sympathisch. Regisseur Haffner wirkte überhaupt nicht abgehoben. Alles ging sehr gesittet zu. Und Regieassistent Flo Stangel hielt uns alle bei Laune. Ein Typ mit dem man Pferde stehlen kann.

Ich war von der Disziplin des gesamten Film-Teams so sehr fasziniert, dass ich bis zum Schluss der Aufnahmen im Ulmer Theater blieb. Ich harrte mit anderen Begeisterten oder auch Verrückten bis 4.45 Uhr aus, dann war der letzte Dreh fertig. Die meisten der Komparsen „opferten“ sich nicht solange für die hohe Kunst des Films und durften nach Hause. Ich sah in jener Nacht zu, wie alle Beteiligten Zunehmens erschöpfter wirkten, aber immer noch hochkonzentriert am Set arbeiteten. Das Team verließ gegen 6 Uhr den Drehort. Am Sonntagabend erhielt ich nochmals eine E-Mail, ob ich Lust hätte zur HfG (Hochschule für Gestaltung) auf den Hochsträß/Ulm zu kommen.  Man hat das Gebäude kurzerhand als Jobcenter umgestaltet. Neulich wurde dort bereits gedreht. Die Augsburger Allgemeine berichtete darüber. http://www.augsburger-allgemeine.de/neu-ulm/Schauspieler-spielen-Schauspieler-id27931102.html

Ich sagte spontan zu. Am späten Nachmittag war ich dann wieder einige Stunden am Drehort. Ich sah z.B. einen Mann, der sich im Gebäude auf eine Bank legte, anscheinend wollte er dort kurz ruhen. Später bemerkte ich erst, dass dies wohl der Schauspieler Paul Faßnacht gewesen sein muss. An mir liefen ganz unspektakulär bekannte SchauspielerInnen vorbei, die überhaupt keine Starallüren zeigten und dies finde ich ganz großartig. Paolo war auch wieder mit dabei. Er kontaktierte gegen 15 Uhr Gisela Glück-Gross, ob sie nicht als Komparsin einspringen könnte. Sie ließ ihre Gartenarbeit ruhen und verwandelte sich ca. zwei Stunden später zur Jobcenter-Sachbearbeiterin. Gisela ist die Vorsitzende der IGU (Initiative Grundeinkommen Ulm), weiß vermutlich keiner des Film-Teams. Ich habe Gisela während eines Workshops bei Radio free FM kennengelernt. Eine taffe Frau, die ich in mein Herz geschlossen habe.  Sie brachte goldene Kronen aus Papier mit ans Set, eine aktuelle Aktion ihrer Initiative. Innen steht: „WENN JEDER SEIN EIGENER KÖNIG IST, MUSS KEINER DER KÖNIG DES ANDEREN SEIN!“ Zitat Michael Sennhauser, Schweizer Radio DRS  http://www.grundeinkommen-ulm.de/wir-%C3%BCber-uns/

Ich lief als Jobcenter-Besucherin in Begleitung eines jungen Komparsen namens Karel durchs Bild. Er ist KFZ-Mechaniker von Beruf. Alle Beteiligten am Set zeigten sich wieder sehr diszipliniert.

Spät abends saß ich dann noch vor dem PC, um an einem Manuskript zu arbeiten, da entdeckte ich eine E-Mail von Flo, dem Regieassistenten. Er schrieb die Komparsen nochmals an, ob jemand am nächsten Tag bei einem Dreh in einer Ulmer Kneipe dabei sein könnte. Ich zögerte keine Minute und sagte zu. Gegen 10 Uhr sollte ich am Drehort sein. Vor der Kneipe „Rosebottle“ stand ein großer Laster für das ganze Equipment. In einer Seitenstraße parkte eine rollende Künstlerkantine, damit die Filmcrew bei den Dreharbeiten nicht verhungert. In der Kneipe wurde auf engstem Raum gedreht, ganz viele fleißige Menschen wuselten herum, die ihr Geld in der Filmbranche verdienen. Ich bekam quasi alles hautnah mit, war ganz dicht dran am Geschehen. Ca. sieben Stunden war ich vor Ort, dann musste ich zu einer Sitzung.

Unter dem Motto: „Ein schöner Rücken kann auch entzücken“, so verbrachte ich stundenlang an einem Tisch. Filmklappe für Filmklappe.  Im Film wird man mich dann in dieser Kneipe nur von hinten sehen, da ich schon zuvor als Komparsin im Bild war. Der Film soll glaubwürdig bleiben. Ich mimte eine Frau, die mit zwei Männern am Tisch sitzt und sich köstlich amüsiert. Und dies stimmt tatsächlich, denn die männlichen Komparsen waren total witzig. Sie lernte ich an diesem Tag kennen.

Bekannte Ulmer Gesichter sah ich auch am Set, so z.B. Andreas Usenbenz von der Klangmanufaktur Ulm. Andreas ist von Beruf Soundingenieur und nahm schon meinen Gesang auf. Ich entdeckte ihn auch beim Dreh im Theater. In der Kneipe war er also auch den ganzen Tag mit dabei, sah zu wie Hauptdarstellerin Anna quasi den neuen Regisseur des Ulmer Theaters unter den Tisch säuft, also sie saßen beide am Dresen und taten so. Filmklappe für Filmklappe. Stundenlang, bis alles perfekt im Kasten war. Ulmer Gestalt Volker Miosga, Fotograf von Beruf, lief mir auch über den Weg. Volker fotografierte mich mit Jens Krijger vor der Kneipe. Beweisfotos für das nächste Ulmer Gestalten-Treffen? Abwarten...

Übrigens weiß ich nun, dass man alkoholfreies Bier, das schon ein bisschen länger im Glas verweilt mit einem Milchaufschäumer wieder in Szene setzen kann. Ich bin sehr froh und dankbar, dass in meinem Glas nur Wasser war. :-) Außerdem weiß ich nun, dass zum Beispiel Schauspielerinnen auf dem Klo in der Nähe des Drehorts keine Selbstgespräche führen, sondern ganz nebenbei laut ihren Text üben.

Fazit: Etliche Stunden Freizeit habe ich nun für die Filmindustrie investiert. Ich konnte hinter die Kulissen schauen und feststellen mit welchen Tricks, aber auch alltäglichen Hindernissen Menschen, die in der Filmbranche arbeiten, beim Dreh zu tun haben. Es steckt verdammt viel Arbeit in einem Kinofilm. Ein Knochenjob mit wenig Schlaf und viel Herzblut.

Chapeau! Das Film-Team hat mich beeindruckt.

 

Info

Drehbuch und Regie: Oliver Haffner
Produzent: Ingo Fliess
Kamera: Kaspar Kaven 
Produktionsleitung: Jennifer Six
Ton: Rüdiger Fleck
Maske: Rebecca Koch
Szenenbild: Christine Bentele, Hannes Hartmann
Kostüm: Christian Röhrs, Juliane Maier
Montage: Anja Pohl
Redaktion:  Ulrich Herrmann

Mit 
Katharina Marie Schubert (Anna)
Adam Bousdoukos (Dimitri)
Canan Kir (Linda)
Rick Okon (Max)
Paul Faßnacht (Franz)
Rainer Furch (Hubert)
Maik Solbach (Alfred)
Marion Breckwoldt (Betty)
Katharina Hauter (Friederike)
und Eva Löbau als "Frau Schnallenberger"


Koproduktion mit dem SWR
Treatment und Drehbuch gefördert von der FFA
Produktion gefördert von der MFG Baden-Württemberg

Quelle: http://www.ifproductions.de/Projekte/Spielfilme/SPIEL-DES-LEBENS

Nachtrag: 6.12.2013

Ergänzung zur Kronen-Aktion

Gisela Glück-Gross hat mir heute geschrieben, dass es die Kronen-Aktion schon lange von www.kroenungswelle.net gibt, die verschiedene BGE-Initiativen nutzen dürfen, um das Thema Grundeinkommen in der Öffentlichkeit bekannt zu machen.

https://www.freitag.de/autoren/corina-wagner/kinofilm-spiel-des-lebens-drehort-ulm

 

Weitere Infos:

http://www.freefm.de/node/17113

http://www.zeit.de/2012/30/C-Beruf-Schauspieler

http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/hungergagen-fuer-schauspieler-manche-filmtiere-bekommen-mehr-geld-a-806727.html

http://www.goethe.de/kue/the/tba/de876715.htm

http://www.swp.de/ulm/lokales/ulm_neu_ulm/Regisseur-Oliver-Haffner-dreht-im-Theater-Ulm-einen-Kinofilm;art4329,2337032

http://www.augsburger-allgemeine.de/neu-ulm/Schauspieler-spielen-Schauspieler-id27931102.html

http://www.ifproductions.de/Projekte/Spielfilme/SPIEL-DES-LEBENS

http://www.klang-manufaktur.de/

http://www.miografie.de/cms/website.php?id=/de/index.htm

 


 

"Breabben Sie Bribier!" im Theater Neu-Ulm

Wagners Randnotiz

Multitalent Walter Baco aus Wien glänzte mit seinem neuen Soloprogramm...

Das Theater Neu-Ulm hatte für die Veranstaltung „Wundertüte“  am 21. 11. 2013 u.a. mit den Worten: „Das ganz außerordentliche Gastspiel!!!“ geworben. Claudia Riese und Heinz Koch hatten den Wiener Multikünstler Walter Baco mit seinem Programm „Breabben Sie Bribier!“ in ihr Theater eingeladen. Kurz-Info zur Veranstaltung:
Walter Bacos neues Soloprogramm nimmt die Welt des Theaters aufs Korn: witzig, literarisch, anarchistisch, mit kabarettistischen Zügen.“

Ich lernte den Wiener Multikünstler Walter Baco im Sommer kennen, als Heinz Koch die Sendung Kulturradio von Radio free FM live in seinem eigenen Theater als Gastspiel in Neu-Ulm moderierte. http://www.freefm.de/node/16499

Am gleichen Abend erlebte ich dann Walter Baco in der Griesbad Galerie bei der Veranstaltung Chaoslesen. Darüber berichtete ich auch bei Freitag. http://www.freitag.de/autoren/corina-wagner/chaoslesen-mit-musik-griesbad-galerie-ulm

Walter Baco ist der typische Beweis für künstlerische Vielseitigkeit, diese drückt sich in seinen Tätigkeiten als studierter Komponist, Autor und Verleger (Verlag Albatros), Regisseur, Hörspielproduzent, Choreograph, Performance-Künstler und Leiter des Carousel Theaters in Wien aus. www.baco.at

Da ist es nicht verwunderlich, dass Walter Baco am diesjährigen Kärntner Monodramenfestival teilgenommen hat. Dort nahm er mit dem Einpersonenstück "Breabben Sie Bribier!" teil. Monodramen kennt man in Westeuropa seltener und dies soll und wird sich nun hoffentlich ändern. Mit seinem neuen Soloprogramm „Breabben Sie Bribier!“ nimmt er die gesamte Theater -Welt auseinander, bohrt mit spitzer Zunge literarisch wertvoll in der Wunde der Eitelkeiten, Hierarchien, beschreibt ganz herrlich satirisch die Gepflogenheiten der Branche, lässt nichts aus. Keiner wird von Walter Baco geschont weder Dramaturgen noch Autoren. Und dies stets im Behandlungszimmer eines Psychologen. http://artistcamp.rebeat.com/store/walter-baco/breabben-sie-bribier/9780308521902/atb781010153-herr-doktor/track.mp3

Dieses wunderbare Einpersonenstück zeigt, was mit der Sprache in der bunten Theaterwelt passiert. Walter Baco überzeichnet, verfremdet typische Attitüden, bietet Stimmungsschwankungen vom Feinsten. Autogenes Training, Entspannungsübungen werden genauso witzig angefasst wie das Streicheln eines Hundes, der nur im Geiste des Patienten existiert. Herrlich absurd das Ganze, aber immer spürt man die Realität in der Theaterluft.

https://www.youtube.com/watch?v=lha7OoCeDDM&feature=youtu.be

Seine Wortspiele sind allerdings nichts für Menschen, die in solch einer Veranstaltung lieber dösen wollen. Das Multitalent kredenzt dem Publikum während des Soloprogramms z.B. auf hohem Niveau Sprachmüll vom Feinsten, wenn Walter Baco Wortfetzen zum Beispiel in Form einer Festrede zum Besten gibt. Hörspielchef Peter Klein vom ORF Ö1 hat über ihn geschrieben:

“...Wobei der Multimediakünstler Baco, durchaus vergleichbar mit Ernst Jandl und Gerhard Rühm, nicht allein den Inhalten nachspürt, sondern durch Überzeichnung und Verfremdung Haltungen, Stimmungen und Mentalitäten bloßlegt...Dass der Schriftsteller und Musiker Walter Baco es als Stimmenakrobat dabei zur Zirkusreife bringt, ist aus Rezipientensicht schlicht als Glücksfall zu bezeichnen...”


Schön, dass dieser Glücksfall gestern das Neu-Ulmer Publikum in seinen Bann zog...

 

 

https://www.freitag.de/autoren/corina-wagner/breabben-sie-bribier-im-theater-neu-ulm

 

Kleine Anmerkung

Ich freu‘ mich auf ein Wiedersehen mit Walter, den ich inzwischen persönlich kennenlernen durfte.

 

 

 


Wagners Randnotiz

Chaoslesen im Theater Neu-Ulm mit Robert Scheel als „Gästebuch“

Wieder einmal fand das Chaoslesen im Theater Neu-Ulm statt, auch wurde wieder ein Gast eingeladen. Dieser Special Guest (AutorIn oder Promi) liest entweder aus eigenen Werken oder aus dem Lieblingsbuch vor. Robert Scheel war gestern Abend das sogenannte „Gästebuch“, das mit spannenden unter sehr interessanten Seiten aufwartete. Auf der Bühne lauerten wieder Bücher verschiedener Genres, die in Rubriken unterteilt sind. Über die vergangenen humorvollen Veranstaltungen berichtete ich bereits ausführlich. http://www.freitag.de/autoren/corina-wagner/chaoslesen-mit-musik-griesbad-galerie-ulm

http://zeitverdichtet.de/?p=19363

Wie immer bestimmte auch am gestrigen Abend das Publikum, aus welcher Sparte Heinz Koch vorlesen musste. Zuvor musste man aber wieder eine Melodie erraten, die Theaterchef Koch auf einer Spieluhr abspielte. Florian Arnold moderierte erneut das Chaoslesen und überzeugte das Publikum mit seinem „knochentrockenen“ Humor. „Zum Brüllen komisch“, so könnte man auch salopp die strenge Überwachung formulieren, die Florian Arnold tätigte, wenn Heinz Koch die Spiele durchführte. Beide liefen wieder zu Hochform auf, da blieb erneut “kein Auge trocken“. Beide harmonieren auf der Bühne, können super improvisieren. Das Buch Roman-Enden (500 letzte Sätze) von Autor Harald Beck sorgte für viel Spaß und trug im Laufe des Abends immer wieder aufs Neue zur Unterhaltung bei. Fortan wünschte sich das Publikum nach einer gelesenen Seite aus einem zuvor willkürlich ausgesuchten Buch, das auch dort jeweils die letzte Seite gelesen wird. Ob nun aus der Schmuddelecke (Sex & Crime) oder zum Beispiel dem Giftschrank (Politisches „Lesegedöns“) nichts wurde geschönt oder ausgelassen. Die letzte Seite wurde rezitiert und deshalb folgten witzige Kommentare, auch eine Menge Gelächter.

Das Gästebuch bot Gänsehaut vom Feinsten. Robert Scheel, Buchautor, Filmeliebhaber undundundund… Horrorspezialist im wahrsten Sinne des Wortes, denn er erzeugt nicht nur durch Worte Gänsehaut, sondern auch durch seine beeindruckenden Ausstellungen. In der Kultur Fahrschule in Ulm hinterließ Robert mit seinem „Kinderzimmer“ künstlerische, tiefgründige Spuren, die nichts für zarte Seelchen sind. http://kunstfahrschule.kulturfahrschule.de/2013/09/robert-scheel/

Robert kenne ich persönlich. Eine Frohnatur aus Berlin. Er gehört auch zu den Ulmer Gestalten. Neulich mussten wir uns bei einem Treffen vorstellen, da sagte er: „Ich kann alles, außer Musik!“ Da musste ich grinsen. Man muss wahrlich nicht alles können und das, was ich bislang von Robert schon gesehen, gehört oder von ihm gelesen habe, macht er richtig gut. Gestern hatte er zum Beispiel auch seinen Debüt-Roman Winterschlaf dabei, der bereits 2009 bei Periplaneta erschien. Alle 12 Illustrationen, so auch die Buchcover-Gestaltung sind von ihm. Zu dieser Zeit lebte er noch in Kaiserslautern. Eine Pressestimme dazu: „Winterschlaf ist ein spannendes, eisiges Fantasy-Märchen ohne Drachen und Zwerge, dafür mit Pinguinen, Krakenmonstern und vielen Filmzitaten. Vom Autor liebevoll illustriert, bietet Winterschlaf schaurige, mitreißende Unterhaltung.“

http://www.amazon.de/Winterschlaf-Geheimnis-einer-roten-Tr%C3%A4ne/dp/3940767182/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1382086271&sr=1-1

In Funktion des Gästebuchs gewährte Autor Robert Scheel Einblicke in seine Biografie, so ist er z.B. auch gelernter Buchhändler, war aber auch schon Mitbesitzer des Literaturcafés „Café 23“ in Kaiserslautern, das damals nicht nur Kaffee oder exotische Tees, sondern auch u.a. Horrorliteratur und DVD-Abende anbot.

Robert las zwei Kurzgeschichten vor, die so schaurig schön beeindruckend sind, quasi auch mit einem Hauch Ironie, so dass sie vermutlich nicht nur bei mir Gänsehaut verursachten. Und deswegen verständlicherweise auch mit viel Applaus belohnt wurden. Wow! "Einzigartig" und "Erdbeerfelder und Vegetarier", so lauten die Titel der Kurzgeschichten.

http://www.theater-neu-ulm.de/cmsroot/archiv-stuecke/wundertuete-do-im-theater/

Beim nächsten Chaoslesen wird übrigens Autor Martin Gehring als Gästebuch dabei sein. Sein neues Buch „Notizen aus dem Oberstübchen“ wurde witzigerweise aus der Rubrik Heimspiel ausgewählt. Heinz Koch weigerte sich spontan die gewählte Seite 99 vorzulesen, so musste der Autor selbst lesen. Er saß als Veranstaltungsbesucher im Theater. Das Publikum amüsierte sich köstlich, lag wohl auch an der Wortwahl jener Seite “Als ob man Quark hören könnte.“ :-)

Das Chaoslesen im Theater Neu-Ulm ist übrigens die neue Geheimwaffe gegen Winterdepressionen. Ich empfehle heute schon die nächste Veranstaltung am 14. November. Aber Vorsicht: Chaoslesen mit Heinz Koch und Florian Arnold kann süchtig machen!

©Corina Wagner, 18. Oktober 2013

http://www.freitag.de/autoren/corina-wagner/chaoslesen-im-theater-neu-ulm

 


 

Wagners  Randnotiz

Chaoslesen im Theater Neu-Ulm

Soll man oder soll man nicht? Verraten wie er war? Jener Donnerstagabend (19.09.2013) im Theater Neu-Ulm (http://www.theater-neu-ulm.de), der nun der Beginn der neuen Reihe „Wundertüte do im Theater“ war. Im Juni gab es bereits einen Probelauf in der „Galerie im Griesbad“, da amüsierte ich mich dermaßen köstlich, dass ich spontan darüber bei Freitag schrieb. http://www.freitag.de/autoren/corina-wagner/chaoslesen-mit-musik-griesbad-galerie-ulm

Ein Grund auch, warum ich nun gestern mit einer Freundin die Veranstaltung im Theater Neu-Ulm besuchte. Die Erwartungshaltung mit der ich dort erschien, wurde nochmals übertroffen. Chaoslesen bietet pure Unterhaltung. Damit der Überraschungseffekt bleibt, wenn man diese Veranstaltung besucht, werde ich nicht auf die einzelnen Spiele und Bücher genau eingehen. Dieses Mal musste man zunächst eine kleine Melodie erraten, bevor man sich ein Buch willkürlich aussuchen durfte. Theatermacher Heinz Kochhttp://www.theater-neu-ulm.de/cmsroot/heinz-koch/ sorgte mit diversem Kopfschmuck und Durchführung der Erkennungsmelodien für sehr viel gute Laune.

Es war ein kurzweiliger Veranstaltungsabend, den auch Ulmer Urgestein Liedermacher Walter Spira ( http://www.walterspira.de/ ) als Special Guest mit großem Unterhaltungswert prägte. Er erzählte Anekdoten aus seinem Leben, las aus seinem Lieblingsbuch vor und sang drei seiner Songs, die das Publikum fesselten. Mein Lieblingslied des Abends:

https://www.youtube.com/watch?v=bMJP0V7VC-o

:-)

Theaterchef Heinz Koch und Moderator Florian Arnold (http://www.florianarnold.de/vita.html) von der Griesbad Galerie (http://www.griesbadgalerie.de/) boten mehr als nur heitere Spiele rund um die Bücher aus verschiedenen Rubriken. Teilweise hatten diese gemeinsam geführten Dialoge Kabarettcharakter und wurden mit Gelächter des Publikums belohnt. Da blieb stellenweise „kein Auge trocken“, wenn sie mit dem Publikum die Spiele vollzogen, die letztendlich dafür sorgten, dass man willkürlich bestimmen konnte, aus welcher Sparte gelesen wurde. Wie immer gab es den Giftschrank: Uaaaaaaaaaaaaaah!

Göttlich, also eher zum Brüllen komisch war Heinz Kochs Rezitation jener Bücherseite aus dem Giftschrank oberhalb der untersten Schublade.

Weitere Termine: http://www.theater-neu-ulm.de/cmsroot/archiv-stuecke/wundertuete-do-im-theater/

© Corina Wagner, September 2013


 

Stand-Up-Comedy

 

„Direkt vom Erzeuger“ -  Stand-Up-Comedy im Cabrio Theater in der Kultur Fahrschule am 07. September 2013

So und nun kann es jeder wissen. Jawoll! Frau Wagner war einer der beiden Special Guests, die bei der Comedy Truppe „Die Erzeuger“ eingeladen wurden. Sie präsentierten am Samstag ihr Best Of. An diesem Abend traten Joannis Vamvakas, Tobias Geyer, Simon Weyh und Frank Bündgens auf und strapazierten die Lach- und Bauchmuskeln. Gitarristen Ludwig und Frank boten Livemusik und dies gemeinsam mit Special Guest Till Man, der das Saxophone beherrscht. Coole Jungs, die für den musikalischen Rahmen sorgten. Ich hatte zweimal à 10 Minuten Zeit, um meine Texte vorzutragen. Ich gründete extra für diesen Abend eine neue Partei und trat als Parteivorsitzende Germania Volksnah auf. Im Gepäck hatte ich mal wieder einen roten Teppich, aber auch einen ganz langen Wollfaden, den ich im Publikum von der ersten bis in die zweite Reihe verteilte. So unter dem Motto, dass keiner den Faden verliert, wenn ich auftrete. Außerdem ging ich mit Präsenten auf Wählerfang. Eine Kette mit einem Stückchen trockenem Brot bekam eine Dame im Publikum. Eine Fahne hatte ich natürlich auch dabei, die ich einer jungen Hand im Publikum anvertraute. Außerdem sang ich zu Beginn das Deutschland-Lied relativ schräg, also verstimmt. Ich habe auch nachgefragt, ob Parteien-Mitglieder im Publikum sitzen. Keiner meldete sich, sodass ich einen Herrn ansprach…

Meine neugegründete Partei kam dermaßen gut an, dass sich nach der Veranstaltung neue Mitglieder verzeichnen konnte. :-) Wer Lust, Muse und Laune hat, kann nun die Kurzgeschichte über die SMPP-Partei lesen, die ich vorgetragen habe.

Lied

Deutschland, Deutschland über alles -  über alles in der Welt, wenn wir an die Wahlen denken, werden wir dann sehr verstimmt? Einigkeit und Recht und Freiheit sind des Glückes lalalala…

(Kurzgeschichte SMPP – Partei)                                

Schönen Guten Abend,

Sie kennen mich noch nicht, dass wird sich jetzt ändern. Mein Name ist Germania Volksnah, habilitierte Brotsuppen-Designerin. Ich brocke quasi gerne ein, was andere auslöffeln dürfen.

Gibt es hier im Raum Parteienmitglieder?

Nein! (Sie haben so ein typisches SPD-Gesicht!)

Bald ist Bundestagswahl und deshalb möchte ich heute Abend die Gelegenheit nutzen und Ihnen die frischgegründete SMPP- Partei vorstellen. SMPP steht für Soziale, Multikulti proklamierende Pipifax Partei!

Werden Sie ganz einfach Mitglied der SMPP! Es lohnt sich wirklich! Sie können mir als Parteivorsitzende bedingungslos vertrauen, duze Bankenmanger und bin grundsätzlich für mehr diplomierte Komiker in der Politik. Nicht immer kann man mir geistig folgen, aber genau das ist meine Stärke, kann auch eine echte Chance für Deutschland bedeuten.

In vier Jahren möchte ich an die Macht und als Kanzlerin gewählt werden. Ich kann Ihnen alles versprechen und auch nichts halten. Besser einen Prolaps im Rücken als einen Kollaps, einen Big Rip im Auge, so lautet unsere Message. Das Ende des Universums gestalten sowieso andere für uns.

Mit uns wird es keine Steuersünder mehr geben. Höchstens Abgaben-Engel!

Zeitarbeitsfirmen – kein Thema mehr! Tempus-Anstellungsbetriebe heißt das SMPP-Zauberwort!

Mindestlöhne sind in Zukunft absolut tabu! Unter uns gibt es nur noch Immerhin-Gehälter.

Datenschutz wird ein substanzieller Programmpunkt sein. Wir haben einen erstklassigen Draht ins Ausland.

Wir schaffen die Altersarmut ab und fördern die allgemeine Greisentum-Spärlichkeit! Jawoll!

Die Kinder- und Jugendarbeit - das Herz unserer Partei. Deshalb gibt es seit vorgestern die Kinderorganisation Jupi – Junge Pipifaxer, die so ähnlich wie Pfadfinder lernen, wie man sich durchs Leben schlägt.

Alle Parteien sprechen von Energiewende. Ganz wichtig im jetzigen Wahlkampf. Alles Augenwischerei! Wenn Sie verstehen, worauf ich hinaus will. Wir bieten Ihnen die Diensteifer-Umwälzung! Keine Energiewende.

Die Zwischenlager-Debatte können Sie endlich vergessen. Verhandlungen über die Aufbewahrung von Brennstäben wird es nicht mehr geben. Wir versenken sie in stillgelegten Schwimmbädern, die in den vergangenen 11 Jahren geschlossen wurden. Über 1100 Standorte stehen in Deutschland inzwischen zu Verfügung. Dann löst sich das Problem von überfüllten Abklingbecken einzelner Kraftwerke von selbst. Orte wie Gundremmingen wären vom verstrahlten Tisch. Ähm… ja…

Werden Sie SMPP-Mitglied! Draußen liegen Flyer für Sie bereit. Gestalten Sie Deutschland mit uns um.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit!

 

© Corina Wagner, September 2013

 

 

 


 

 

"Nazi raus! Nazi raus!" - NPD auf Wahltour

Wahlkampf Gestern wollte die NPD in Neu-Ulm auf Wählerfang gehen. Hunderte Bürger waren gekommen, auch aus der Nachbarstadt Ulm, um dies zu verhindern...

 „Nazis raus, Nazis raus!“

Jetzt in diesem Moment hängt mein Foto vielleicht schon in der Parteizentrale der NPD. Vielleicht wirft man bereits mit Dart-Pfeilen auf mein Gesicht. Muss ich nun Angst um mein Leben haben? Andere BürgerInnen eventuell genauso, die gegen eine Partei sind, die unserer Demokratie schadet…? Wie viel braunes Gedankengut hält eigentlich unsere Demokratie aus?

Kennen Sie das Grauen der Nation schon persönlich? Das aktuelle Grauen im Wahlkampf? Eine Partei, die noch nicht verboten und mit einem Laster des Bösen mit stupidem Gesichtsausdruck auf Deutschlandtour ist? Waren Sie schon bei einem Wahlauftritt dabei? Hat es Ihnen gefallen?

„Nazis raus, Nazis raus…!“ mit diesen Worten wurde gestern (2.9.2013) Anhänger der rechtsextremen NPD begrüßt, als sie in Neu-Ulm Station machen wollten.

Wie viel Aufmerksamkeit soll man denen schenken, die u.a. gegen Asylsuchende hetzen? Die Wahlwerbung auf dem Laster ist eindeutig: Asylflucht stoppen! Im Stadtteil Pfuhl gibt es z.B. ein Asylanten-Wohnheim. Was werden wohl diese Menschen denken, wenn sie die Wahlplakate der NPD vor ihrer Haustüre hängen sehen? Ich hätte Angst, wenn ich wüsste, wie gewaltbereit die Nazis sind. Hier in der Region leben viele Ausländer und dies ist gut so, wie es ist. Was wollen die Nazis hier? In der Heimat der Geschwister Scholl?

Wie unterbelichtet muss man eigentlich sein, wenn man Mitglied dieser Partei ist oder diese wählt? Hass spielt eine Rolle. Intellekt? Manche sollen Abitur haben, da muss irgendwie im Hirn eine "Hitlergedöns-Fehlschaltung" sein, ob die vererbt wurde, müsste man in einer Studie analysieren. Warum haben Menschen aus unserer Nazi-Vergangenheit nichts gelernt? An der Schulbildung kann es nicht unbedingt immer liegen, wenn man Nazi wird. Am Umfeld? Einige Fragen konnte man diskutieren, als man auf den Laster der Nazis wartete. Fakt am gestrigen Tag war, dass Mitglieder, Werbeträger der NPD auf dem Neu-Ulmer Rathausplatz aufmarschieren wollten. Gegen 17 Uhr sollte das rechtslastige Spektakel beginnen. Da standen aber zunächst Fahrzeuge des städtischen Bauhofs schön platziert herum, eine angemeldete Ausstellung. Coole Idee!  Die Fahrzeuge mussten allerdings gegen 16.30 Uhr stellenweise weichen, weil der Petrusplatz wegen Sicherheitsbedenken von den Nazis nicht genutzt werden durfte. Da feierten fröhlich die Neu-Ulmer Stadtratsfraktionen, die dort gemeinsam mit Neu-Ulmer und Ulmer Bürger ein Zeichen gegen Rechts setzen wollten. Liedermacher Walter Spira, ein Ulmer Urgestein trug dort zur musikalischen Unterhaltung bei. Politiker reden, auch OB Noerenberg. Ich sah und hörte nichts, da ich auf dem Rathausplatz ausharrte und mich mit Bekannten köstlich amüsierte. Zunächst war ich gegen 16.25 Uhr aber auf dem Metzgerplatz. Über Facebook wurde ich am Morgen informiert, dass dort eventuell die Nazis Dummschwätzerei betreiben dürfen. Ich traf dort aber Leute vom DGB, die dort Banner positionierten. Sie hatten zu einer weiteren Gegendemonstration gegen Rechts aufgerufen und dies gemeinsam mit der Initiative "Ulm gegen Rechts".
Ich lief zum Rathausplatz, dort begannen dann die Vorbereitungen für die Werbeveranstaltung der Nazis. Absperrgitter wurden aufgebaut. Polizisten waren im Einsatz. Einige habe ich angesprochen, um auch an Infos zu kommen. Dann kamen immer mehr bekannte Gesichter zum Rathausplatz, Freunde, Bekannte, so auch Kommunalpolitiker. Da waren sich alle hiesigen Politiker absolut einig, dass die NPD hier nicht erwünscht ist. Viele junge Menschen waren gekommen, die ganz easy und friedlich warteten. Eine ganze Weile stand ich unter einer Attac-Fahne, weil ich den Fahnenträger kannte. Wir führten gelungene Gespräche und es war keine Sekunde langweilig. Die Polizisten übten derweil verschiedene Positionen. Sie wurden stets beobachtet, weil man ja schließlich wissen wollte, auf welche Zufahrtsstraße man sich setzen muss, wenn der Laster des Bösen mit stupidem Gesichtsausdruck auftaucht. Stupide Gesichtsausdrücke sah man tatsächlich, denn einige Anhänger der rechtsextremen Partei waren vor Ort. Naja, sie taten so, als würde man sie vielleicht nicht erkennen.

Ich fragte einen jungen bayerischen Polizisten, ob es teuer werden würde, wenn ich mich auf den Boden setzen würde. Er meinte es würde sehr teuer werden. Kein Wunder dachte ich mir, dass man wahrscheinlich für mich zwei, drei Polizisten benötigen würde, um mich wegzutragen. Ich wiege heutzutage nicht mehr 49 Kilo. Viele interessante Menschen aus der Ulmer Region waren von Anfang an mit dabei und warteten, so auch zum Beispiel die Vorsitzende von IGU. Sie stattete mich mit „Lärmmacher-Mitteln“ aus. :-) Wir haben uns neulich bei einem Workshop bei Radio free FM kennengerlernt. Wir warteten und warteten, keine Langweile kam auf. So gegen 18.20 Uhr kamen dann die Demonstranten vom Petrusplatz zum Rathausplatz, um abzuwarten, was passiert. Dann sickerte es durch, dass die Nazi eine Fahrzeugpanne hatten und sich deshalb verspäten. Sie waren zuvor in Aalen gewesen. War das NPD-Tragik? Wollte uns der Abschaum des Grauens durch die Warterei zermürben? Nee…oder? Bis 20 Uhr hatte die NPD die Genehmigung, um auf dem Rathausplatz ihre Hetzreden zu zelebrieren. Die Zeit wurde langsam knapp. Das freute sehr. Zwischenzeitlich immer wieder lockere Gespräche in friedlicher Umgebung. Die Politzisten standen weiterhin in Gruppen und harrten aus. Doof, wenn man die ganze Zeit stehen und abwarten muss. Dann sollten ca. zwanzig gewaltbereite Antifa-Mitglieder vor Ort sein. Es wird bei solchen Ereignissen immer gewaltbereite Menschen geben. So etwas kann man nicht ausschließen, da muss man gut beobachten. Schon längst stand in der Ludwigstraße ein Krankenwagen für den Fall der Fälle. Dann gab‘ es sogar einen Moment Romantik pur. Ich halte mit einer Frau ein Gespräch, sie habe ich bestimmt schon 10 Jahre nicht mehr gesehen. Direkt neben mir steht ihre  erwachsene Tochter, sie ist sehr hübsch. Ein junger Mann geht auf sie zu und spricht sie an. Ich bekomme dies Anmache quasi hautnah mit: „Ich hab‘ Dich die ganze Zeit beobachtet, Du hast ein unheimlich hübsches Lächeln. Ich würde Dich gerne kennenlernen!“ Die Tochter ist perplex, grinst dann. Ich denke „wow“, greife instinktiv am Arm der Mutter und wir zwei Frauen rücken ein Stückchen zur Seite. Ich frage sie leise: „Ist sie Single?“ und sie antwortet mit „Ja, aber er ist nicht ihr Typ!“ Wir zwei Frauen lachen und zeitgleich wird es total unruhig. Das lange Warten hat ein Ende, gegen 19 20 Uhr ist NPD-Laster in der Nähe. Alles geht jetzt rasant schnell. Der Laster wird über die Ludwigstraße zum Rathausplatz kommen. Ich sehe den jungen Mann nicht mehr, auch nicht Mutter mit Tochter im Gedränge. Wir begrüßen den Laster mit Pfeifkonzerten. „Nazis raus! Nazis, raus…!“ Binnen weniger Minuten sitzen schon die ersten Demonstranten auf der Straße und blockieren die Zufahrt. In der Menge stehe ich und protestiere gegen den NPD-Aufmarsch. Ich mache gewaltig Lärm. Die Polizei hält uns zurück, damit sich nicht weitere Demonstranten auf die Straße setzen können. Neben mir steht eine Gruppe junger Menschen und diese rufen gemeinsam im Sprechgesang: „Eure Kinder werden, so wie wir!“. Es gibt Gelächter in der Menge.  Inzwischen stehe ich hinter einer Fahnenträgerin der Grünen. Sie ist sehr groß und verdeckt die Sicht vor mir, aber ich sehe den Laster des Grauens mit stupidem Gesichtsausdruck in voller Größe. Niemand steigt aus. Die jungen Polizisten kann ich genau beobachten, da ich in zweiter Reihe stehe. Ich habe, dass Gefühl, dass sie froh sind, wenn alles vorbei ist. Sie machen ihren Job gut und bis jetzt gibt es nichts zu meckern, zu stänkern. Alles verläuft friedlich. Genau hinter mir brüllt plötzlich ein junger Mann: „Haut ab Ihr Arschlöcher!“ Ich drehe mich um und sage: „Na, na, wie unhöflich!“ Neben mir steht ein Mann mit Puschel und Aufnahmegerät in der Hand. Er ist für einen kommerziellen Sender unterwegs. Er dreht sich auch um und sagt dann: Es heißt auch nicht: "Du Arschloch!, sondern Sie Arschloch!“ Und dann: „Ich meine nicht die Polizisten.“ Ringsherum lacht alles, auch die Polizisten grinsen. Dann erfolgen wieder Sprechgesänge wie z.B. „Nazi raus! Nazi raus…“ plus zusätzlichem Lärm der Demonstranten. Ca. 10 Minuten vergehen. Die Polizei hat alles unter Kontrolle, aber die Demonstranten blockieren weiterhin die Straße. Nach weiteren fünf Minuten legt der Lastwagenfahrer den Rückwärtsgang ein. Großer Jubel bricht aus. Alle freuen sich. Keiner weiß genau, wo die Nazis nun hinfahren, aber die Kundgebung war zumindest hier auf dem Rathausplatz in Neu-Ulm nur bis 20 Uhr genehmigt. Das lange Warten hat sich gelohnt. Jawoll!

Ich habe übrigens keinen der NPD-Mitglieder gesehen. Naja... auf diese Visagen kann man wohl gutgelaunt verzichten...

© Corina Wagner, September 2013

https://www.freitag.de/autoren/corina-wagner/nazi-raus-nazi-raus-npd-auf-wahltour#1378282621634170

 


Wagners Randnotiz

Ein Rückblick auf die Veranstaltung „Chaoslesung mit Musik“ am 19. Juni in der Griesbach Galerie in Ulm, da mal wieder die Presse nicht vor Ort war. Schade, denn an Qualität mangelte es nicht. Ganz im Gegenteil. Langsam mutiere ich zur Berichterstatterin im Dauereinsatz, weil es mich ärgert, wenn es bei bestimmten kulturellen Veranstaltungen an Medienpräsenz fehlt.

„Chaoslesung mit Musik“, so der interessante Titel einer Veranstaltung während der Literaturwoche in der Griesbad Galerie in Ulm, die in Kooperation mit dem Theater Neu-Ulm erfolgte. 

Auf der Homepage der Griesbad Galerie konnte man anhand der Einladung in etwa erahnen, was man erwarten könnte: „Ein literaturzentriertes, anregendes, lustiges ‚Format‘ mit etlichen unkonventionellen Spielideen…“ und als Gast war Walter Baco aus Wien eingeladen. Ein sympathischer Künstler, der seine kreativen Spuren in Ulm eindrucksvoll hinterlassen hat, wenn man das große Vergnügen hatte, so wie ich und die anderen VeranstaltungsbesucherInnen ihn in Funktion als Autor, Performer und Musiker zu erleben. Baco studierte Komposition an der Wiener Hochschule für Musik und schreibt Bühnen und Filmmusik. Der diplomierte Komponist bietet kreative Vielfalt, so ist er auch Theatermacher, Regisseur, Choreograph und als Verleger tätig. Heinz Koch vom Theater Neu-Ulm und Florian Arnold von der Griesbad Galerie setzten gemeinsam ein literarisches Konzept um, das mit einer Menge Humor aufging. Für eine musikalische Umrahmung mit Jazz-Elementen und „Wünsch-Dir-Was-Musik“ am elektronischen Piano war dank Arnolds Vater bestens gesorgt. Ein Musiker, der auf Zuruf Melodien sofort spielen kann, so wie meine Mutter. Herrlich!

Eigentlich sollte man nicht zu viel verraten, da weitere Veranstaltungen dieser Art in der Griesbad Galerie geplant sind. Das Publikum bekam die Gelegenheit mitzubestimmen, was gelesen wird. Man durfte quasi „blind“ aussuchen, die Seitenzahl bestimmen und dies war sehr abenteuerlich. Ein sogenannter Giftschrank mit Lektüre wartete wortwörtlich auf ahnungslose ZuhörerInnen. Man könnte ihn auch als die Hölle von abgedruckten Wörtern bezeichnen. Eine Auswahl von Büchern vom Flohmarkt, die in einer Tasche lauerten, einen Koffer mit Büchern von Autoren aus der Region, eine Bücher-Nische, also eher Fensterbank für den Hausherrn boten eine Menge Unterhaltungswert. So rezitierte Florian Arnold aus seinem Buch A biss Z, dem  Handwörterbuch zu modernen Ratlosigkeit, das ich nur jedem empfehlen kann, wenn man sich beim Lesen köstlich amüsieren will. Seine Illustrationen sind echte Hingucker.

Heinz Koch moderierte mit viel Esprit das Chaoslesen und las auch aus den von den Veranstaltungsbesuchern ausgewählten Büchern Textpassagen vor. Ein spannendes Unterfangen, da man vorher nie weiß, welche literarischen Ergüsse man nun hören darf oder muss. Zwischendurch gab es immer wieder Musikstücke und Gast Walter Baco zeigte einen Einblick in sein kreatives Schaffen, das mit viel Applaus belohnt wurde. Er performte u.a. aus seinem Roman ‘Die Nirwana Connection’ und dem Gedichtband 'Die Zöglinge der Schwerkraft': „Das Weltbild passt gut ins Vorzimmer, auf die Ablage, so wird die Einsicht verstaut. Die leicht gekrümmte Wahrnehmung findet im Kofferraum Platz, alles andere landet im Handschuhfach, bitte gut absperren! Für größere Pannen wird das Reserverad herangezogen und die heilige Drei-Einigkeit, das Pannen Dreieck. Wir lassen uns abschleppen, zahlen die Maut, im Urlaub soll man nicht sparen, wozu arbeiten wir das ganze Jahr, mit unseren Zellen?“

Ganz wunderbar war auch Bacos ganz persönliches Bonbon für die VeranstaltungsbesucherInnen. Spontan wurde er gefragt, ob er auch die Seite des Musikers, des Komponisten zeigen könne und dies tat er dann auch. Ein Vollblutmusiker verzauberte.

 

http://www.griesbadgalerie.de/literaturwoche-ii-walter-baco

http://www.theater-neu-ulm.

http://www.florianarnold.de/

http://kulturag.heimat.eu/vollversion.html

© Corina Wagner, 20. Juni 2013

https://www.freitag.de/autoren/corina-wagner/chaoslesen-mit-musik-griesbad-galerie-ulm

 


Veranstaltung FINISSAGE & LITERATURABEND "SPITZZÜNGIG!"  17. Juni 2013
Griesbad Galerie in Ulm
Einige Worte zur gestrigen Veranstaltung FINISSAGE & LITERATRURABEND „SPITZZÜNGIG!“ in der Griesbad Galerie, da leider niemand von der Presse vor Ort war.
Einen kurzweiligen und sehr vergnüglichen Abend bot sich mir am Literaturabend in der Griesbad Galerie, die mit gelungenen Blickfängen der Künstlerin Angelika Brackrock aufwartete.
Ganz besondere Blickfänge bot bzw. bietet die gelernte Goldschmiedin Angelika Brackrock mit ihrer Ausstellung „Schöpfungen“, die sehr sehenswert ist und nun in der Griesbad Galerie zu Ende geht. Brackrock gehört mitterlweile zu den herausragenden Papier-und Textilkünstlern.
Aus einfachsten Materialien wie z.B. Draht, Pappe oder auch Vliesstoffen aus dem Gartenbedarf und Abdeckstoffen aus dem Malerhandwerk gestaltet sie ihre Kunstwerke, die sehr filigran wirken. Absolut faszinierend, dass sie aus Wegwerf-oder Recyclingmaterialien so lebendige Objekte zaubert, die an Korallen in der Unterwasserwelt erinnern.
Florian Arnold moderierte mit Schmunzelfaktor sehr souverän durch den Abend. Er hatte auch den lyrischen, also absolut richtigen „Riecher“ für den aus Pforzheim angereisten Autor und Lyriker Marcus Nickel, den Arnold in Leipzig kennenlernte und ihn zum Literaturabend als Lesenden einlud. „Spitzzüngig!“ stand auf dem Programm und dies gelang allen Mitwirkenden, die ihre spitze Zunge absichtlich nicht in den Griff bekamen. Der Weißenhorner Autor Josef Feistel zog das Publikum in seinen Bann, da der studierte Pädagoge mit allerhand mitgebrachten Utensilien wie z.B. Künstlerschal, Tischtaschenrechner und uraltem Kassettenrecorder scharfzüngigen Unterhaltungswert vom Feinsten zeigte. Mit kleinen feinen Nadelstichen traf er in den Nerv der Zeit. Der Ulmer Performer, Redakteur und Autor Paolo Percoco glänzte mit skurrilen Kurzgeschichten aus der Science-Fiction-Szenerie, die stellenweise mit lautem Gelächter belohnt wurden. Ihr schauspielerisches und sprachliches Können zeigte das seit vielen Jahren in der Ulmer Region bekannte Duo Elvira Lauscher und Jörg Neugebauer mit ihrem „Wortkunstlauf“. Sie präsentierten einen kleinen Ausblick auf ihr kommendes Programm, das man ab Herbst u.a. mit Krimielementen sehen kann. Und darauf kann man sich freuen. Das eingespielte Team garantiert im Doppelpack, also quasi mit Doppelzüngigkeit für beste Unterhaltung. Mit lang anhaltendem Applaus wurde die gesamte literarische „Züngelei“ belohnt.
;-)

© Corina Wagner, 18. Juni 2013


Wider den Ungeist - Lesen, was verbrannt wurde!

Resümee

9. Mai 2013

Das Theater Neu-Ulm öffnete die Tür für eine wichtige Veranstaltung. Der Eintritt ist sogar frei!

Sehr sozial! Für Schüler und Studenten hervorragend geeignet. Für Pädagogen auch.    

Feiertag, Vatertag, frei!

An diesem Abend wurde an das Jahr 1933 in Deutschland erinnert. Vor 80 Jahren wurden öffentlich Bücher verbrannt. Die Bücherverbrennung wurde zum Symbol eines Wandels in der damaligen Literaturpolitik. Zunächst gab es provisorische schwarze Listen, die genau aufführten, welche Bücher beseitigt, vernichtet werden sollten. Außerdem wurde aufgeführt, welche Autoren nicht mehr im Dritten Reich akzeptiert werden.

Der offizielle Verbotsindex der Reichsschrifttumskammer löste später die schwarzen und grauen Listen ab. Die erste Auflage im Jahre 1935 enthielt „3601 Einzeltitel und 524 Gesamtverbote“.

1938 erschien die zweite Auflage und diese Liste enthielt noch mehr schädliches und unerwünschtes Schrifttum: „4175 Einzeltitel und 565 Gesamtverbote“. Ca. 2500 Autoren wurden durch die Nationalsozialisten dazu gedrängt ihre Arbeit massiv einzuschränken. Viele verließen Deutschland.

Das Recht der freien Meinungsfreiheit wurde dank Hitler abgeschafft.

Worum ging es bei der Veranstaltung „Wider den Ungeist-Lesen, was verbrannt wurde!“?

Eine Patenschaft für eine der 2500 Autoren zu übernehmen und stellvertretend über ein/e AutorIn zu berichten und Texte zu lesen. Ein Original-Tonaufnahme der Bücherverbrennung wurde außerdem zu Beginn abgespielt.

Es ging in dieser Veranstaltung nicht nur darum - irgendwelche Texte von bekannten oder weniger bekannten AutorInnen zu rezitieren, sondern ein Zeichen gegen Rechts zu setzen.

80 Jahre nach der Bücherverbrennung sollten wir froh und dankbar sein, dass in Deutschland immer noch Meinungsfreiheit herrscht. Im Jahre 2013 gibt es genügend Beispiele auf der Welt, die dank Nachrichtensender zeigen, dass Meinungsfreiheit nicht überall möglich ist. Viele Intellektuelle werden weggesperrt oder getötet, wenn sie Tatsachen aussprechen oder niederschreiben, die für „moderne“ Machthaber unbequem sind.

Ich habe übrigens über das Leben von Else Lasker-Schüler berichtet und einige ihrer Texte rezitiert. Sie erhielt z.B. 1932 den damals wichtigsten Literaturpreis, den Kleist-Preis für ihr Gesamtwerk. Außerdem sang ich das jüdische Lied Papir ist doch waiß.

 „Die höhere Mathematik“ von Alfred Polgar, die Theaterchef Heinz Koch u.a. vorlas, war sehr beeindruckend.

An diesem Veranstaltungsabend habe ich etwas Interessantes festgestellt. Ulm nennt sich Wissenschaftsstadt und Neu-Ulm darf sich als Hochschulstadt bezeichnen. Tja! Und ich agierte aktiv bei einer öffentlichen Veranstaltung im Theater Neu-Ulm, die wahrlich mehr Aufmerksamkeit in der Region verdient hätte. Großes Lob an das Team vom Theater Neu-Ulm! Daran hat es nicht gelegen.

Heute stand ein riesengroßer Artikel über die Bücherverbrennung in der SWP. Hm!

Von der SWP erschien niemand im Theater Neu-Ulm, aber von der Augsburger Allgemeinen. Und? Mal sehen, denn die Quote… macht‘s.

Wahrscheinlich lag es daran, dass ich z.B. nicht Cindy von Marzahn heiße und Heinz Koch nicht Mario Barth. Denn dann wäre die Hütte voll gewesen. Wo waren all diejenigen Menschen, die viel Wert auf Meinungsfreiheit legen…  und ja eigentlich auch gegen Nazis sind…

Äh…

Für alle, diejenigen, die es interessiert, was ich an diesem Abend erzählte und rezitierte:

Ende 2010 sah ich mir im jüdischen Museum in Frankfurt eine Ausstellung über Else Lasker-Schüler an, die mich damals sehr beeindruckte.

Else Lasker-Schüler war Schriftstellerin, Dichterin und auch Malerin. Sie darf man wohl als sprachmächtigste Lyrikerin des 20. Jahrhunderts titulieren.

Else Lasker-Schüler gilt heute als herausragende Vertreterin der avantgardistischen Moderne und des Expressionismus.
Else Lasker-Schüler entwickelte ihre eigenständigen, sehr einzigartigen Zeichnungen, Collagen oder Briefzeichnungen bzw. handkolorierte Lithografien. Sie bemalte u. a. auch Postkarten..
Ihre Arbeiten sind von Jugendstil, Expressionismus, Futurismus und auch Dada geprägt. Anfangs noch vom Jugendstil sichtbar beeinflusst, wurde sie im Laufe der Schaffenskraft zu einer der wichtigsten Persönlichkeit des Expressionismus.
Außer den Werken der Künstlerin ist wohl auch ihre Biografie bemerkenswert.

Am 11.Februar 1869 kommt Elisabeth Schüler als Tochter des jüdischen Privatbankiers Aaron Schüler und dessen Frau Jeanette in Wuppertal Elberfeld zur Welt. Sehr frühzeitig beginnt sie bereits gegen bürgerliche Traditionen zu rebellieren und bricht die Schule ab.

1894 heiratet sie den Arzt Berthold Lasker und zieht nach Berlin. Dort widmet sie sich ihrer zeichnerischen Ausbildung.

1899 findet sie dank der Freundschaft mit dem Schriftsteller Peter Hille Anschluss an die literarische Szene, veröffentlicht ihre ersten Gedichte in der Zeitschrift „Die Gesellschaft“.
Außerdem wird ihr Sohn Paul geboren, dessen Vater unbekannt bleibt. Angeblich soll ihr Geliebter ein mysteriöser „Grieche oder Spanier“ gewesen sein. Es wird gemunkelt.

1902 erscheint ihr erster Gedichtsband „Styx“, der von Jugendstil und Impressionismus geprägt ist.

1903 lässt sie sich von Lasker scheiden und gerät dadurch in materielle Bedrängnis. Zu jener Zeit wohl ein mutiger Schritt in ihrem Leben. Mit den Schriftstellern Richard Dehmel und Gottfried Benn schließt sie zu jener Zeit Freundschaft. Außerdem heiratet sie den Schriftsteller Herwarth Walden. Er gründet 1903 den „Verein für Kunst“, dem im Laufe der Zeit Schriftsteller wie Heinrich und Thomas Mann, Frank Wedekind, Rainer Maria Rilke, Richard Dehmel, Alfred Döblin und seine Frau Else Lasker-Schüler angehören. Herwarth Walden ist auch der spätere Herausgeber der expressionistischen Zeitschrift „Der Sturm“

1906 reflektiert sie in ihrem ersten Prosawerk „Das Peter-Hille-Buch“ den gemeinsamen Weg mit ihrem engsten Freund Hille. Das Buch entsteht aufgrund seines Todes. Durch dieses Werk entsteht eine Selbstmythisierung, die fortan ihr Leben und ihr weiteres künstlerisches Schaffen bestimmt.

1907 erscheint ihre Prosasammlung „Die Nächte der Tino von Bagdad“(Orientalische Gedichte).

1909 publiziert sie das Schauspiel „Die Wupper“. Erst zehn Jahre später wird es im Deutschen Theater in Berlin uraufgeführt.

1911 „Meine Wunder“, so lautet der Gedichtsband, dem sie die Liebe als zentrales Thema widmet. Ein literarischer Erfolg krönt ihre Arbeiten, da sie zur führenden Repräsentantin des Expressionismus wird.

1912 lässt sie sich von Walden scheiden und danach erscheint ein Briefroman. In diesem Werk schildert sie die zeitgenössische Berliner Bohème, so lautet der Titel schlicht „Mein Herz“. Zu jener Zeit ist Else Lasker-Schüler völlig mittellos. Etliche Freunde helfen ihr, so insbesondere der österreichische Publizist Karl Kraus.

1913 veröffentlicht sie die Gedichtsammlung“ Hebräische Balladen“. Mit diesen Gedichten möchte sie die Neuerschaffung eines hebräischen Mythos bewirken. In diesem Jahr setzt sich die Künstlerin mit der Herkunft und Familie intensiv auseinander, die sich in ihren Lyrikwerken wieder findet, so stilisiert sie nicht nur sich selbst, sondern auch ihre Familie mit erfunden Legenden.

1914 trägt ihr neuester Gedichtsband den Titel „Prinz von Theben“. Else Lasker-Schüler bezeichnet sich jahrelang zuvor bereits selbst als „Prinz von Theben“. Aufsehen erregt sie in Berlin durch ihren unkonventionellen Lebensstil. So spaziert sie z.B. als Prinz verkleidet durch Berlins Straßen. Diese Kleidung führt zu Spott und Parodien.

1917 Ihre „Gesammelten Gedichte“ beinhalten einen Zyklus, den sie ihrem verehrten Benn widmet.

1919 „Der Malik“, so nennt sie die Kaisergeschichte, in der sie den Verlust enger Freunde verarbeitet. So verlor sie z.B. Franz Marc durch den Ersten Weltkrieg.

1925 „Ich räume auf! Meine Anklage gegen meine Verleger“ in dieser Schrift kritisiert die Künstlerin den zeitgenössischen Literaturbetrieb.

1927 stirbt ihr Sohn und dies ist der traurige Anlass für einen Rückzug aus der Öffentlichkeit.

1932 erhält Else Lasker-Schüler den Kleist-Preis für ihr Gesamtwerk. Der damals wichtigste Literaturpreis, der ihr verliehen wird, zeigt in der Presse Widerstand, so tituliert der „Völkische Beobachter“ empört: „Die Tochter eines Beduinenscheichs erhält einen Kleistpreis“
Sie veröffentlicht die Prosaskizze „Aronymus“ bzw. das Schauspiel „Arthur Aronymus und seine Väter“
„Die seltsamste aller Gestalten im dichtenden Deutschland“ nennt die „Vossische Zeitung“ in jenem Jahr die Künstlerin.

1933 werden ihre sämtlichen Werke auf die Schwarze Liste gesetzt. Nach tätlichen Angriffen auf offener Straße emigriert Else Lasker-Schüler in die Schweiz. Dort wird sie vom Jüdischen Kulturbund unterstützt. In den folgenden Jahren reist sie dreimal nach Palästina.

1936 erfolgt die Uraufführung von „Arthur Aronymus und seine Väter“ in Zürich. Das Stück wird nach zwei Tagen abgesetzt. Die Nationalsozialisten, die in der Schweiz agieren, bewirken die Absetzung des „jüdischen Tendenzstücks“. Drei Jahre zuvor wurde die Premiere des Stücks bereits durch die Gestapo verhindert.

1937 „Das Hebräerland“, so bezeichnet sie den Prosaband in dem sie das Erlebnis Palästina zum Traum vom Heiligen Land beschreibt.

1939 verhindert der Beginn des Zweiten Weltkriegs ihre Rückreise aus Palästina in die Schweiz.

1940/1941während dieser Zeit schreibt die Künstlerin die Tragödie „IchundIch“, die erst Jahrzehnte später im Jahre 1979 uraufgeführt wird. In diesem Werk bezieht sich die Schriftstellerin das erste Mal auf das politische Geschehen jener Zeit.

1943 erscheint ihr letzter Gedichtsband „Mein blaues Klavier“ in Jerusalem.

1945 stirbt Else Lasker-Schüler. Am 22. Januar schläft sie in Jerusalem ein. Sie erlernt bis zum Schluss kaum hebräisch, so dass diese Tatsache sie wohl auch in eine Art Isolation trieb.
Sie stirbt angeblich einsam und verlassen. Ihr Grab befindet sich auf dem Ölberg in Jerusalem.

Auszug aus dem Theaterstück Aronymus und seine Väter (1932) von Else Lasker-Schüler

Unsere Töchter wird man verbrennen auf Scheiterhaufen

Nach mittelalterlichen Vorbild.

Der Hexenglaube ist auferstanden

Aus dem Schutt der Jahrhunderte.

Die Flamme wird unsere unschuldigen jüdischen Schwestern verzehren.

 

Gedichte

Mein blaues Klavier
Ich habe zu Hause ein blaues Klavier
Und kenne doch keine Note.
Es steht im Dunkel der Kellertür,
Seitdem die Welt verrohte.
Es spielten Sternenhände vier
- Die Mondfrau sang im Boote –
Nun tanzen die Ratten im Geklirr.
Zerbrochen ist die Klaviatür.....
Ich beweine die blaue Tote.
Ach liebe Engel öffnet mir
- Ich aß vom bitteren Brote –
Mir lebend schon die Himmelstür –
Auch wider dem Verbote.

(aus Gedichtsband Mein blaues Klavier, 1943)

 

Gebet

Oh, Gott, ich bin voll Traurigkeit. . . . .
Nimm mein Herz in deine Hände –
Bis der Abend geht zu Ende
In steter Wiederkehr der Zeit.

Oh Gott, ich bin so müd, oh, Gott,
Der Wolkenmann und seine Frau
Sie spielen mit mir himmelblau
Im Sommer immer, lieber Gott.

Und glaube unserm Monde, Gott,
Denn er umhüllt mich mit Schein,
Als wär ich hilflos noch und klein,
- Ein Flämmchen Seele.

Oh, Gott, und ist sie auch voll Fele –
Nimm sie still in deine Hände. . . .
Damit sie leuchtend in dir ende.

 

©Corina Wagner, 10. Mai 2013

 


 

Lauf des Lebens

Der Totenkopf-Pfad

Immer wieder wird man vom Grauen des Zweiten Weltkriegs eingeholt, als wolle diese menschenunwürdige Zeit in einem nicht enden wollenden Marathonlauf gewinnen. Die Schrecken dieser Sekunden, Minuten, Stunden, Monate, Jahre haben grausame Spuren hinterlassen – kleben wie eklige Scheiße am Laufschuh vieler älterer Menschen. Manchmal tauchen Indizien auf, die dann bislang unbescholtene Leute von der Überholspur ins Abseits drängen, kratzt man am Profil der Sohle. Es gibt aber allerdings auch Auswertungen von Profilabdrücken jüngerer Menschen, deren Sohlen dermaßen mit extrem braunem Belag verkrustet sind, dass einem angst und bange werden kann. Zumal wenn man dann Kenntnis davon hat – in welchem Morast diese oftmals bis zu den Knien stecken, obwohl sie eigentlich Verbotsschilder lesen können, um auf dem regulären Weg zu bleiben.

Wenn es gut läuft, dann kommt man fast fehlerfrei, quasi ohne Naziparolen durchs Alltagsleben, auch ohne spezielles Schuhwerk, liegt wohl auch am persönlichen Umfeld.

Es kommt nicht immer auf die Laufsohle, sondern auf den Schritt, auch z.B. den Stechschritt an, was im Schuh steckt und vor allen Dingen dem Rest, der da dran hängt, welche Ideologien beim Laufen vertreten werden.

Nächste Generationen sollen weiterhin ermahnt werden, dass es keine Lappalien sind, wenn man Fehltritte auf Kosten von Unschuldigen begeht, die daran elendig zugrunde gehen. So sollte man meiner Ansicht nach auch an das Schuhläufer-Kommando erinnern, eine Strafabteilung im Konzentrationslager Sachsenhausen.

Schlecht ernährte Häftlinge liefen bis zu 48 Kilometern auf einer Schuhprüfstrecke und testeten Schuhe. Manche Häftlinge mussten schwere Säcke schleppen. Konservative Schätzungen ergaben, dass damals bei den Materialtests im Konzentrationslager täglich ca. 15-20 Häftlinge starben und dies in einem Zeitraum von fünf Jahren. Bekannte Schuhfabriken wie Salamander waren daran beteiligt. Bei Wind und Wetter mussten die unternährten Häftlinge über die 700 Meter lange Schuhprüfstrecke. Asphalt, aber auch Split, Gras, Lehm, Schotter, Schlacke lagen auf der Strecke, die die Häftlinge im Auftrag der deutschen Schuh- und Leder-Ersatzstoff-Industrie bewältigten. Die Schuhe sollten bis zum völligen Verschleiß abgelaufen werden, passten oftmals nicht. Blasen und zerschundene Füße wirkten wie Folter an den Häftlingen. Den ganzen Tag liefen diese auf der Teststrecke. Wer seine Notdurft verrichten wollte, musste in die Schuhe pinkeln. Im Stehen gab es eine „Brühe“ als Mittagessen. Wer auf der Strecke umfiel, wurde oftmals mit einem Genick-Schuss von SS-Leuten getötet. Viele hielten diese Tortur nur wenige Wochen aus.

Läufer ist nicht gleich Läufer – und Trainer ist nicht gleich Trainer, so auch heute.

Primitive Springerstiefel können heutzutage durch teure Hightechnik-Laufschuhe ersetzt werden. Und dies birgt Gefahren. Den Nachkommen von hasserfüllten, totbringenden Läufern, diejenigen die ohne mit der Wimper zu Zucken auch über Leichen gehen oder laufen würden – und deren bislang unterschätzten Mitläufer kann man tatsächlich viele Stolpersteine in den Weg legen. Stolpersteine, die sogar Namen von verfolgten Menschen tragen, die während des Dritten Reichs starben und auch große Erinnerungsstätten bauen, die man eigentlich nicht übersehen kann, wenn man mit „Sieg Heil“ auf den Lippen durch Straßen und über Plätze läuft. Ein rassistisch wirkender Laufstil stoppt anscheinend jene Menschen nicht, deren Hirn manipuliert wurde. Sie marschieren weiter bis in Parlamente. Dort muss man sie dann wie schnaufende Zuchtbullen unter Kontrolle behalten, die oftmals mit den Hufen scharren, um Unruhe zu stiften. Keine leichte Aufgabe, wenn diese eine gute Kondition aufweisen und immer auf der Stelle laufen, um den Durchbruch, wo auch immer dieser liegt, zu schaffen. Gesunde Beine ersetzen nun mal keinen gesunden Kopf, wenn man quasi nicht weiß, wo es eigentlich langgeht, um in Frieden ohne Hass leben zu können.

Darüber spricht und schreibt man nicht gern – man weiß ja nie, wer einem im Dunkeln begegnet, wenn man absolut nichts gegen Ausländer und Homosexuelle hat. Es gibt Läufer, denen sieht man den puren Hass schon von Weitem an. Und andere laufen zunächst völlig unauffällig mit und schlagen dann wie von Sinnen zu.

Manche germanischen Läufer sind inzwischen so geistesgestört, dass und man sich fragt, was bei denen in im ersten Lauftraining schief gelaufen ist.

So und nun werde ich eine Runde drehen. Mal sehen, wer mir über den Weg läuft. Hoffe, dass mir tolerante Läufer begegnen und keine, die gerade vom Totenkopf-Pfad kommen.

 

© Corina Wagner, April 2013


 

Segen oder Fluch? DSM-5

Ein Bericht von Frau Obligat geb. Gang und Gäbe

Jetzt mal ehrlich: so ganz unter uns. Kennen Sie schon das neue DSM-5? Nein! Dann sollten Sie keine Arztbesuche mehr tätigen. Mein Gott! - was man Ihnen und Ihren Familienangehörigen, Bekannten und Verwandten ab Mai 2013 alles diagnostizieren kann… Irre! Wow!

Nach fünf Minuten, soviel nimmt sich ja der Arzt für eine ausführliche Diagnose Zeit, kann er Ihnen nach dem neuen Diagnose-Handbuch Krankheiten mitteilen, da werden Sie ganz bleich im Gesicht. Sie gehen gesund zu einer Routineuntersuchung und dann sagen Sie nur ein unüberlegtes Wort …

... Oweia!

Sie sind nur eine Sekunde unkonzentriert und dies kann das ganze Leben verändern.

Das neue Handbuch für psychische Störungen DSM (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders ) wurde angeblich  von rund 500 Psychiatern und Psychologen erarbeitet. Und nun? Ist es ausschlaggebend welche Symptome Sie dann beim nächsten Arztbesuch innerhalb weniger Minuten schildern. Vergessen Sie bitte ja keine Einzelheiten, wichtige Informationen, falls Sie als normal gelten möchten. Am besten dokumentieren Sie ihre Normalität, also den ganz normalen täglichen Wahnsinn schon jetzt, quasi zur Sicherheit. Besser ist es -  rückwirkend tatsächlich noch Daten, eine Statistik aufzuführen.

Ärzte und Psychologen rechnen hierzulande mit dem ICD-10 ab, dem Diagnoseschlüssel der Weltgesundheitsorganisation WHO und deshalb ist es lebenswichtig, welcher Diagnoseschlüssel in Ihrer Akte steht. Die Pharmaindustrie freut sich nämlich immens, wenn der Arzt Ihnen die Normalität nicht bescheinigt. Sie wissen schon, diesen gesunden Menschenverstand mit ganz kleinen Abweichungen.

Sie können sich glücklich schätzen, wenn Sie die vergangenen Jahre  keine Kinder in die Welt gesetzt haben. Dann müssen Sie auch nicht demnächst feststellen, dass ihr Kind aus der Trotzphase nicht heraus kommt und dringend z.B. eine hohe Dosis des Wirkstoffs Methylphenidat benötigt. Beispiel: Stellen Sie sich  vor, dass Ihr Kind  neuerdings zu Wutausbrüchen neigt, reizbar erscheint und Mama oder Papa etwas depressiv anschaut, weil es schon wieder in die Ganztagsbetreuung muss. Es eigentlich nur deshalb ausrastet, weil Frau Dingsbums so fürchterlich unsympathisch ist, der neue Schulfreund doof agiert und Sie aber keine Zeit haben mit ihrem Kind darüber zu sprechen. Dann wird sich bestimmt  im neuen Handbuch einen Namen für den augenblicklichen Zustand Ihres Kindes finden lassen, einen Diagnoseschlüssel. Letztendlich freut sich dann auch die Pharmaindustrie, wie toll die Ärzte handeln.

Passen Sie gut auf sich auf, wenn Sie das nächste Mal einen Arzttermin haben, man weiß ja nie…

Mit zurechnungsfähigen Grüßen

Normaliane Obligat


 

 Thema Armenspeisung

Kirschenmichel

Germania Elend, 39, alleinerziehend, Mutter von drei Kindern, seit sechs Monaten arbeitssuchend, schreibt unter Tränen in ihr Tagebuch:

Es wird von Tag zu Tag unerträglicher. Ich gebe mir wirklich Mühe, versuche mir nichts anmerken zu lassen und spüre sehr intensiv, dass auch meine Kinder immer mehr unter ihrer Armut leiden. Inzwischen schaue ich nicht selten in total traurige Kinderaugen. Wir können uns nichts mehr leisten, kann keine Wünsche mehr erfüllen.

Neuerdings gehe ich zur Tafel, zur Armenspeisung. Ich hätte nie im Leben daran gedacht, dass ich jemals auf Lebensmittelspenden angewiesen sei. Die ehrenamtliche Helferin sagte zu mir, dass ich mich dafür überhaupt nicht schämen müsse. Und als ich anfing zu weinen, nahm sie mich tröstend in den Arm. Laut ihren Worten bin ich nur eine Person von ca. 1,5 Millionen Menschen in Deutschland, die einmal in der Woche diese Chance nutzen, um im Monat über die Runden zu kommen. Die fatale Sozialpolitik wäre daran schuld und nicht ich. Dann steckte sie mir noch ganz privat 10 Euro in die Hand. Da war ich absolut fassungslos und wusste im ersten Moment nicht, ob ich lächeln oder noch mehr weinen soll.

Bald muss ich aus meiner Wohnung ausziehen, die Miete ist zum puren Luxus geworden. Jetzt, wo ich keinen Job mehr habe, zerrt die Armut an meinen Nerven und meiner Gesundheit. Kirschenmichel gab es heute Mittag, so ein typisches Arme-Leute-Essen. Und wenn ich daran denke, dann fallen mir Worte ein, die ich besser nie in mein Tagebuch schreiben sollte:

Der Appetit kommt ja bekanntlich beim Essen. Klar doch, wie Großmutters leckere Hühnersuppe mit Fettaugen. Heute gab’s mal wieder einen Menschenauflauf, stand mir doch tatsächlich deswegen ewig die Beine in den Bauch. Igitt, dachte ich zunächst völlig angewidert, als ich die abstoßende Masse, dieses ausgemergelte Gewimmel, bei der Armenspeisung sah. Und dann bemerkte ich instinktiv, dass ich auf andere Menschen genauso entsetzlich wirken könnte. Da wurde mir speiübel …

© Corina Wagner, Januar 2013

 


 

Weltweite Empörung

Es gibt brutale Ereignisse, die möchte man sofort wieder verdrängen. Vielen gelingt dies, weil sie in der Lage sind, solche Szenen auszublenden. Und dann?

 

 

Das Jahr geht zu Ende. Viele Menschen freuen sich auf die morgigen Silvester-Partys. Heute wird bereits fleißig dafür vorbereitet. Die meisten lassen sich die gute Laune nicht verderben, warum auch?

Täglich sterben auf der Welt Menschen zum Beispiel durch verschmutztes Wasser, sie verhungern, stecken sich mit AIDS an oder werden durch Terror und Krieg umgebracht. Frauen wurden schon immer als Kriegswaffe benutzt und deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass immer noch Frauen gefoltert und vergewaltigt werden. Es gibt etliche brutale Beispiele, die absolut real sind. Die Kriegswaffe Vergewaltigung ist für einen Mann, der sich im Bürgerkrieg befindet, anscheinend die schönste Nebensache in seiner brutalsten Form. Der bewaffnete Täter befriedigt seinen Sexualtrieb und zeigt zugleich den militärischen Sieg über den Feind. Er „erobert“ die Frau des Gegners. Darüber gibt es stets Meldungen. Ich erinnere hier z.B. an systematische Vergewaltigungen von Tutsi-Frauen in Ruanda. Ich könnte jedes Mal „kotzen“, wenn ich darüber lese. Allerdings auch, wenn ich daran denke, dass die häusliche Gewalt stets gerne ausgeblendet wird. Frauen erhalten meist kaum Unterstützung, wenn sie von Männern aus dem privaten Umfeld, also von Verwandten oder Freunden vergewaltigt werden.

Und nun ganz aktuell: „Schock in Indien!“  Eine 23-jährige Medizinstudentin wird in einem Bus mehrfach brutal vergewaltigt. Sechs Männer beteiligen sich an der Tat, darunter auch der Busfahrer. Unvorstellbar! Zumal das Opfer nicht alleine unterwegs war. Sie stieg mit einem Freund in den Bus, der sie leider nicht beschützen konnte, da er von den Tätern zusammengeschlagen wurde. Andere Passagiere waren zum Tatzeitpunkt nicht im Bus. Das Opfer wird nach dem brutalen Vorfall aus dem Bus geworfen. Nach Bekanntgabe des entsetzlichen Übergriffs auf die junge Frau kommt es zu Protesten in Indien.

Inzwischen starb die junge Frau an den Folgen ihrer Verletzungen. Sechs Inder wurden nun wegen Mordes angeklagt.

Weltweit ist der Blick im Moment auf Indien gerichtet. Medien berichten, dass es laut offiziellen Angaben im vergangenen Jahr in der Metropole Neu Delhi 572 Vergewaltigungen gab. Eine erschreckende Bilanz, da vermutlich die Dunkelziffer höher ist. Ich könnte „kotzen“, wenn man bedenkt, dass sich diese Daten nur auf Neu Delhi beziehen.

Die Welt dreht kurz vor der Jahreswende kräftig am „Vergewaltigerrädchen“.

Weltweite Empörung!

Auch in Deutschland. Sicherlich!

Hoffnung macht mir dies für das Jahr 2013 absolut nicht. Es wird nun darüber geredet, geschrieben und im Internet gepostet. Und dann? Männer werden es wieder tun, wenn sich die Gelegenheit bietet …

… auch hier in Deutschland.

Die nächsten Opfer gibt es spätestens in der Silvesternacht, quasi in Sektlaune.

Eine Studie belegt, dass jede vierte Frau in Deutschland sexuelle oder körperliche Gewalt durch ihren Partner erlebt. Dieses Ergebnis ist blamabel.
Ich hatte in meinem Leben bislang großes Glück und erfuhr keinerlei Gewalt.

Frauen werden auch im kommenden Jahr wieder weltweit Opfer von brutalen Vergewaltigungen werden. Ich könnte „kotzen“, wenn ich daran denke.

Empört Euch!

Wie lange?

Ich sehe angewidert auf die Uhr.

© Corina Wagner, 30. Dezember 2012

https://www.freitag.de/autoren/corina-wagner/weltweite-empoerung


 

Der 25. November, ein Tag wie jeder andere im November, so könnte man(n) annehmen. Viele Menschen werden vielleicht instinktiv diesen symbolträchtigen Tag verdrängen:

Internationaler Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen

Ein jährlich wiederkehrender „Gedenk-und Aktionstag zur Bekämpfung von Diskriminierung und Gewalt jeder Form gegenüber Frauen“

 

Fragen bleiben jedes Jahr zurück. Haben Frauen tatsächlich Nutzen? Rütteln Menschen, die sich für eine weltweite Verbesserung einsetzen, nicht Jahr für Jahr an geschlossenen Türen. Klopfen sie nicht an Fassaden, hinter denen Personen leben, die auch in Zukunft keinen Gedanken daran verschwenden werden, damit Frauen auf Augenhöhe leben dürfen. Sie haben definitiv kein Interesse daran, dass  Frauen Tag für Tag nicht mehr unterdrückt, gefoltert oder sogar ermordet werden. Frauen, die aus Sicht der Männeraugen als wertlose Ware gehandelt werden und bei Bedarf jederzeit entsorgt werden.

Wie viele Frauen wurden bzw. werden heute, am 25. November 2012, auf der Welt vergewaltigt? Ich würde eine Null lesen wollen. Keine einzige Vergewaltigung! Das Wunschdenken einer Frau! Das Wort Menschenrecht kann ich lesen, auch schreiben. Sie auch? Es gibt auf der Erde viele Menschen, die mit dem Wort Menschenrechtsverletzung gerade im Zusammenhang mit dem Wort Frau absolut nichts positives anfangen können und auch absolut keinen Plan haben, wie man das Leben vieler Frauen gewaltfreier gestalten könnte. Wie viele Frauen wurden bzw. werden an diesem Novembertag zur Prostitution gezwungen? Wie viele Frauen durchleben häusliche Gewalt, werden brutal von ihren Partnern gequält,  zum Beispiel bis zur Bewusstlosigkeit geprügelt?

„Es ist an der Zeit, dass Regierungen Verantwortung übernehmen...“

Dies wünsche ich mir auch heute, morgen, übermorgen, nicht nur bis Ende nächster Woche, sondern auch in Zukunft für all jene Frauen auf der Welt, die tagtäglich mit Gewaltanwendung konfrontiert werden. Wahrscheinlich werden uns in Zukunft trauriger weise weiterhin Nachrichten via modernste Technik erreichen, die über Frauenschicksale berichten, die durch Misshandlungen traumatisiert sind bzw. auch durch brutale Folter sichtbar gezeichnet sind und vermutlich nicht selten werden uns Bilder gezeigt werden, die den qualvollen Tod von Frauen andeuten. Absolut schlimm und grausam auch, dass Frauen in bestimmten Regionen dieser Erde nach wie vor als Kriegswaffe eingesetzt werden.

©Corina Wagner, 25. November 2012

https://www.freitag.de/autoren/corina-wagner/25-november


Wer war Kaspar Hauser?

Eine Frage, die man heute noch immer nicht präzise beantworten kann. In der Kaspar-Hauser-Abteilung im Markgrafen-Museum in Ansbach entdeckt man Zeitdokumente, auch verschiedene Theorien, die über das geheimnisvolle Findelkind Auskunft geben. Die Ausstellung bietet z.B. ein selbst gefertigtes Zettelkästchen oder mehrere Farbzeichnungen Kaspar Hausers. In der Literatur findet man eine Fülle von Zeilen über Hauser, der am Pfingstmontag 1828 in Nürnberg auftauchte. Der damals etwa 16-jährige Junge fiel durch seine unsichere Gangart auf und konnte etliche Fragen nicht beantworten, die man ihm stellte. Er wurde zunächst in einem Gefängnissturm auf der Nürnberger Burg untergebracht. Es folgten intensive Untersuchungen der Polizei bzw. der Stadt. Einige Ärzte kamen zu der Überzeugung, dass es sich um einen komplizierten Kriminalfall handeln müsse. Der Findling sei während seiner Kindheit über einen längeren Zeitraum gefangen gehalten worden und dies ohne jegliche sozialen Kontakte zu Menschen.

Hauser wurde anfangs regelrecht zur Schau gestellt. Ein Gymnasiallehrer nahm sich seiner Erziehung an. Der junge Mann lernte schnell und fast ebenso schnell wurde das Gerücht verbreitet, dass Hauser der Erbprinz aus dem Hause Baden sei, den man wegschaffte, um den Thron freizumachen. Dieses Gerücht manifestierte sich, als im Oktober 1829 ein Anschlag auf Hauser verübt wird, den er überlebt und danach mehrfach den Wohnort wechseln muss, damit seine Sicherheit gewährleistet bleibt. Zu jener Zeit reiste ein englischer Lord an, der als sehr seltsam beschrieben wurde. Lord Stanhop wurde binnen kürzester Zeit nicht nur Gönner, sondern auch Hausers Vormund. Er veranlasste den Wohnortswechsel nach Ansbach im Dezember 1831. Zu jener Zeit war das ehemalige Findelkind bereits in Europa eine bekannte Persönlichkeit. So war es auch nicht verwunderlich, dass die Ansbacher Bevölkerung großen Anteil an seinem Schicksal nahm. Sogar der Präsident des Appellationsgerichts befasste sich mit Kasper Hausers Fall und verfasste die „Erbprinztheorie“. Dieser starb unter äußerst mysteriösen Umständen. Er wurde wahrscheinlich vergiftet. Hauser kam dann im Dezember 1833 in Ansbach ums Leben. Seine Biografie lässt etliche Spekulationen zu, so dass sie auch heutzutage Interessierte fasziniert. Deshalb gibt es wahrscheinlich auch über 3000 Publikationen, die sich mit dem Fall Kaspar Hauser beschäftigen.
Wurde er tatsächlich ermordet, weil jener Findling der „Erbprinz von Baden“ war? Soll Hauser ein badischer Prinz gewesen sein, der aus politischem Interesse von der zweiten Frau seines Urgroßvaters gegen einen sterbenskranken Säugling ausgetauscht wurde? Das Schicksal des Findelkinds bleibt auch heute noch für viele ein Rätsel. Die Filmbranche reizte dieses Thema bislang ebenso, wie auch die Tatsache, dass z.B. 1996 Schlagzeilen im „Spiegel“ erschienen. Das Nachrichtenmagazin recherchierte über das Schicksal Hausers und kam zu dem Ergebnis, dass Kasper Hauser nichts mit dem Hause Baden zu tun habe. Zwei Labors hatten zuvor an dem Beweisstück, einer Unterhose des Opfers Hausers, das Blut analysiert. Es wurde mit den lebenden Nachfahren von Großherzogin Stephanie verglichen. Und doch blieben viele skeptisch.

Im Museum entdeckt man hinter Glas nicht nur jene blutverschmierte Unterhose, die Hauser bei dem Mordanschlag damals trug, sondern auch die restliche Kleidung, die er an jenem 14. Dezember 1833 trug, als er unter einen Vorwand in den Ansbacher Hofgarten gelockt wurde. Seine Herkunft und den Namen seiner Mutter sollte er bei jenem Treffen erfahren. Den etwa 21-Jährigen traf ein gezielter Stich ins Herz. An den Folgen starb er drei Tage später. Nach seinem Tod meißelte man einen lateinischen Spruch in seinen Grabstein: “Hier liegt Kaspar Hauser, Rätsel seiner Zeit, unbekannt die Herkunft, geheimnisvoll der Tod.”

Viele Menschen halten Kasper Hauser für einen Hochstapler. Allerdings gibt es immer wieder neue Aspekte, die an der Theorie festhalten – er könne doch der Erbprinz von Baden sein. So verglichen z.B. Wissenschaftler aus Münster sechs DNA-Proben von Hausers Haaren und seinem Schweiß. Die Wissenschaftler, die im Auftrag von ZDF und ARTE arbeiteten, sind sich angeblich absolut sicher, dass die untersuchten zwei Haarlocken bzw. die Schweißreste vom Hutband des Zylinders und dem durchstochenen Hemd die originale DNA Hausers sei. Damit wurde 2002 von den öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten ARTE und ZDF die Gen-Analyse des Nachrichtenmagins „Spiegel“ widerlegt. Jener untersuchte Blutfleck an der Museums-Unterhose, die Hauser beim Attentat trug, sei nicht authentisch. Das Blut sei nicht von Kaspar Hauser. 10 Jahre später, also im Sommer 2012, gab es nun Schlagzeilen, die das Hause Baden betreffen und indirekt auch das mysteriöse Ableben Hausers. Aus der Fürstengruft des Hauses Baden zu Pforzheim sind zwei Kindersärge verschwunden. Und dies aus einer verschlossenen Gruft. In einem jener Särge liegt der noch namenlose Erbprinz, der 1812 im Kindsbett verstorben ist. Dies bestärkt nun wiederum diejenigen, die glauben, dass Kaspar Hauser sich die Stichverletzungen nicht selbst zugefügt hatte, sondern tatsächlich ermordet wurde…

Kasper Hauser, eine Person, die wohl auf bemerkenswerte Art und Weise historisch verbürgt ist und meiner Ansicht nach immer noch interessante Fragen bietet. Die Kaspar-Hauser-Abteilung im Markgrafen-Museum beinhaltet übrigens die gesamte Hinterlassenschaft Hausers.

„Wolfskinder“ gibt es leider heute immer noch, die seit ihrer frühsten Kindheit irgendwo eingesperrt werden. Man mag sich nicht wirklich vorstellen, dass man z.B. ohne Ansprache und menschlicher Wärme in einem abgedunkelten Raum über Jahre hinweg als Kind dahinvegetieren muss …

 

Ohne Zeitgefühl

Schicksalsjahre etlicher Wolfskinder

Der Kindheit beraubt

Eingepfercht im Dunkeln,

oftmals gefesselt

wie eine fiese Kreatur

In völliger Isolation

verrinnt die Zeit

ohne Taktgefühl

auf der Lebensuhr

Kälte und Feuchtigkeit

prägen die Stunden

des Dahinvegetierens

Das Wecken

ist das Schlimmste

Das Zittern

erfolgt reflexartig

wie die Nahrungsaufnahme

Die Notdurft

kennt keine Hemmungen

und die Pein

kommt nie zu kurz

Das Böse

hat ewig die Macht

Die Stoppuhr fällt aus

Die Sprachlosigkeit

dreht am Rädchen

Der Zeiger steht still

Nichts bewegt sich,

außer der Gewaltbereitschaft

Sie funktioniert immer …

Die Erlösung

lässt lange auf sich warten,

wie ein gutes Stück Glück auf Erden

Die zermürbende Verwahrlosung

kennt Schlag für Schlag

das Böse im Menschen mit Namen …

© Corina Wagner, Oktober 2012

 

http://zeitverdichtet.de/?p=16426


 

Liebe Deinen Nächsten…

 Nächstenliebe kann man praktizieren, muss man aber nicht. Außerdem ist nicht jeder bibelfest und lebt religiös. Manche morden sogar angeblich im Auftrag Gottes...

 

„Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ Alles wäre so einfach, wenn manche Menschen uralte Tipps beherzigen würden. Bei gewissen Charakteren beißt man auf Uran, wenn man Nächstenliebe erwartet. Gerade Politiker haben damit ein echtes Problem, obwohl diese ja meist Wert auf Traditionen legen, die nicht immer sinnvoll erscheinen und zeitgemäß sind. Es gibt Worte mit denen man heutzutage jonglieren kann, ohne bestraft zu werden, weil es tatsächlich Länder gibt – in denen Meinungsfreiheit praktiziert, gelebt und akzeptiert wird, auch wenn dies manchmal sehr unbequem ist. „Du sollst nicht rachgierig sein noch Zorn halten gegen die Kinder deines Volks.“ Ein interessantes Zitat, das schon sehr alt und wahrscheinlich in Vergessenheit geraten ist. Nicht jeder dazu bereit ist, solche alten eingestaubten Aussagen in seinen Wortschatz zu integrieren. Es kommt also absolut darauf an, wo man aufwächst und lebt. Schlagworte wie Hass, Gebete, Religion, Rowdytum, Musik, Punkband, Menschenverachtung, Denunzierung, Verurteilung. Diese Worte sind in aller Munde, aber nicht jeder darf seine Meinung öffentlich kundtun. Eine zum Himmel stinkende Ungerechtigkeit!

©Corina Wagner, 2012

https://www.freitag.de/autoren/corina-wagner/liebe-deinen-naechsten..


 

Sommer im Blickfang

Es gibt Sommertage, die kann jeder Hobbyfotograf bzw. jede Hobbyfotografin binnen weniger Sekunden in Szene setzen. Per Knopfdruck entstehen sehenswerte Fotografien, die meistens unbeschwerte Leichtigkeit und die Vielseitigkeit der Sommermonate wiederspiegeln. Die Natur bietet eine Fülle von tollen Motiven.

Der weibliche Homo Sapiens wird stets gerne für Aufnahmen verwendet. Daher erscheint es auch absolut nicht verwunderlich, wenn man die eine oder andere Schönheit ablichtet. Doch was ist schön? Dieser Begriff ist sehr dehnbar und ganz individuell zu verstehen. Ein Idealmaß von 90-60-90 werden wohl die meisten nicht angeben, wenn sie nach jenem gefragt werden.

Findet man diese Maßangabe, wenn man auf Objektsuche geht, um ein perfektes Bild abzulichten, tatsächlich heutzutage in deutschen Landen? Gibt es sie noch? Die gute alte Taille? Viele betagte Aufnahmen erinnern daran und zieren so manches eingestaubte Fotoalbum. Nostalgie pur.

Welcher Busen im wildgemusterten Sommerkleidchen ist eine wahre Augenweide für Fotografen? Welche Momentaufnahme wird zum echten Hingucker im gerahmten Großformat, wenn die Sonne im Hintergrund versinkt? Und was wirkt sommerlich frisch, spritzig witzig mit Hauch von Romantik und was wiederum künstlich bzw. gestellt, wenn man seine Aufnahme im Kasten hat? Würde es vielleicht möglicherweise total langweilig wirken, wenn jeder weibliche Homo Sapiens Traummasse bzw. Traummaße vorzuweisen hätte? Viele Ess- und Stoffwechselgestörte bieten ernstzunehmende Abweichungen der Idealmaße an. Entweder findet man vor der Linse Frauen, die keinem Sahnehäubchen wiederstehen können oder die sich vom Sattsehen ernähren.

„Die Schönheit liegt wohl im Auge des Betrachters!“, eine Aussage, die wohl die meisten Menschen kennen. Was ist, wenn der Betrachter massive Sehstörungen aufweist, wenn er in Sommerlaune bildhübsche Badenixen ablichtet, die in Wirklichkeit eher gestrandeten Walen ähneln? ...und bemerkt diese optische Täuschung erst im Herbst, wenn ein digitales Fotoalbum angelegt wird. Liegt es dann etwa an einer vorübergehenden Linsentrübung oder an einer sommerlichen Wahrnehmungsstörung, die durch Hormone gesteuert wird/wurde?

Es gibt von Leonardo da Vinci eine berühmte Zeichnung (der vitruvianische Mensch), die aus dem Jahr 1492 stammt. Sie stellt die Proportionen des menschlichen Körpers im sogenannten goldenen Schnitt dar. Man kann also Schönheit nicht nur betrachten, sondern auch seit jeher vermessen, wenn man dies möchte. Doch will man dies unabhängig vom Geschlecht wirklich wissen? Wie fühlt es sich an, wenn man vom goldenen Schnitt abweicht, was macht man dann? Nie wieder in der Badehose in den Baggersee springen, weil die Proportionen nicht so sind, wie der goldene Schnitt es einem vorgibt? Dann würde vermutlich so mancher männliche Homo Sapiens kein sommerliches Motiv mehr darstellen.

Eigentlich schade! Nur damit man beim Anblick der Fotografie nicht die Augen verdrehen und schmunzeln kann? Sind es nicht genau jene Momentaufnahmen, die den Sommer so attraktiv machen?

„Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst“ (Lev. 19,18) steht schon in der Bibel. Nicht jeder glaubt daran und es wird auch verdammt schwierig - dieser Aufforderung nachzukommen. Im Sommer, wenn es richtig heiß ist und man oftmals sehr freizügig herumläuft, wird man nicht selten abgelichtet. Manchmal, weil man fast die Idealmaße erfüllt und gelegentlich, da man im Großformat als Abschreckung an die Kühlschranktür geklebt wird, wenn der Hobbyfotograf bzw. Hobbyfotografin bei glühender Sommerhitze Lust auf das ein oder andere Eis bekommt…

Hauptsache ist, dass man sich in seiner Haut wohlfühlt, wenn der/die Fotograf/in auf den Auslöser drückt. ;-)

 © Corina Wagner, Juni 2012 Aufnahme: Mathematikum Gießen

 


 

Themenwoche: Reisen bei www.zeitverdichtet. de

Auf zum Nordkap...

Radeln macht Spaß

Wer sich auf eine Reise begibt, kann bekanntlich viel erzählen. Immer gibt es irgendwelche Abenteuer, die es zu bewältigen gilt, ob nun z.B. in der Schweiz bei einer Wanderung plötzlich eine Kuh inmitten des Weges liegt und Grund bietet, über seine Lebensversicherung nachzudenken oder eine Horde wilder Kakerlaken durchs Hotelzimmer flaniert, wenn man gerade in südlichen Gefilden Urlaub macht.

Es gibt Erholungssuchende, die fliegen grundsätzlich beinahe stressfrei, wenn sie ihren Urlaub buchen und fremde Länder besichtigen. Wiederum andere Reisende tuckern mit dem Wohnmobil durch die Lande. Dann gibt es aber auch Menschen, wie z.B. Verwandte von mir, die reisen mit dem Fahrrad und nehmen auch gerne Gastfreundschaft an, wenn sie auf Tour sind. Klaus Hoehle (geb. 1939) und seine Frau Doris (geb. 1952) sind absolut sportbegeistert, wodurch sie vor einigen Jahren auf die Idee kamen die Welt mit dem Fahrrad zu erkunden. Die „Globalradler“ starteten am 15. 03. 2006 und beendeten ihre Weltumradlung am 15.07.2008.

Klaus fotografierte während der Weltreise, Doris hingegen schrieb Reiseberichtete und manchmal war es nicht ganz so einfach Bildmaterial bzw. Reiseberichte Freunden zu übermitteln, die nun ihre Homepage gestalten. Ich kam während dieser Weltreise in den spannenden Genuss – regelmäßig E-Mails zu lesen, die mir Doris sendete.

Sie durchreisten  damals 40 Länder (Deutschland, Österreich, Slowakei, Ungarn, Serbien und Montenegro, Rumänien, Bulgarien, Türkei, Iran, Pakistan, Indien, Vietnam, Kambodscha, Thailand, Malaysia, Indonesien, Australien, Tasmanien, Neuseeland, Südafrika, Argentinien, Chile, Bolivien, Peru, Ecuador, Kolumbien, Panama, Costa Rica, Nicaragua, Honduras, El Salvador, Guatemala, Belize, Mexiko, USA, Marokko, Spanien, Frankreich, Schweiz, Liechtenstein).

Insgesamt legten sie 57.093 km zurück, saßen davon 3.491 Stunden im Sattel und bewältigen Höhenmeter von denen andere nur schon beim Lesen Knieschmerzen bekommen: 338.321 m. Sie gönnten sich 133 Ruhetage als sie 824 Tage auf dem Sattel unterwegs waren.

Wenn man 40 Länder mit dem Rad durchreist, muss man natürlich auch andere Verkehrsmittel einplanen, so kamen 23 Flug-, Schiffs- und Fährtage zustande.

Während dieser Weltumradlung hatten beide trotz aller Anstrengung so eine große Freude, dass es sie immer wieder auf den Sattel drängt, um mit dem Fahrrad von a nach b zu kommen. So kam es, dass sie vergangenes Jahr wieder auf Tour waren, um Urlaub per Rad zu machen. Sie starteten ihre Tour am 13.07.2011 und kamen am 27.10.2011 wieder nach Hause.

Sie durchradelten während ihrer Reise Kanada (British Columbia, Alberta, Ontario), die USA (Montana, North Dakota, Minnesota, Wisconsin, Michigan, Indiana, Ohio, Pennsylvania, New York, Vermont, New Hampshire, Maine, Massachusetts) und weil es so schön war, fuhren sie mit dem Rad auch noch durch die Niederlande nach Hause.

„Das Reisen mit dem Rad ist grandios bzw. famos.“ Dieser Satz passt einfach zu meinen Verwandten, denn seit dem 1. Mai 2012 sind sie wieder mit ihren Fahrrädern auf eine Entdeckungsreise gen hohen Norden unterwegs. Ihre Reisemotto lautet in diesem Jahr: Um die Ostsee! Von Erlangen zum Nordkap!

Am 5. Juni erreichte mich eine E-Mail aus Haapsalu in Estland – da waren beide schon ca. 2850 km geradelt. Auf ihrer Homepage findet man im Moment eine Statistik vom 14.06.2012:

Kleine Statistik: zurückgelegt: 3.782 km, bewältige Höhenmeter: 17.210m, 234 Std. im Sattel.

Sie waren bis zum diesem Zeitpunkt 1 Monat und 17 Tage unterwegs und davon nutzten sie 4 Ruhetage. Ihr Tagesdurchnitt auf dem Sattel beträgt im Moment 84,04 km. Der Tagesdurchnitt ohne Ruhetage: 92,24 km.

Wer sich für die Reisen meiner Vewandten interessiert, kann Reiseberichte bzw. Bilder auf ihrer Homepage finden: www.hoehles-challenge.de
Vielleicht bekommt ja der ein oder die andere nun Lust… mit dem Fahrrad in den Urlaub zu starten.
 
© Corina Wagner,  18. Juni 2012

Themenwoche: Freundschaft bei www.zeitverdichtet.de

Freunde fürs Leben?

Draußen scheint die Sonne. Vogelgezwitscher lockt ins Freie. Kinderlachen durchdringt das geöffnete Fenster. Eine alte Dame sitzt im Rollstuhl und beobachtet eine Amsel, die auf den Fenstersims gelandet ist. So schnell das Amselweibchen da war, so flink fliegt es weiter. Die alte Dame ist müde, sehr müde. In der großen Eiche, die vor ihrem Fenster des Pflegheims steht, verschwindet Alles. Ja Alles, wenn sie nur lange genug darauf starrt. Ihre Gedanken kommen und gehen. Je länger sie in den Baum starrt, umso müder wird sie. Das Denken strengt sie an. Manchmal schreit sie laut auf. Dann sind sie wieder da. Diese Monate, Tage, Stunden und Minuten, die sie über Jahrzehnte verdrängt hatte. Gut verdrängt hatte, zu gut verdrängt hatte. Jetzt erscheinen ihr immer wieder diese grausamen Bilder vor Augen, wenn sie mit ihrem Rollstuhl vor diesem Fenster sitzt. Die Pflegekraft meint es gut mit ihr, ahnt nicht, was sie einst erlebt hatte. Sie ist nur eins der vielen Kriegsopfer, die es auf der Welt gibt. Unsichtbare Narben versteckte sie, wollte damit nicht hausieren gehen.

Ihre Zeit läuft nun ab und sie will nicht mehr. Körperliche Schwäche zwingt sie in den Rollstuhl. Ihre Blasenschwäche wird durch Windeln behoben. Immer wieder kreisen ihre Gedanken wie im Sturzflug eines Turmfalken, der die Beute im Visier hat. Ganz schwindelig wird ihr dabei. Dann fällt sie wie in Trance. Immer wieder sieht sie sich als Beute, die leicht zu fangen ist. Wenn es ganz schlimm wird, dann schreit sie ganz laut auf und stört dann meistens ihre Mitbewohnerin. Sie kann sich kein Einzelzimmer leisten, zu teuer. Geheiratet hat sie nie – keiner hätte sie gewollt, so ihre Aussage noch heute, wenn eine der Schwestern wieder neugierig nachfragt. Kinder hätte sie sowieso keine mehr bekommen können, sie ist froh, dass es so ist, dabei denkt sie dann an die Gene ihres Vaters. Sie wurde mehrfach vergewaltigt, doch das ist lange her. Es gab keine Prozesse. Warum auch? Es war der eigene Vater, der sie als Kind missbrauchte. Er, das Schwein in der Familie, war ein Nazi durch und durch. Weinen kann sie schon lange nicht mehr, sie sah zu viel. Viel zu viel. Ihre Mutter starb im Kindbett ihres Bruders Adolf. Der Kleine starb bei einem Bombenangriff. Sein Vorname hätte ihn sein Leben lang verfolgt, wie ihr Geheimnis. Auf ihrem Nachnamen liegt eine schwere Bürde. Jetzt wird ihr wieder furchtbar schwindelig. Sie starrt schon zu lange auf die Eiche. Keine Schwester kommt. Sie ist zu schwach, um selbst den Rollstuhl zu bewegen. Die Handbremse ist fest. Ihr wird schwarz vor Augen.

Neuerdings hat sie wieder den Gestank von verkohlten Leichen in der Kindernase von einst. Der beißende Gestank übertüncht in Gedanken die Realität des Urins in der Windel. Der Geruch begleitet sie nun tagtäglich, seitdem sie diese grausamen Bilder wieder vor Augen hat, die sie solange verdrängte. Jedes Mal wenn sie in den großen Baum starrt, holt sie die grausame Erinnerung an ihre Kindheit ein. Sie hat viel gesehen, zu viel gesehen, um das Grauen in Worte zu fassen. Jahrzehntelang schwieg sie. Zu sehr litt sie unter den Grausamkeiten des Dritten Reichs und dem Teufel in Person – ihrem Vater. Immer öfters schreit sie nun voller Angst auf, als käme endlich all ihre Wut und Schmerz zum Vorschein. Keiner hat dafür Verständnis. Die genervte Betreuerin und die überforderten Pflegerinnen sind sich seit einer halben Stunde einig, so dass sich die anderen Heimbewohner nicht mehr gestört fühlen. Ab heute Abend soll die alte Dame mit Medikamenten ruhig gestellt werden. Die vielen Pillen werden nun ihr bester Freund werden, wie damals ihr geliebter Teddy Paul…

 
©Corina Wagner, April 2012

 

 


 

Das Jahr der Besteller

Seit gestern kursieren Meldungen in den Medien, die sich eigentlich wie ein Aprilscherz lesen. Spontan fielen mir die Worte „April, April!“ ein. Doch wie normalerweise üblich, wurde nichts dementiert.

Alt-Bundespräsident Christian Wulff würde angeblich eine Biographie verfassen, die sein politisches Leben beschreibt. Ob das neu kreierte Wort „wulffen“ mit integriert wird, bleibt bis zum Erscheinen des Werks wahrscheinlich ein Geheimnis. Laut Informationen der Presse sollen für die Biografie siebenstellige Honorar-Angebote vorliegen. Da kann man sich dann auch einen guten Ghostwriter leisten, der täglich wie ein Gespenst im Büro des Alt-Bundespräsidenten sein Unwesen treibt und mit alten eingestaubten Akten raschelt.

Wird es detaillierte Angaben zu der Affäre um Hauskredite und Urlaube geben oder nur nette Umschreibungen, so ein stilvolles Schönschreiben von Tatsachen, die letztendlich zum vorzeitigen Rücktritt bewegten? Quasi, so ein toll formulierter Satz - in dem alles steht und auf die letzte Seite des Buchs prägnant platziert wird?

Wer das Buch liest, sollte auch dafür offen sein, an moderne Märchen glauben zu dürfen, könnten nun böse Zungen behaupten. Einzelne aus dem „gemeinen Volk“ sind für solche Meinungen prädestiniert.

„598 Tage“, so könnte (rein theoretisch betrachtet) nun der Titel eines Manuskripts lauten, das alle im Land bewegen könnte. Wer z. B. alte Ganghofer Werke liebt und bei alten Sissi-Filmen mit Romy Schneider Taschentücher benötigt, könnten schwach werden, wenn die ehemalige First Lady, Bettina Wulff, ihre Erinnerungen als Präsidentengattin in gedruckter Form im Herbst auf den Buchmarkt bringt. Sie ist nun die erste First Lady, die über ihre Zeit im Schloss Bellevue schildern wird. Die Leser/innen erwarten nun vermutlich schonungslose Aufzeichnungen, die veröffentlicht werden…

Werden die Bücher von Bettina und Christian Wulff Besteller? Vermutlich, da sie bestimmt „massentauglich“ konzipiert werden…

©Corina Wagner, April 2012

 http://www.freitag.de/community/blogs/corina-wagner/kein-aprilscherz

 


 

 11. März 2012 – Jahrestag Fukushima/Japan

Viele Menschen gedenken heute auf der ganzen Welt an die schreckliche Ereignisse und deren Folgen in Fukushima. Auch in Gundremmingen gab es eine Veranstaltung.

 

Atomkraftwerk Gundremmingen

Sicherheit hat für das Kernkraftwerk Gundremmingen oberste Priorität“

Stimmt diese Aussage des Betreibers?

Wie sieht es mit Grenzwerten aus?

Grenzwerte?

Grenzwertige Daten legen jene Menschen fest, denen andere Menschen gleichgültig sind, wenn es deren Gesundheit betrifft. Erschreckend daran ist, dass es der Wahrheit entspricht.

Kinder leben absolut gefährlich.

Wie fühlt es sich wohl an, wenn ein an Leukämie erkranktes Kind stirbt?

Eine geringe Strahlenbelastung zuzüglich Tagesspitzen, wenn im Quartal die Revision erfolgt, kann Krebs auslösen.

Wenn ein Brennelemente-Wechsel vollzogen wird, dann entstehen Emissionsspitzen, die wünscht man keinem Kleinkind, wenn man die wahren Daten, die enorme Strahlenbelastung kennt.

Wie fühlt es sich wohl an, wenn man als Betreiber genaue Daten kennt und der Bevölkerung die heile Welt vorgaukelt?

Gewissensbisse sind wohl fehl am Platz, wenn ein Revision-Wochenende bevorsteht.

Dann gibt es Emissionsspitzen, die gern verheimlicht werden, um die Bevölkerung ganz in der Nähe nicht zu schocken. Verantwortung liest sich anders, wenn man z.B. an die betroffenen Familien denkt.

Am Standort Gundremmingen betreibt die Kernkraftwerk Gundremmingen GmbH (KGG) zwei Siedewasserreaktoren (Block B und C) mit einer Leistung von jeweils 1344 MW. Beide Blöcke sind seit 1984 am Netz und produzieren jährlich ca. 21 Milliarden Kilowattstunden Strom. Diese Zahl entspricht ca. 30% des bayerischen Strombedarfs.“

Wo Menschen arbeiten, können Fehler entstehen.

Rund 780 Mitarbeiter der KGG und weitere rund 360 Mitarbeiter von ständig vor Ort vertretenen Fremdfirmen sorgen durch ihre verantwortungsvolle Tätigkeit für einen sicheren Betrieb der Anlage“

Kann man sich Fehler in einem AKW leisten?

Was passiert, wenn es in Deutschlands leistungsstärksten Atomkraftwerk durch menschliches Versagen zur Kernschmelze kommt? Diese Frage will man eigentlich nicht stellen...

Schön, dass es solche Formulierungen gibt:

Sicherheit hat für das Kernkraftwerk Gundremmingen oberste Priorität“

 

© Bild: T.W.  11.03.2012
Infos:

mediathek.daserste.de/sendungen_a-z/432744_plusminus/7484548_atomkraftwerke-gefahr-bei-revision

www.ippnw.de/atomenergie/atom-gesundheit/artikel/32caa2ddc0/kinderkrebs-um-atomkraftwerke.html

 

https://www.freitag.de/autoren/corina-wagner/akw-gundremmingen-gedanken-nach-einer-veranstaltung

 

 


Ich singe solange, bis ich zur Quintenschaukel mutiere und dann schreibe ich über ganz neue Töne ...